BEWERTEN
 

Broadcast

»HaHa Sounds«

[Warp/Zomba]

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher

Broadcast veröffentlichen nur alle drei Jahre eine Platte. Dafür dann aber immer ein Meisterwerk. Keine großmäulige Behauptung, die Musikgeschichte mal wieder neu erfunden zu haben, sondern ein fein abgestimmtes Paralleluniversum voll verwunschener Sounds und Lyrics zwischen Märchen und Mentalklinik. “HaHa Sounds” fängt dort an, wo der Vorgänger “The Noise Made By People” aufhörte: Space-Age-Wiegenlieder, die sich wahlweise versonnen und romantisch verklärt, dann wieder aufwühlend und untergründig verstörend aufführen. Soundtracks für eine andere Welt, darin sind die drei aus Birmingham Spezialisten. Der Hit ist ganz klar “Colour Me In”, ein ewig wachsendes Popwunder, das mich den vergangenen Monat durch alle Lebenslagen begleitet hat.

“I am grey, still on the page, oh colour me in”, singt Trish Keenan in ihrer unverwechselbaren kühlen Gelassenheit und öffnet damit die Tür für vierzehn Tracks Beat-Electronica.

Das bereits als 12-Inch ausgekoppelte “Pendulum” schlägt mit 60s-Bässen, verzerrten Keyboards und sphärischen Störsounds in kaum fassbare psychedelische Kategorien aus, während “Lunch Hour Pops” oder “The Little Bell” trotz naiv-niedlichem Surrealismus den Ruf Broadcasts untermauern, zwar zuckersüße, aber keineswegs harmlose Songs zu schreiben. “HaHa Sounds” entwickelt schnell ein Eigenleben und eine subtile Dynamik, die man wirklich selten in Form einer Platte antrifft. Broadcast kommen hier mit der Arbeit an ihrem ganz eigenen, schwer greifbaren Mythos sicher ein gutes Stück weiter.



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