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Wir Sind Helden

»Die Reklamation«

[Labels / VÖ: 04.07.2003 ]

Text: Caroline Von Lowtzow, Caroline Von Lowtzow
[79 Kommentare]

Die Menschen stapeln sich in der nicht gerade kleinen Konzerthalle in München. Viele schicke Jungs und nette Mädchen sind da, strecken und recken sich, um überhaupt etwas sehen zu können, und fangen wie irre an zu hüpfen und die Bühne zu stürmen, sobald die Helden von eigenen Gnaden, Wir sind Helden, die ersten Töne heraufbeschwören. Seit die Band um Judith Holofernes vor gut einem halben Jahr mit ihrer Single “Guten Tag (Ich Will Mein Leben Zurück)” die Radiostationen eroberte, werden die Berlinerin und ihre drei Hamburger Jungs geliebt, da gibt’s keinen Zweifel. Nur warum? Nach dem Mia.- und “Verschwende deine Jugend”-Hype hatte man ja eigentlich – gerade auch bezüglich der Vergänglichkeit von Trend und Hype – prognostiziert, es dürfte bald vorbei sein mit der 80er-Jahre-Nostalgie.

Weit gefehlt. Denn auch auf “Die Reklamation” wird fraglos viel von dem Repertoire aufgekocht, das schon vor zwanzig Jahren die Pop-Ästhetik bestimmte: Eingängige, musikalisch griffige wie aber auch mitunter sehr unspezielle Poplieder mit einem Gitarrensound, der als punkig gehandelt wird, damit natürlich aber eher den Punk meint, der mittlerweile viel mehr Pop als Pop selbst ist, dazu dann die charakteristischen Synthesizer-Melodien und eine Stimme, die in Nena- und Humpe-Manier gut großmäulig schnoddrige Texte raushaut. Und ab und zu kommt auf “Die Reklamation” auch mal eine Ballade wie “Außer Dir” oder “Die Nacht” dahergeschlurft. Gesellschaftskritik spielt mit rein. Schließlich heißt die Platte ja auch fast: “wir kommen, um was zu reklamieren”. In “Guten Tag” will man gleich das ganze Leben zurück, das an die Plastikversprechen der Werbeindustrie verloren gegangen ist, oder man wehrt sich in “Müssen Nur Wollen” gegen den durch die Leistungsgesellschaft verbreiteten Terror, dass man immer etwas wollen muss und sogar alles schaffen kann. Dass ihre Rufe auf der großen Rezeptionsebene, die der Band offen steht, gehört werden, scheinen sie selbst zu bezweifeln und haben deshalb unter jeden Songtitel extra eine Erklärzeile gesetzt (bei “Wir Müssen Wollen” z. B. “Eine Verweigerungs-Hymne”). Die alte Vermutung, dass immanente Kulturkritik zu kurz greift und dass hinter den Mitsingmelodien die Botschaft wohl immer wieder wird verloren gehen. Macht aber auch nichts, denn so wichtig war sie nicht, und einfach nur Mitsingen bringt eh mehr Spaß.



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  • User: Yoerk
  • Yoerk 02.07.2003 | 09:03:38

    Eine weitere feige staatstragende Musikkapelle mit einfachen Durchhalteslogans. Lasst euch doch nicht verarschen.
    Wir sind Helden:
    - im Kosovo?
    - in Afghanistan?
    - im Kürzen von Sozialleistungen?

    Aber: Es wird ja alles gut, denn "wir müssen nur wollen". Die Ich-AG lässt grüssen.
    Bitte, bitte, bitte Virginia jetzt, Mia, Wir sind Helden und wie ihr alle heisst - lasst euren infantilen Quatsch bitte in euren Köpfen und posaunt ihn nicht in die weite Welt.
    Zuckrigen Think Positive-Tralala-Durchhaltepop müssen wir schon zur Genüge täglich ertragen.

  • User: zilix
  • zilix 02.07.2003 | 09:20:06

    hö ? die ironie von "wir müssen nur wollen" hast du dann aber wohl nicht verstanden.

  • chris rosencreuz 02.07.2003 | 09:22:44

    hab im WOM vom schnellen weiterskippenfast ne hornhaut am finger gekriegt . öde.

