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Clem Snide

»Soft Spot«

[Fargo Records / Zomba / VÖ: 09.06.2003 ]

Text: Stephan Ossenkopp, Stephan Ossenkopp

Bei Clem Snide spürt man das Beste der amerikanischen Seele. Es ist Country- und Popmusik, großstädtisch produziert, zum Bersten mit Ironie angereichert, kleines Glück und große Traurigkeit stimulierend, mal nachhängend und mal nach vorne preschend gespielt. Am Ende des Tages jedenfalls immer gut und liebenswert. Sänger Eef Barzelay, Sohn jüdischer Eltern, besitzt einen suchenden Geist, forscht in seinen Songs und im direkten Gespräch nach den großen Fragen, auch wenn sie manchmal einfach nur in einem auf der Veranda geschlürften Eistee stecken. Oder in einem Kapitel seines Lieblingsbuchs: Dostojewskijs “Die Brüder Karamasow”.

Eef, ein schmächtiger junger Typ mit Baseballkappe, Stoppelbart und Hornbrille. Man sieht ihm sein leidenschaftliches Verhältnis zum Leben nicht gleich an. Clem Snide begannen 1991 als schroffe, existentialistische Schrammelpunk-Combo in Boston. Mitte der Neunziger zog Eef nach New York City, wobei sich auch der Sound erheblich änderte, was im 2000er-Meisterwerk “Your Favourite Music” kulminierte: Jason Glassers Klangcollagen und Streicherarrangements brachten ein wenig arty farty feeling in die Sache, und Jeff Marshalls Kontrabass sorgte für den Jazz-Style, ansonsten waren es Eefs Zeitlupen-Songs und absurde Partikeltexte, noch aus seiner William-Burroughs-Fan-Zeit stammend, die die Schönheit des Albums vollendeten. Das darauf folgende dritte Album “The Ghost Of Fashion” klang rauer und mehr drauflos, litt vielleicht ein wenig unter seiner eigenen Fusseligkeit. Mit “Soft Spot” ist Clem Snide nun wieder ein wunderbarer Wurf gelungen. Apropos: Eef und seine Frau Alix sind inzwischen Eltern eines zehn Monate alten Babys, dessen weiche Fontanelle den Albumtitel geprägt hat. Der “Soft Spot” ist der Punkt absoluter Verletzlichkeit, der mit ebenso absoluter Liebe behütet werden muss. Ein schönes Motiv für ein Album. Textzeilen wie “may God hold you in the palm of his hand” machen das auf überwältigende Weise klar. Der Klang des Albums ist durch die Hand des erfahrenen Produzenten Joe Chiccarelli (u. a. Frank Zappa) entstanden, der zur musikalischen Harmonie und Reife der Songs auf sonderbar perfekte Art beiträgt. Das Pantheon großer amerikanischer Gefühlsmusik, das die Palace Brothers, Smog und Wilco längst bewohnen, wird Clem Snide für diese Platte eine herzliche Einladung aussprechen.



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