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Muse

»Absolution«

[Motor / Universal / VÖ: 22.09.2003 ]

Text: Jörg Koch, Jörg Koch
[17 Kommentare]

Man soll den Sound einer Band nie zu früh als festgeschrieben abstempeln. Eine Mikroweisheit, klar. Aber was hat mich an Muses Debütalbum ›Showbiz‹ damals, also vor gefühlten vier, fünf Jahren, noch so gestört? Sind wir mal ehrlich: Was Sänger (Gitarrist und Pianist) Matthew Bellamy, Schlagzeuger (und wirklich nur das) Dominic Howard und Bassist Chris Wolstenholme damals boten, klang nicht wirklich besser als das, was alle anderen Rockbands in dem Post-Grunge-Dilemma so anstellten – nur dass es sich deutlich besser verkaufte. Danach führten mich Vorurteile immer an der Band vorbei. Was sich jetzt als Nachteil herausstellt. Denn wenn ich das neue Album ›Absolution‹ höre, bin ich geneigt, die These zu wagen, dass mich bereits ihre VÖs nach ›Showbiz‹ durchaus auch schon für die Band hätten gewinnen können.

›Absolution‹ mutet so klassisch an – und das hat unser Autor des letztmonatigen Features sehr klar herausgearbeitet (was übrigens jetzt nicht nach dem wohlwollenden Lehrergequatsche klingen soll, wie es das gerade tut). Klassisch darüber hinaus nicht in der Art, wie es Rammstein gerade angehen, die ihre Songs vom Dresdner Sinfonieorchester als monumentale Oper haben arrangieren lassen und damit jegliche Form von Musik zur Zeit aus ihrem Werk eliminieren, sondern klassisch im Sinne von: diese ganz große pompöse Inszenierung. Der nie unpoppige Gitarrenlärm von Muse wird dadurch in ungeahnte Höhen geschraubt. Immer passt noch eine Schicht mehr drauf. Das ist der Rock der Zukunft, höre ich mich denken – und tippe es schnell: variabel in den Rhythmen, satt im Klang und trotzdem nicht zu advanced für seine mitunter Sound-konservative Zielgruppe. Die Klassik von Muse erinnert (in Abgrenzung zu oben ins Spiel gebrachten Rammstein) eher an Rachmaninow und Chopin in ihrem modern-romantischen Gestus denn an Wagner oder Ravel. Ihr fast zwanzigköpfiges Orchester kommt mit Streichern und Mandolinen daher statt mit den großen Trommelwirbeln. Dazu passt folgendes Zitat von Matthew Bellamy aus dem Intro-Feature: »Klassische Musik ist die ultimative Kombination von extremer Intelligenz und emotionaler Tiefe.« Ein Sänger, der so etwas sagt, sieht seinen stimmlichen Input natürlich folgerichtig als ein weiteres Instrument und nicht als das Nonplusultra des Sounds. Genau diesen Vorwurf habe ich ihrem Erstling immer gemacht. Ich dachte, zu sehen und hören, dass der Frontmann dieser Teenager-Combo zerfressen sei von egomanischer Geltungssucht – und folgerichtig so enden würde wie seine Grunge-Heroen. So kann man sich täuschen. Und dann sind da noch die Balladen, jene Momente, in denen sich im harten Rockgewerbe die Accepts von den Nickelbacks trennen. Wo Erste immer wussten, was guter Pathos ist, verlieren sich Zweitere ja polemisch gesagt in ihren Bärten und Frisuren. Muse haben trotz des noch immer jungen Alters aller Beteiligten (so ca. Mitte zwanzig) schon jene Souveränität erreicht, dass sie sich auszudrücken trauen, was sie fühlen. Gut so, denn das machen doch sonst nur die Bösen – und das fällt dann halt dementsprechend aus. Mich haben sie zumindest überzeugt hiermit.



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MUSE
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  • User: DeadRose
  • DeadRose 14.02.2004 | 23:45:43

    Also ganz ehrlich: beim ersten Hören der Platte dachte ich: WOW! aber ich konnte mich nicht sofort mit allen Titeln anfreunden, da einige recht ungewöhnlich waren. Aber je mehr ich die Platte gehört habe desto besser gefiel sie mir und das was die Jungs diesmal abgeliefert haben ist wirklich grandios!Und ich sage es nicht nur weil es meine Lieblingsband ist. Ich muss ja auch zugeben dass ich auch nach dem Debütalbum gespannt war was danach kommt und Muse gehört zu den Bands die sich wirklich extrem positiv weiterentwickelt haben und sich auch nicht wirklich wiederholt haben. Die Platte kann ich wirklich nur empfehlen.

  • User: DeadRose
  • DeadRose 14.02.2004 | 23:55:24

    Sorry war meine erste Rezension :-) freu mich aber trotzdem über Anworten :-)

  • User: DeadRose
  • DeadRose 15.02.2004 | 00:04:01

    sorry ich schon wieder, ich meinte die "Absolution" von Muse.

  • User: Fevers and Mirrors
  • Fevers and Mirrors 15.02.2004 | 01:37:00

    hmm, also die ersten beiden alben find ich auch ziemlich gut, und live sind muse (wenn man in der richtigen stimmung ist) auch klasse, aber "absolution" kann mich bis heute nicht so überzeugen. bis auf die singles und 1,2 andere songs packt mich das alles nicht so. teilweise schwank ich sogar zwischen gelangweilt und genervt sein, zustände, die viele ja allgemein und schon immer mit muse verbunden haben, ich aber eben (zumindest teilweise) erst jetzt. schade eigentlich.

  • Yours 15.02.2004 | 01:48:02

    sehe das als weiteren beweis für's begräbnis der 90er e-gitarre im mainstream, back to disco.

  • User: TheRocker
  • TheRocker 15.02.2004 | 11:58:34

    sorry, also das glaub ich nicht

    falls es zur disco-invasion kommen sollte, hack ich mir die ohren ab :)

  • User: DeadRose
  • DeadRose 15.02.2004 | 13:41:19

    Ich versteh euch aber trotzdem finde ich dass die Jungs sich nicht wiederholen und ihr Ding durchziehen.

  • User: PennyLane
  • PennyLane 15.02.2004 | 15:28:39

    meine lieblingsband. unvergleichliche klangteppiche, und geht live sowas von ab. delirium. die absolution rockt hammermäßig, geht stellenweise aber auch sehr sehr nahe. ich krieg z.b. bei "thoughts of a dying atheist" immer einen ganz dicken kloß im hals, weil mich diese endevision total mitnimmt.

  • User: dubman
  • dubman 15.02.2004 | 16:09:37

    also die neue Muse hat schon was, und nach ein paarmal hören bleibt viel hängen, also insgesamt wieder toll. Und jetzt der Kritikpunkt, wer hat diese Scheibe produziert, klingt wie in nem Mülleimer aufgenommen, gar keine Höhen, Muse auf dem Weg zur Low-Fi band, obwohl da die meisten Bands noch mehr aus ihren Monoanlagen rauskitzeln.

  • User: PennyLane
  • PennyLane 15.02.2004 | 16:21:57

    @dubman ich denke, das ist bewusst so gemacht. kenne mich aber in aufnahmetechnischen dingen nicht aus.

  • User: DeadRose
  • DeadRose 15.02.2004 | 16:34:45

    @PennyLane ja live sind die Jungs wirklich der Hammer, da fällt einem nix mehr ein...wow...

  • User: PennyLane
  • PennyLane 15.02.2004 | 17:35:50

    @deadrose ja, nicht wahr? da vergeht einem doch hören und sehen (naja nicht wirklich, denn das wäre doch sehr schade). ich finde ja endlessly live so unendlich geil.

  • User: DeadRose
  • DeadRose 15.02.2004 | 17:42:51

    Ja ich finde man ist total geschädigt nach denen oder? aber jetzt im positiven Sinne :-)Auf welchem Konzert warst Du denn? Ja Endlessly ist live der Hammer und Apocalypse please auch.

  • User: Pippo
  • Pippo 30.12.2009 | 00:31:57

    ohne diese platte wären die jahre 2000-2010 an mir vorbeigelaufen.
    zwischenzeitlich glaubte ich, mir würde muse nicht mehr gefallen, hauptsächlich angesichts der neusten ergusses. die absolution kommt mir immer unheimlich geschlossen daher und abgesehen von endlessly fallen hits trotz dieser geschlossenheit mit der tür ins sprichwörtliche haus ohne sich zu sehr anzubiedern.

    die ersten 3 plus das in diesem turnus erschienene live-album bestärken mich darin, electro-hypes unglaublich mies zu finden und pathetischer rockmusik im muse'schen sinne ein comeback zu wünschen.

    ob muse selbst das hinbekommen, wage ich zu bezweifeln, dankbar bin ich ihnen so oder so.

  • User: rockotron
  • rockotron 02.01.2010 | 02:35:58
    lackaffe
    ohne diese platte wären die jahre 2000-2010 an mir vorbeigelaufen.
    ???

  • User: Sportpalast
  • Sportpalast 05.01.2010 | 22:50:36
    Lieblingsmistkerl
    das neue album ist wirklich keine offenbarung, die 2 gigs in 2009 waren jedoch- auch wegen der golden oldies- nicht schlecht...

    das jedoch das hier den 1. platz belegte, kann ich nicht nachvollziehen.....erinnert mich immer etwas an "stille treppe";-)

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