  • Call Me Appetite 02.07.2003 | 09:40:43
    Hobbyprofi
    warum wird immer alles in einen topf
    geworfen, nur weil eine geografische nähe
    besteht? das ist doch unsinn. stilistisch stehn
    sich die drei genannten bands doch nun
    wirklich nicht außergewöhnlich nahe. da würde
    ich eher die verbindung zwischen mia und
    spillsbury herstellen. und auch das "think
    positive"-argument trifft doch höchstens auf vj
    zu. und eine mission haben wir sind helden
    wenigstens zu meiner zufriedenheit erfüllt: es
    steht endlich mal wieder eine recht
    sympathische weibliche künstlerin, die sich
    nicht so einfach auf sex reduzieren lässt, nah
    am mittelpunkt des mainstream-medien-
    interesses. man muss ja nicht gleich zum
    glühenden fan werden...

  • jennics 02.07.2003 | 09:51:42
    oh! mal wieder ~[]-[]~ verlegt
    @call: tja gerade dass tut sie ( die judith) eigentlich nicht sehr konsequent, auch die texte sind viel zu lau - da sind mir spillsbury wesentlich authentischer und sympatischer - sorry, aber auf auf emin empfinden konnt ich mich bislang immer verlassen...

  • jennics 02.07.2003 | 09:54:51
    oh! mal wieder ~[]-[]~ verlegt
    *fck*: tausch mal "emin" mit "mein" , so passt es...auch wenn nicht jedermans meinung ... soo seh ich das mal ...

  • User: Daniel Decker
  • Daniel Decker 02.07.2003 | 09:59:45

    spillsbury machen keine lauen texte? ich find gerade das ist die stärke bei spillsbury, das urban juvenile zum teil naive...

  • loppomate 02.07.2003 | 13:13:33
    Never ever land
    in der fas ein treffen zwischen sigmar popkultur gabriel und wir sind helden. würdet ihr auf einer wahlkampfveranstaltung von mir spieln? antwort: ja.

  • schunkel 02.07.2003 | 13:23:47

    @Yoerk
    Blödsinn². Think-positiv-Pop? Kauf Dir mal neue Ohren.
    @CMA
    dito
    Die bisherigen Singles und EPs waren klasse. Intelligente Texte, sympathischer Sängerin, gutgeklauter Pop... was will man mehr?

  • User: tom sawyer
  • tom sawyer 02.07.2003 | 15:05:10

    also loppomate, das ist mal mieser stil. die von dir angeführte aussage hat es im besagten interview nicht gegeben. vielmehr stellt herr gabriel passend fest:

    Gabriel: Sie wollen bei Ihren Auftritten kein Schild über der Bühne hängen haben, auf dem SPD steht, so wie sonst Telekom, verstehe.

    außerdem:

    Holofernes: Wir engagieren uns sehr gerne und mit Hingabe für politische Ziele, für Dinge, die wir für wichtig halten - Veranstaltungen, wo es beispielsweise darum geht, daß die Leute wählen gehen sollen, würden wir immer unterstützen. Aber ich finde es schwierig, sich für eine Partei direkt zu engagieren, weil man nur mit Teilen ihrer Politik einverstanden sein kann.

    und:

    Gabriel: Wenn sie das nicht als anzüglich empfindet. Aber ich frage Sie jetzt einfach mal ganz direkt: Angenommen, es gibt morgen eine Veranstaltung gegen, sagen wir, Ausländerfeindlichkeit, bei der es darum geht, Hilfestellung zu organisieren - wären Sie da bereit, aufzutreten?

    Holofernes: Es käme auf die Veranstaltung an, man müßte halt genau prüfen, welche Interessen hinter den genannten Interessen noch im Spiel sind. Aber im Prinzip ja, natürlich.

    also, der herr, ab in die ecke und schämen.

  • User: psychonaut
  • psychonaut 02.07.2003 | 15:26:00

    Sonderlich intelligent finde ich die Texte nun nicht. Eher blöd.
    Aber es gibt miesere und unsympathischere Bands.

