BEWERTEN
 

Klee

»Unverwundbar«

[Ministry Of Sound / Universal / VÖ: 15.03.2004 ]

Text: Sebastian Ingenhoff, Sebastian Ingenhoff

Paul Klee (1879-1940) ist der Maler, der damals mit seinem Bild “Die Todesfuge” zu Weltruhm gelangte. Und das völlig zu Recht, denn es war wirklich ein hehres Kunstwerk. Ein Bild, das angelegt war wie eine musikalische Fuge: Ein Thema wurde nacheinander in allen Stimmen, hier geschickt gelöst durch Farben, durchexerziert. Klees Musik in der Jetztzeit funktioniert dem diametral entgegengesetzt: Es gibt eine Stimme, die nacheinander alle Themen durchexerziert. Und zwar besonders das der Liebe, denn die taucht auf “Unverwundbar” des Öfteren mal auf. Alle Themen meint also hier nicht alles, was die Welt bedeutet, sondern alles, was an der Liebe so dranhängt.

Es fallen Wörter wie Gras, durchfluten, Liebespaar, Herz, Zeit, träumen und Mai. Man spürt, die meinen es ernst damit, die wollen das wirklich. Von wegen, das sei doch alles nur ein dummer Witz und eine Manipulation seitens der Medien, und es gäbe ja überhaupt keine wirklich selbstlose Liebe und so. Damit könnt ihr denen echt nicht kommen. Musikalisch wird das dann transportiert durch recht getragene Beats, 129 bpm ist hier wirklich die absolute Obergrenze, Sequenzer und verträumten, frivolen Gesang, der irgendwie immer von oben zu kommen scheint. Als ob die Sängerin bei den Aufnahmen an die Decke gezoomt worden wäre, um eben von dort oben einzusingen und dem Ganzen etwas Epiphanisches zu verleihen. Besser wäre es vielleicht, sie würde mal von oben herunterspringen, um dem Ganzen etwas mehr Druck zu verleihen. Denn der fehlt leider an manchen Stellen. Ansonsten gibt es auf “Unverwundbar” gute, leichte elektronische Popsongs mit Strophe, Refrain und manchmal Solo, die man wie so vieles auch nicht in jeder Stimmungslage hören kann. Die beiden Singles “Erinner Dich” und “Lichtstrahl” haben/hatten auf jeden Fall das Potenzial zum Hit, und das kann sich immerhin sehen lassen. Mir fällt gerade ein, dass “Die Todesfuge” ja gar nicht von Paul Klee, sondern von Paul Celan (1920-1970) war und somit gar kein Bild, sondern ein Gedicht ist. Da hat mich wohl die Demenz überrannt wie ein fliehendes Pferd.



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