BEWERTEN
 

Sevendust

»Seasons«

[Polydor-Island / Universal / VÖ: 20.01.2006 ]

Text: Folke Schneider, Folke Schneider

Geahnt hatten es ja viele. Doch nur Frank Sinatra sprach es offen aus: »Rock’n’Roll wird von Leuten gespielt, die hinterhältig, links und pure Kretins sind.« Und wo stehen wir heute? Mit Sevendusts neuem Album mitten im NuMetal/Alternative-Rock anno 2003, einem verkrusteten System. Die Deftones haben die geilen Songs, Korn den Groove, Limp Bizkit die besten Coverversionen, Nickelback die Popsongs – und Linkin Park verkaufen Tonträger wie geschnittenes Brot. Die Claims sind quasi abgesteckt. Der Ruck, der uns alle erst so richtig reinreißt? Fehlanzeige, zumindest bei Sevendust. Auf ›Seasons‹ regiert metallisches Stakkato im Bollertakt die Strophen, das darf auch mal richtig krachen, um, wenn die Zeit gekommen ist, in den opulent arrangierten Refrain umzuschlagen.

Unter opulenten Arrangements sind dabei durcheinander wabernde Gitarren- und Stimmenspuren zu verstehen, welche uns Melodien aufdrängen sollen. Sie kennen diese Brüder und haben das durchschaut? Brauchen das nicht? Bitte weiterlesen. Denn angesichts dieser Produktionswucht würden überraschende Harmoniewendungen wirklich nur überfordern. »Lassen wir echt mal besser außen vor, die ganze Raffinesse«, sagten sich auch Sevendust auf Englisch und folgten dem bewährten Rezept: erst schroff, dann schwülstig. Fixierung aufs Kerngeschäft. Zu doof: Die Hooklines kommen auch nicht so recht aus dem Quark. Daher muss zwischendrin auch mal mächtig gebrüllt werden, solventer Frustabbau, bevor der Refrain wieder zu Ruhe und Ordnung gemahnt und Männer Trauer tragen oder Hoffnung schöpfen. Den formalistischen Einwand, hier ähnelte ein Song dem anderen nun doch zu arg, lassen wir heute mal stecken. Würde er doch nicht angeführt, wenn auch nur ein Song pläsierte. Der Rest ist Routine: reiche Instrumentierung, karge Ideen. So irrte Ol’ Blue Eyes: Hier wird das Visier offen getragen, mit links ist heute höchstens noch ein Staatsmann zu machen, und pure Kretins? Gewiss, der Altmeister würde sich – so war er nun einmal – herausreden: »Solche Heulsusen habe ich doch nicht gemeint – sondern andere, diese ganzen Bluesrock-Restauratoren zum Beispiel. Das hier ist doch kein Rock’n’Roll.« Damit hätte er Recht.



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