  • User: captain kidd
  • captain kidd 04.07.2003 | 18:25:50

    und das ist ja gerade das schlimmste. sie schaffen nicht mal ne klare meinung. die band ist einfach nur egal.

  • Tomalak 04.07.2003 | 18:41:30
    runner vonn de Gass
    wenn ich das schon wieder lese!!!
    So belanglos "Wir sind Helden" auch sein mögen, das nun bewusst falsch zitiert wird und versucht sie in die Ecke mit Mia und Konsorten zu stellen, ist ja Schwachsinn.
    Die sind halt nicht hip genug für die Spex Fraktion und nicht Indie genug für die intros?
    Sommerpop, der wahrscheinlich in 3 Monaten vergessen sein wird, aber trotz allem sehr symptathisch rüberkommt.

  • User: zilix
  • zilix 04.07.2003 | 18:46:07

    @captain kidd
    hast du überall und zu jeder thematik eine klare meinung ? hat die der gute bob ?

  • User: zilix
  • zilix 04.07.2003 | 18:47:12

    das sollte jetzt kein vergleich sein :)

  • User: oerni
  • oerni 04.07.2003 | 21:53:29

    @yoerk, bist ja total in die Ironie-Falle getappt, nicht schlecht - nicht ordentlich zuhören können, aber feste drauf los schimpfen! Und Loppomate sollte auch mal Interviews richtig lesen, bevor er draus zitiert!

    Ob aber die Helden eine Sommer-Eintagsfliege sind oder nicht, wird sich zeigen - meiner Meinung nach ist die Band zu gut, um so schnell wieder weg zu sein. Hab sie gestern wieder live gesehen, das ist wirklich der Wahnsinn, und sie haben viel mehr als nur zwei gute Hits! Dennoch muss man mal abwarten, ob der momentane Hype nicht zuviel des Guten ist. Wird spannende werden!

  • User: Exocet
  • Exocet 04.07.2003 | 22:04:54

    Schon größtenteils belanglos, aber für die Musik + den Satz "wenn ich könnte wie ich wollte würd' ich gar nichts wollen, ich weiß aber daß alle etwas wollen sollen" muß man die doch fast mögen.

    @Kidd. Es muß auch unpolitische Musik geben dürfen.

  • User: Red Dog
  • Red Dog 04.07.2003 | 22:45:50

    ganz ehrlich gibt es keinen musiktrend der mich in letzter zeit mehr genervt hat als mia und wir sind helden. dieses elende "ach was sind wir unangepasst und frech getue" geht mir ziemlich gegen den strich. auch musikalisch kann ich jeder der einzelnen bands beim besten willen nichts abgewinnen. werde eh ganz schnell zu trendleichen werden.

  • User: Titus Jonas
  • Titus Jonas 07.07.2003 | 11:18:41

    Ging mir wie chris rosencreuz. Skippen wie bei Hyper-Olympics, aber im Grunde genommen bedeutet das natürlich gar nix. Müsste ich mir nochmal in Ruhe anhören. Mal sehen, ob die das schaffen.

  • loppomate 07.07.2003 | 14:58:12
    Never ever land
    für das falsche zitieren entschuldige ich mich.

    "wir müssen nur wollen" ist ein ganz ganz geiler song. das konzert in kiel fand ich etwas langweilig. aber passt schon. immerhin hab ich mal mit dem bassisten zusammengewohnt! *angeb*

  • User: babsie
  • babsie 07.07.2003 | 15:36:49
    ich bin nicht kerstin grether.
    und ich hab die sängerin nie geküsst...

    nein, das passt schon. gefällt meiner tochter, gefällt meiner frau und ich muss auch nicht gleich brechen gehen. ist doch ein prima gemeinsamer nenner. für die nächsten 4 monate.

  • User: oerni
  • oerni 07.07.2003 | 19:05:19

    ich wäre mir gar nicht so sicher, ob das wirklich nur ein Sommer-Thema ist oder ob die sich nicht länger halten. Die sind sowas von clever bzgl. Marketing und Selbstinszenierung und haben zudem darmaßen viele gute Songs, dass sich das durchaus halten könnte. Sie müssen´s nur schaffen, den momentanen Hype unbeschadet zu überstehen!

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