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Text:
Ulrich Kriest,
Ulrich Kriest
Das Peaches-Problem avant la lettre! Diese Frau wird mit den Jahren auch nicht größer. Als ich dem Schaffen von »Little« Annie Axiety Bandez zuletzt über den Weg lief, im Frühjahr 1996, wurde ihr legendäres, fast vergessenes 1986er-Album ›Jackamo‹ gerade im kostbaren Blechcover reissuet, vielleicht, weil damals gerade ihr ›Short & Sweet‹-Album an sie erinnert hatte. Damals, also 1986, war sie als Teil der On-U-Sound-Posse bereits semilegendär und hatte einschlägige Geschichte geschrieben, etwa mit der Punkband The Asexuals, als professionelle Spielerin, Face-Model oder im Umfeld von Andy Warhol. Glaubt man der seinerzeit verbreiteten Biografie, muss sie ca.
15 gewesen sein, als sie die New York Dolls live sah. Als es sie Anfang der 80er-Jahre nach London verschlug, hing sie dort mit The Crass und The Wolfgang Press ab, danach mit Sherwood und Co. Robert Palmer hätte angemerkt: »Some girls have all the luck!« Schon damals fiel im Zusammenhang mit der toughen, rotzigen Performance von Little Annie als Referenz gern der Name Grace Jones, daran hat sich bis heute – wer auch immer heute noch Grace Jones erinnert – offenbar nichts geändert, obwohl Lydia Lunch, Ursula Rucker oder auch Eartha Kitt sich als Referenzen ebenso anböten wie die ewige Grace. Auch heuer hat »Little« Annie allerlei Promis um sich geschart: Khan, Cem Oral, Jendreiko und sogar den Gun-Club-Mythos Kid Congo Powers, um etwas New York No Wave in die Gegenwart zu retten. Die knochentrocken gemixten Sounds, mal funky, mal latent Reggae-fiziert, funktionieren auch ziemlich gut. Dass das Album trotzdem nervt, liegt an Mrs. Bandez herself, die ihre Spoken-Word-Poetry knurrt und faucht und wahrscheinlich nicht einmal Worte wie Hypertrophe Relativitätstheorie nicht-sexualisiert über ihre Lippen bekommt. Das soll wohl irgendwie cool wirken, klingt aber leider in meinen Ohren etwas sehr bemüht und – bestenfalls – unfreiwillig komisch. Obwohl es im hinteren Drittel (›No Angels‹) etwas differenzierter wird, hörte ich viel lieber die instrumentalen Versions.
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