BEWERTEN
 

Broken Social Scene

»You Forgot It In People«

[Mercury GB / Import]

Text: Tobias Mull, Tobias Mull
[8 Kommentare]

Dieser erste Satz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass mir kein guter Anfang für diese Kritik eingefallen ist. Wirklich nicht. Aber ich kann halt weder deepe Storys über meinen Mann Venker erzählen noch irgendwelche Geschichten über die Band. Zum einen bin ich hier neu, und zum anderen würden die spärlichen Fakten über die Band auf eine völlig falsche Fährte führen, da die Musik so gar nicht die Erwartungen der Eckpunkte Kanada, Do-Make-Say-Think/Godspeed-Umfeld, Musikerkollektiv erfüllt. Also kein Soundtrack zur Apokalypse. Kein instrumentaler Progrock-Irrsinn. Keine 20-minütigen Sektionen. Nein. Vielmehr klingt das in ihrer Heimat schon 2002 veröffentlichte zweite Album ›You Forgot It In People‹ von Broken Social Scene wie ein freundlich strahlendes Mixtape auf CD.

Reingereicht von dem Typen mit der richtigen Plattensammlung. Und vorne drauf steht ganz fett »POP«. Denn war der Vorgänger ›Feel Good Lost‹ noch eine rein instrumentale Übung in meditativem Gitarrenshrink, gibt die Band hier nun alles. Die Indiegitarren bekommen einen Popanstrich mit ordentlich Gebläse, der Postrock lernt das Rocken und die Band das Singen. Ihren Pop spielen Broken Social Scene dabei naiv und abgeklärt zugleich. Auch schaffen sie den oft schwierigen Spagat zwischen Sound und Song. Ohne Opfer auf beiden Seiten. Und nur mit den besten Zutaten. ›Almost Crimes‹ z. B. klingt, als würden Sonic Youth zusammen mit Wayne Shorter und den Strokes einen Song von The Dismemberment Plan spielen, auf ›Looks Just Like The Sun‹ und ›Shampoo Suicide‹ überraschen soulige Backgroundgesänge, und mit ›Lover’s Spit‹ zelebriert die Band eine Ballade, ergreifender noch als ›Feeling Yourself Disintegrade‹ von den Flaming Lips. Dazu erinnert ›Anthems For A Seventeen Year Old Girl‹ mit seinem Banjo-Gestolpere und den verfremdeten Stimmen an die besten Momente der Beta Band, und ›Stars And Sons‹ featurt eine Basslinie, für die nicht nur New-Wave-Bands liebend gerne einen Schrein basteln würden. Und diese Handclaps erst. Herausragend auch das luftige Instrumental ›Pacific Theme‹ und die verhuschte Jazzballade mit Posaunensolo ›I’m Still Your Fag‹. Und das alles mit einer sauber dreckigen, lebendigen und sehr räumlichen Produktion, die selbst Dave Fridman fragen lässt: Wie zum Teufel haben sie das gemacht? Kurz gesagt: ein Meisterwerk. Ein Meisterwerk in Pop. Und ein wahres Indie-Mixtape-Masterpiece dazu.



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  • User: Mingus
  • Mingus 19.11.2003 | 18:58:37

    Oje, jetzt werden die hier nach einem 3/4 jahr doch noch groß; ein insidertip weniger mit den man den freunden um die ohren hauen kann`-( wieso wurde das tolle cover ersetzt?

  • Gero von Goell 19.11.2003 | 19:58:23

    jau, supertolle platte. was gitarrenmusik angeht, so kann man die platte ruhigen gewissens immer noch gerne lieben freunden als einen der tollsten geheimtipps dieses jahres reichen oder wahlweise auch um die ohren hauen. das cover mit dem live ambiente fand ich aber auch schön, das gehörte aber wohl zur erstauflage der cd.

  • User: Abendspaziergang
  • Abendspaziergang 19.11.2003 | 20:34:24

    Nanu? Was veranlasst Intro denn jetzt dazu, hier noch ein Review für zu veröffentlichen? Liegts am neuen Cover? Na egal, man kann auf dieses Album gar nicht genug hinweisen. Bestes Album der letzten Jahre.

  • User: glico
  • glico 19.11.2003 | 22:26:05

    praedikat dankbar sie zu besitzen

  • User: nadin_mikrokultur
  • nadin_mikrokultur 30.11.2003 | 19:55:10

    schoen, dass die platte noch ins heft
    gefunden hat ! grosses dankschoen!

  • User: markusFCB_
  • markusFCB_ 30.11.2003 | 23:58:53

    "pacific theme" ist sehr sehr schön.

  • User: nick name
  • nick name 22.06.2004 | 20:35:39
    Nix für ungut, aber...
    die jetzt auch noch in den markt gedrückte b-sides-sammlung namens bee-hives ist ein einziges ideenfreies ärgernis.

    die formel broken social scene = spannender, guter pop ist von der band leider gleich wieder widerlegt worden. sehr schade, das

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