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Heinz Strunk

»Einz«

[Nobistor – Studio Braun Produkte / Indigo / VÖ: 07.07.2003 ]

Text: Michael Saager, Michael Saager
[11 Kommentare]

Auf die Frage, wer Heinz Strunk ist, gibt es verschiedene Antworten: Entertainer, Musiker, Hörspielschreiber und natürlich – ein Spaßvogel: “Ich bin privat ein älterer Jeansboy, ein Jeansboy de luxe oder auch Jeansboy paradoxe. Zur Jeans dazu trage ich gern eine Ganzkörperspange und ein Siebziger-Jahre-Discobein zum Umschnallen. Wenn ich Besuch erwarte, bevorzuge ich meinen Ganzkörperoverall aus atmungsaktiven Naturdaunen.” Wer den Solisten Heinz Strunk nicht kennt, erinnert sich vielleicht an die Telefon-Prankster aus dem Hamburger Studio Braun. (“Schreiben Sie mal auf: Flaaahsche.”) Heinz ist einer von ihnen.

CDs macht Heinz Strunk schon eine ganze Weile. Früher im Eigenvertrieb, heute mit Hilfe des jungen Hamburger Labels Nobistor. Auf Nobistor – Heinz ist übrigens Mitinhaber – ist gerade seine erste “offizielle” CD erschienen. “Einz”, so ihr Name, ist vieles gleichzeitig, keinesfalls eine reine Musik-CD. Collagen wechseln sich ab mit Hörspielen und grenzdebilen Songs. Im Hintergrund des Hörstückes “Geschwindigkeitsbegrenzung” vernimmt man einen schmerzhaft authentischen Kneipenstreit. “Die Waffe” ist das Eins-zu-eins-Abziehbild eines Disputs zwischen zwei Berliner Punks. Zweifellos hat Heinz ein ausgesprochenes Faible fürs (hyper-) realistische Detail. Für skurrilen Humor natürlich auch. “Einz” erinnert stellenweise an die Gaga-Surrealismen eines frühen Helge Schneider, bisweilen an Foyer Des Arts oder die Tödliche Doris.

Auf “Computerfreak”, der Single-Auskopplung, veräppelt Heinz zu denkbar dilettantischen Keyboardsounds jene Sorte Jungmänner, deren Gesicht längst am Bildschirm festgewachsen ist. Er singt mit dialektalem Slang: “Computerfreak, Computerfreak – ungewaschen klebrig, Emotionen schockgefrostet, verheddert in der Mouse / Computerfreak, Computerfreak – klickst depressiv im Off. Arbeitsspeicher chronisch knapp, Taktung ist beschissen.” Dabei stolpert er singend – ein durchgehendes Merkmal seiner Kunst – von Konsonant zu Konsonant, verschluckt Silben, verheddert und verhaspelt sich. Voller Absicht. Denn es geht immer auch darum, dem Text mit aktiven sprachlichen Mitteln ein Mehr an Absurdität zu verleihen, den Zuhörer auf nette Art und Weise zu verstören. Was durchaus gelingt, auch deshalb, weil es sonst niemand auf diese Weise tut, der Effekt also noch nicht abgenutzt ist. In einer Passage von “Computerfreak” fragt Heinz den generalisierten Nerd: “Ist das nun das Leben, was du wirklich willst?” Die Frage ist durchaus ernst gemeint und verweist auf eine generelle Tendenz der Texte: In jedem Sketch wohnt ein kleiner Kritiker. Heinz hat eine relativ dezidierte Vorstellung davon, wie es auf der Welt zuzugehen hat. Vieles passt ihm nicht. Hier ist es das scheinbar sinnlose Leben des Computerfreaks, andernorts der lieblos behandelte Opa. Oder die gebeutelte Mutter. Denn obwohl sich das Stück “Mutter Ist Ein Sexmaschien” vordergründig anhören mag wie eine überdrehte Lobes- oder Sexhymne, zeigt es doch gleichzeitig das kritikwürdige Rollenklischee des allzeit aufopferungswilligen Muttertieres: “Wir haben Mutter sehr sehr lieb. Sie ist unser großes Vorbild. Sie rackert wie ein Gnu, damit wir werden satt. Mmhm. Erst morgens kommt sie heim, schmiert uns schöne Brote. Unsere gute Mutter. Wir sind stolz auf sie.”



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  • schunkel 09.09.2003 | 11:06:26

    nich so klasse wie erwartet, aber manche Lieder und Stücke sind schon sehr grossartig. Und die Stimme allein ist natürlich auch schon geil genug. Mein bester Freund, Schlimme Augenwurst sind zB sehr schön. Abseitige Sache, insgesamt.

  • schunkel 09.09.2003 | 11:18:37

    an mich leider nich

  • schunkel 09.09.2003 | 11:19:12

    Kennt jemand die alten vergriffenen Tapes und CDs von Strunk?

  • User: RTL 3
  • RTL 3 09.09.2003 | 12:41:14

    kann mir jemand sagen, wo der doch sehr lustige song "erwachende leiber" (wohl noch unter dem namen jürgen dose) erschienen ist?

  • Mozzhead 09.09.2003 | 19:27:36

    Höre jede morgen "Symphonie in Moll" auf'm Weg zur Arbeit... bald lest ihr wohl von mir in der Zeitung. :-)

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