BEWERTEN
 

Neil Young & Crazy Horse

»Greendale«

[Wea]

Text: Felix Klopotek, Felix Klopotek

Seit “Mirror Ball”, seinem 1995 veröffentlichen Meisterwerk mit Pearl Jam als Backingband, wartet man auf ein geschlossenes, kohärentes Werk Neil Youngs. Gewiss, in den letzten Jahren hat Young eine Hand voll großartige Songs geschrieben, nur ergaben sie keine großartige Platte, auch die anmutige Akustikplatte “Silver & Gold” (2000) ist “nur” Stückwerk. Mit der Veröffentlichung des mit großem Pomp angekündigten Albums “Greendale” soll alles anders sein: “Greendale” ist ein Konzeptalbum. Es gibt eine ganze Reihe von Young-Alben – seine besten –, die um eine Idee (Tod, Verlust, Resignation, Landflucht) kreisen. Aber ein Konzeptalbum im strikten Sinne – ein Konzeptalbum, wie man es von The Who, Genesis oder Pink Floyd kennt – hat er nie veröffentlicht.

Bis jetzt. “Greendale” ist die Geschichte eines verschlafenen Provinznestes samt seiner Einwohner. Es treten auf: Grandpa, der Captain und Jed, welcher Carmichael, den Verkehrspolizisten, bei einer Kontrolle aus einer Panikhandlung heraus erschießt. Wir lernen Carmichaels Witwe und noch viel mehr Personal kennen: Edith, Earl, Leonore, die Pressemeute ... Die Pressemeute setzt Grandpa wegen seines Enkels Jed ordentlich zu, verzweifelt will er sie loswerden und wird vom Herzschlag niedergestreckt. “Grandpa died like a hero / Fightin’ for freedom of silence / Tryin’ to stop the media / Tryin’ to be anonymous.” Seine Enkelin Sun Green ist über seinen Tod so entsetzt, dass sie sich zur radikalen Kämpferin für Bürger- und Umweltrechte entwickelt, bis sie vom FBI gemobbt wird. Am Ende kulminiert alles in einer Hymne auf die Globalisierungskritik: “Save the planet for another day / Don’t care what the governments say (they all bought and paid for anyway).” Das ist in etwa die Story. Klingt nicht besonders stark, muss sie aber auch gar nicht sein. Denn Neil Young ist der Geschichtenerzähler, der die “kleinen Leute” und ihre Biografien ernst nimmt, einfach so, ohne Populismus. Neil Young gibt den Linkspatrioten, der sein Amerika gegen die Regierung, die Bullen und die große Industrie verteidigen muss. Diesmal ist er sogar bereit, sein Songwriter-Genie ganz in den Dienst der “guten Sache” zu stellen. Bis auf eine alles überstrahlende Ausnahme (“Bandits”) ordnen sich die einzelnen Songs streng der Story unter. Letztlich hören wir einen 80-minütigen, alles in allem recht textlastigen Song. Das ermüdet etwas und geht auf Kosten der entspannt und wirklich cool rockenden Musik: Rein musikalisch nämlich ist “Greendale” exakt das Album, das demonstriert, dass Young am besten klingt, wenn er mit den genialen Dilettanten von Crazy Horse jammt.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Felix Klopotek, Felix Klopotek
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •