Mary J Blige
»Love & Life«
[Geffen / Universal / VÖ: 10.09.2007 ]
Text:
Jan Wölffel,
Jan Wölffel
Wohlan, ›Love & Life‹, Mary J Bliges sechstes Album (oder siebtes, wenn man ›411 Remix‹ mitzählt), ist mal wieder mit allen musikalischen und seelischen Segnungen ausgestattet, die aus Mary J Blige einen Superstar haben werden lassen. Niemand sang und singt leidenschaftlicher, lust- und leidvoller über amtliche HipHop-Beats von Produzenten wie Puffy, Dre, den Trackmasters und zuletzt auch den Neptunes. Und auch die Großen der Reimkunst wie Biggie, Nas, DMX, Keith Murray, Method Man, Mobb Deep und aktuell 50 Cent waren an den Hoftagen der Queen of HipHop und R’n’B zu Gast. Apropos: Als zuletzt einem Freund von mir das Glück hold war, sie zu interviewen, nahm dieser eine meiner alten Source-Ausgaben aus dem Jahre 1994 mit Mary J Blige auf dem Titel mit auf den Weg.
Die 90er waren ihre Jahre, und ›Love & Life‹ lässt über weite Strecken dieses Gefühl Revue passieren. Da wäre erst einmal die erneute Zusammenarbeit mit ihrem Entdecker Sean Puffy Combs, der wie gewohnt einen Haufen klassischer Beats und Samples aus dem Hut zaubert. Die erste Single, ›Love @ 1st Sight‹ (feat. Method Man), läuft über den ›Hot Sex‹-Beat von A Tribe Called Quest; hinter dem in ›Ohh!‹ verwendeten ›Singing This For My Mother‹-Sample von H. Bohannon verbirgt sich E Dogs ›I Got Ta‹; und das Glockenspiel Taj Caders (aus ›Never My Love‹) in Marys ›All In My Love‹ hat Grand Puba auf ›I Like It‹ bereits mal in der Mangel gehabt. Der Verdacht der branchenüblichen Zweit- und Drittverwertung zum Zwecke des rollenden Rubels fällt aber aus, denn wer könnte die 90er mit mehr Respekt und Achtung reminiszieren als Mary J Blige selbst? Und Puffy ist der Mann für die Superbeats, wie damals, als sie sich mit ›My Life‹ (1994) von ihrer frühen ›What’s The 411?‹-Partyschiene emanzipierte. Im Falle der ruhigeren Stücke darf sich Mary Js Fan-Gemeinde an ihr bis dato wohl souligstes Album, ›Mary‹ (1999), erinnert fühlen.
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