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Eko

»Ich Bin Jung Und Brauche Das Geld«

[Subword / BMG / VÖ: 03.11.2003 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

Eigentlich müsste Kool Savas doch auf Wolke sieben schweben. Denn alles ist ihm zugetan: Es gibt neue Staffeln seiner Lieblingsserie ›King Of Queens‹, BMG nahm sein Label Optik Records unter Vertrag, seine Wandlung vom Pimp-Saulus zum immer noch respektierten Paulus ist mit der Platte ›Der Beste Tag‹ gelungen, und sogar die linke Presse zollt seinem Pubertäterä-Style Tribut. In der Jungle World spöttelt sich Andreas Hartmann durch einen Beitrag über Peaches, und als Headline wird herrenwitzig die Oldschool-Savas-Zeile »Lutsch mein’ Schwanz« gedroppt, um zu zeigen, dass man die Künstlerin nicht verstanden hat. Kool hat es gut. Wäre da nicht sein komisches Mündel: Eko.

Den er über Jahre gebetsmühlenartig zu jedem Interview mitschleppte und präsentierte, als schulde Savas dem stillen, schläfrig aussehenden kleinen Jungen sein Leben. Eko trottete bereitwillig mit und wirkte im Interview (siehe Intro 100) noch ein bisschen wie der hässliche Freund, den schöne Menschen als Sidekick gern um sich haben, weil er ihre Größe noch mehr betont. Jetzt aber dreht Eko tatsächlich auf. Wie Savas es vorausgesagt hatte. Lediglich bewegt er sich dabei in eine nicht vorhersehbare Richtung. Eko führt nicht etwa den Optik-Integrationswillen, den Savas’ Album einläutete, zurück zu aggro und pimpo, sondern überdehnt jenen völlig. Nimmt acht Stufen auf einmal, rippt sich fast den kompletten Rhythmus eines R.Kelly-Stücks, bringt bis dato von der Crew ultra verhasste Fanta-4-Spaß-Reime und lässt auf seiner zweiten Single (heißt wie die Platte) Heinis zum Featuring ans Mikro, die gerade mal cool genug für DJ Tommek wären. Abgesichert wird dieser Meilenstein des Charts-orientierten Fun-Rappin durch die Aussage: ›Ich Bin Jung Und Brauche Das Geld‹. Im HipHop-Biz spielen Geld und Status ja eine große Rolle. Und so ist nicht verwunderlich, dass Eko mittlerweile unterstellt wird, er sei wirklich so clever und räume einfach die BMG-Auslagen ab. Dafür tauchen dann eben Thomas Stein und Roberto Blanco im Video auf. Unterhaltsam ist das auf lange Strecke doch etwas anstrengende Album natürlich besonders wegen der Fallhöhe von Savas. Denn der stand und steht so explizit gegen diese Form der Affirmation, dass er auch nicht anders konnte, als sich von Eko loszusagen. Es ist eben nicht leicht, aus Lehm Menschen nach seinem Angesicht zu formen. Das bekam schon Prometheus schlecht, Alter.



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