BEWERTEN
 

Schlammpeitziger

»Everything Without All Inclusive«

[Sonig / Zomba / VÖ: 03.11.2003 ]

Text: Malte Carli, Malte Carli

Jo Zimmermann macht sich auf für Neues. Vor kurzem resümierte unser allerliebster Schlammpeitziger noch mit den ›Collected Simplesongs Of My Temporary Past‹ die fidelen Fiep-Epen seiner ersten vier Alben und ohrwurmte sich damit in die Gehirnwindungen eines breiteren, nunmehr weltweit verzückten Publikums. Die Dinge gehen ihren Lauf: Nach der Party kommt die Sperrstunde, dann wird erst mal aufgeräumt und der Rausch ausgeträumt. Für Schlammis neues Album heißt das dann: Alles geht, aber Faulheit beim Zuhören und vorgestrige Erwartungshaltungen werden eventuell bestraft – ›Everything Without All Inclusive‹. In Erinnerungen an die gute alte Zeit wird natürlich auch geschwelgt, siehe ›Prä-digitaler Volksstuhlhänger‹, aber anderswo haben die Putzerfische ganze Arbeit geleistet.

Da werden Klänge und Musikstandards eingeladen, die bisher in diesem ganz eigenen, wunderbaren und heimeligen Fieps-Universum noch nicht zu Gast waren, etwa, wenn ›Im Rehaglänzgasboot‹ über Gitarrengezupfe so richtig schmachtend mit der Theremin losgeheult wird. Oder wenn im ›Club Sonnenbankwende‹ eine für Schlammis Verhältnisse schon als dreist zu bezeichnende Bassdrum bolzt. Das steht dem Schlammpeitziger alles sehr gut zu Gesicht. In seiner Liga hagelt es ja meist Floskeln wie: Stagnation auf höchstem Niveau. Selbiger hat er aber mit ›Verordentlichte Unruhe‹ und Konsorten ganz schön eines ausgewischt. Ulrich Troyer hat, obwohl er natürlich ganz anders klingt, zwei oder drei Dinge mit Jo Zimmermann gemeinsam. Erstens hat sich auch bei ihm einiges getan im Vergleich zu seinem lärmig-verschrobenen Debüt auf Mego. ›Rose De Shiraz‹ hat mehr Melodie, mehr Songs und vor allem mehr Sinnlichkeit. Zweitens steht auch er auf schräg-charmante Fieldrecordings und Geräusche. So bastelt er sich seine ebenso detailverliebten wie vertrackten Beats aus allen möglichen Alltagsgeräuschen und peppt die Stücke mit einer wahren Fülle an multikulti Vocalsamples zwischen Wiener Gemüsemarkt und Ghana TV auf. Außerdem lesen sich auch bei Troyer die Stücktitel so lustig, wie sie dann oft klingen. Der ›Tellerwäschermillionär‹ stellt den american dream mal auf eine solide Basis: Abwaschen und samplen, bis man steinreich ist. Und zum bärenstarken Hit ›Teddystep‹ will ich in Zukunft alle in den Clubs steppen sehen.



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