BEWERTEN
 

Cakekitchen

»How Can You Be So Blind«

[Hausmusik / Indigo / VÖ: 18.08.2003 ]

Text: Matthias Weber, Matthias Weber

Neugierig gemacht durch die Ankündigung des Labels, Michael Heilrath (Blond, Couch) habe sich beim Ansehen des Films “Sonnenallee” gedacht: “Ja, sauber, das ist doch Graeme Jefferies, der da singt!” und quasi postwendend die Vorwahl von Neuseeland herausgesucht, um ihn zur gemeinsamen Albumproduktion einzuladen. Dadurch also neugierig gemacht, bat ich um Zusendung dieser CD. So muss Promotion funktionieren! Freilich hat Graeme ein paar Jahre seines langen Rockerlebens in München zugebracht, und freilich hat ihn schon 1996 Markus Acher als Tourschlagzeuger begleitet. Graeme war aber zuvor auch schon in Neuseeland umtriebig, seit 1983 zunächst mit seinem Bruder Peter bei This Kind Of Punishment, bis 1988 dann seine erste Soloplatte “Message From The Cakekitchen” auf Flying Nun Records erschien, die auch als erste Cakekitchen-Platte gilt.

Wobei der Bandname für eine lose wechselnde Ansammlung von Mit- und Gastmusikern steht: So taucht auf dem neuen Album wieder Markus Acher als Schlagzeuger auf, nebst Musikern von den Moulinettes und Merricks. Und übrigens, was das für ein Album ist!

Erst mal bin ich irgendwie erleichtert, dass Hausmusik, nachdem es eine ganze Reihe von experimentell-elektronischer Klangkunst veröffentlicht hat, wieder in Gitarrenrock macht: erst mit den famosen Alben von Hellfire und Ghost Club und jetzt eben mit Cakekitchen. Der Opener “You Know I Really Like Your Style” rockt so unbeschwert los, als wäre wieder 1995 in Ostwestfalen, mit catchy 1-Zeilen-Refrain, lustigen Schüttelreimen (“the withered weathered weatherman show”) und 24-Stunden-Ohrwurm-Effekt. Dann aber wird der Gitarrenverzerrer für den Rest des Albums ausgeschaltet, und die Dauergänsehaut setzt ein. Geigen, Cello, Kontrabass und eine unglaubliche Stimme, die irgendwie an Stephin Merritt (The Magnetic Fields) erinnert. Tatsächlich ist jedes Lied so wunderschön, dass man jedes Mal, wenn die CD eingelegt ist, gar nicht mehr ausschalten kann und alle Songs durchhören muss bis zum letzten, “The Resurrection Of Lieutenant Ghmpinski”, einem zehnminütigen Stück, nein: Epos über einen Schiffsuntergang. Das ist von solch unheimlicher, tragischer Größe, dass ich allen, die hierbei nicht zumindest innerlich feuchte Augen kriegen, sämtliche menschlichen Eigenschaften abzusprechen geneigt bin: “Come with me, take my hand and we’ll face this thing together. Take my hand. Just put both feet in the water and we’ll drift just like the tide.”



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