The Strokes
»Room On Fire«
Text:
Felix Scharlau,
Felix Scharlau
[3 Kommentare]
›Room On Fire‹ muss mehr leisten als andere zweite Alben großer Stars. Es genügt nicht, das Erreichte nur auszubauen oder gar zu halten. Denn der neue Output wird auch auf einer kaum berechenbaren Meta-Ebene rezipiert. Er wird zwangsläufig auf die allgegenwärtige Entwicklung bezogen, die ›Is This It‹ vermeintlich mitzuverantworten hatte: die Renaissance von Gitarre unter dem Banner vordergründiger Rotznäsigkeit. Obwohl sich unsere fünf Boys glaubhaft und im positivsten Sinne nur für sich selbst und nicht für Trends interessieren – für den Gitarren-Hype der letzten Jahre werden sie jetzt zur Rechenschaft gezogen. Und mancher Kritiker oder Hörer (ich) wird sie dafür sicherlich auch unterschwellig büßen lassen.
Jetzt liegt ›Room On Fire‹ also endlich vor. Und ich sage, dieses Release wird auch jenseits riesiger Verkaufszahlen Geschichte machen. Warum? Ganz einfach: Wer vor kurzem noch den musikalischen Flop prophezeite (wieder ich), schnürt bereits nach einmaligem Hören das Ränzlein für den Gang nach Canossa. Denn was macht die Band? Sie wählt zunächst einmal von den beiden einzigen Möglichkeiten – sich entweder komplett neu zu erfinden oder ganz genau so zu klingen wie auf ›Is This It‹ – die zweite. Und erhöht damit ordentlich den Druck auf sich selbst. Da zudem, von Marginalien abgesehen, auch noch fast identisch produziert wurde wie zuvor, bleiben nur die elf Songs auf knapp 34 Minuten Länge, über die es zu reden gilt. Aber die haben es eben in sich. Da ist zum einen die Single ›12:51‹ mit der bereits gänzlich internalisierten Kinderliedmelodik. Aber auch noch so viel mehr und sogar Besseres. Der Opener ›What Ever Happened?‹ zum Beispiel. Mit einem Refrain, bei dem Weinen nun wirklich erlaubt ist. Oder ›Reptilia‹, das durch kluge Power-Chords aufwartet, nach denen sich manche Emo-Band verzehren dürfte. Und wir sind jetzt erst bei Track Nummer zwei. So geht das durchweg vom Ballast befreite Spiel weiter. Stets bis zum Überreißen akzentuiert, direkt und unverschlüsselt. Melodische Schwächen sind die Ausnahme. Zitate hinsichtlich ›Is This It‹ dagegen nicht – aber seltsamerweise stört auch das kein bisschen. Bleiben zwei Dinge festzuhalten: Das neue Album wird zu Recht wieder everybody’s darling. Selbst Indie-Spießern, die chartstauglich für uncool halten, dürfte es schwer fallen, diese Platte wirklich zu hassen. Und: Der Verweis auf das Epigonentum muss jetzt zumindest in seiner vorwurfsvoll gemeinten Version vom Tisch. Denn obwohl sich auch auf ›Room On Fire‹ die Referenzhölle auftut, würden schon die schlechteren Songs der beiden Strokes-Werke zusammengenommen ein besseres Album ergeben als ein sehr gutes der vielzitierten potenziellen Vorbilder. Z. B. ›Crazy Rhythms‹ von meinem persönlichen Liebling der Angeblich-Strokes-Vorbilder The Feelies. Und das ist nun wirklich ganz hervorragend.
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HerrLehmann 12.11.2003 | 18:14:47
"Denn der neue Output wird auch auf einer kaum berechenbaren Meta-Ebene rezipiert." Oje, oje... Der Autor hätte seinen Einstieg vielleicht mal auf der Leser-Ebene rezipieren sollen.
vomdreier 12.11.2003 | 18:27:20
Vor allem ist der Satz in seiner Aussage etwas schwachsinnig und letztlich auch ziemlich unzutreffend. Kaum war berechenbarer als dieses Album, samt Umfeldererwartung und Ausgang. Eher erschreckend einfach.
Unheimliche, dunkelfeurige Energien freisetzend waren doch frühe Kiss-Konzerte.
Das ist wie die allwöchentliche Frage im Fussball-Biz, welcher Coach fliegt denn bald?
Professionelle Musik-Kritiker, das sagt's doch schon immer ein bißchen. Passt sogar ganz gut hier, der Titel des Albums ist auch ein ganz klassisches Selbsttor.
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