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Killing Joke

»Killing Joke«

[Sine / Sony / VÖ: 30.03.1987 ]

Text: Carsten Schumacher, Carsten Schumacher
[18 Kommentare]

“Vorbilder, alte Vorbilder!” Manchmal hat die Plattenfirma keine andere Chance, als sich am zünftigen Geschäft klassischer Bauchladenverkäufer zu orientieren. Ladenhüter werden noch mal poliert und als die heiße Scheiße verkauft. Bands, die heute keiner kennt, waren mit ihrer Message schlicht zu früh, nahmen aber alles heute Erfolgreiche vorweg. Nun ja, Killing Joke stehen vielleicht nicht am Ende jeglicher Schöpferkraft, aber die Ergebnisse ihrer Reunion in den 90ern gab eher Anlass zu Unverständnis und Schelte bei der Kritikerfraktion. Morbider Bombast, rauschende Gitarrenwände, zynische Hymnen und ein über alles schwebendes Coleman-Geschrei – passt das in eine glücklich vom eisernen Vorhang entbundene Welt? Das ist doch eher der Soundtrack zum Nato-Doppelbeschluss: “Besuchen Sie Europa, solange es noch steht.” Aber die 80er kommen wieder und mit ihnen auch die bange Sorge um eine Welt in den Händen von Verrückten.

Und als wäre das nicht genug, gibt es Schützenhilfe von einer weiteren Legende, die auch noch jeder kennt: Den Drum-Puls der finsteren Possenreißer gibt nämlich niemand Umtriebigeres als Dave Grohl. Noch bevor uns Mr. Ex-Nirvana also aus den Fängen seiner letzten Queens-Of-The-Stone-Age-Kollaboration entlässt, um uns mit den Ergebnissen seines 80er-Underground-Metal-Anbetungs-Projekts Probot zu befeuern, macht er auf diesem Album kurz Station. Nett, sehr nett von ihm, denn ohne ihn klängen Killing Joke wieder wie in den 90ern. Man muss sich nicht mit der Erwähnung aufhalten, dass er diesen Dienst an Killing Joke aus einer Laune der Helden-Verehrung heraus leistet. Vielleicht ist es auch das schlechte Gewissen aus der oft zitierten, extrem verblüffenden musikalischen Verbindung zwischen dem Nirvana-Klassiker “Come As You Are” und Killing Jokes “Eighties”. Am Ende jedoch bietet er einen für den Hörer wohltuenden Kontrast zu den oftmals zu dünn und inspirationslos geratenen Maschinentakten der Vorgängeralben. “Killing Joke” wurde diesmal in keiner Pyramiden-Kammer unter dubios-okkulten Bedingungen zur Ader gelassen. Auch gibt es keine neuen Paranoia-Explosionen von Frontweirdo Jaz Coleman. Das Album stellt vielmehr eine akkurate Nachbereitung der Vorgänger “Pandemonium” und “Democracy” dar, mit einem dramatischen Einstieg, einigen Hymnen und donnerndem Wetterleuchten im Versteck-Track. In gewisser Weise hecheln Killing Joke also ihrer eigenen Zeit hinterher, was dem Ahnen-Kult ihrer Verehrer jedoch keinen Abbruch tut.



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  • Erzkanzler 22.07.2003 | 23:31:08

    Was ich bislang gehört habe (zwei Songs) klingt wirklich wie eine Fortsetzung von "Democracy" und "Pandemonium", allerdings ohne das klaustrophobische des letzteren und das hymnische des ersteren - abwarten, bislang hat sich noch jede Killing Joke- Platte erst nach mehrmaligem Hören erschlossen.

  • User: morus
  • morus 23.07.2003 | 12:27:36

    schade, dass die nur presse wegen
    dem grohl bekommen.

  • bloomthorn 24.07.2003 | 10:50:51

    also ich find's ziemlich geil - sehr erdig, sehr archaisch, sehr druckvoll. zusammen mit pandemonium die bisher beste killing joke platte (democracy fand ich deutlich langweiliger).

  • User: morus
  • morus 25.07.2003 | 09:49:58

    hat jemand die tour dates parat?

  • User: Oleandah
  • Oleandah 25.07.2003 | 10:01:43

    6.8. Columbiahalle / Berlin
    10.8. Tor 3 / Düsseldorf

  • hauke 25.07.2003 | 11:27:56

    ... außerdem noch der 04.08. in Leipzig, Moritzbastei.

  • User: morus
  • morus 25.07.2003 | 11:35:52

    hm, nicht gerade flächendeckend.

  • hauke 25.07.2003 | 11:52:47

    habe gehört, dass noch weitere Dates in Planung sind...

  • User: 2bfuzzy
  • 2bfuzzy 25.07.2003 | 16:59:55
    secret suburbia
    @punchdrunk thomas: lohnt sich immer.
    das sind alte herren, die noch fit sind auf der bühne (vor ein paar Jahren jedenfalls). Berüchtigt für ihre Bühnenkostüme, es gibt also auch visuelle reize zu erleben.

  • User: Lanni
  • Lanni 25.07.2003 | 19:54:06

    haben muss!

  • User: Daniel Decker
  • Daniel Decker 25.07.2003 | 21:44:46

    bitte audio/video auf dieser seite beachten

  • User: morus
  • morus 03.08.2003 | 11:56:27

    ganz schönes brett, erster eindruck ist fein. wuchtig, böse, also die ideale scheibe für einen sommertag bei 30 grad...

  • User: xrayspex
  • xrayspex 03.08.2003 | 15:18:39

    Qmorus
    dazu passt die rezension aus dem spiegel:
    Geändert am Konzept hat sich nicht viel: Sägender und pulsierender Industrial-Metal, der nach 1983 riecht und dazu dient, den Furcht erregenden Botschaften des Sängers lautstark Nachdruck zu verleihen. Coleman weiß, was er seinen verweichlichten Epigonen (Ministry, Filter, etc.) schuldig ist und wettert fiebrig gegen Globalisierung und amerikanischen Imperialismus ("Total Invasion"), fürchtet sich vor "Dark Forces" und Gentechnologie ("Implant"), will vor lauter Wut auf die Politik zum terroristischen "Asteroid" werden und lädt zum Schluss zum Schunkeln in sein "House That Pain Built" ein. Das alles wirkt charmant unzeitgemäß und politisch erfreulich inkorrekt. Ein Fest vor allem für Nostalgiker, Verschwörungstheoretiker und Berufsparanoiker.

    killing joke galore!!!!

  • User: morus
  • morus 03.08.2003 | 20:13:30

    hihi, das hab ich auch gedacht.

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