BEWERTEN
 

Aceyalone

»Love & Hate«

[Deconstruction / Groove Attack / VÖ: 30.06.2003 ]

Text: Jan Wölffel, Jan Wölffel

HipHop zu leben heißt, mit der Härte der Ambivalenz zu leben. “Love & Hate” – nichts dazwischen. Kein Bentley, Bikini-Top und Brustimplantat, “Beats, Breaks, Rhymes & Life” pur. “I rather stimulate your mind than emulate your purpose”, reimte Eddie Williams Hayes Jr. a.k.a. Aceyalone auf seinem unvergessenen Masterpiece “A Book Of Human Language” (1998). Gut zehn Jahre zuvor legte er mit Freestyle Fellowship im “Good Life”-Café den Grundstein für eine neue HipHop-Generation aus L.A. und der Bay Area, rief Project Blow ins Leben und blieb auf Solopfaden wie in Gruppenprojekten ein einflussreicher und allseits geschätzter Künstler.

Dabei gelang ihm nicht unbedingt alles. Sein drittes Soloalbum (“Accepted Eclectic”) wie auch die Freestyle-Fellowship-Reunion blieben eher Stückwerk denn in sich geschlossene Werke wie “A Book Of Human Language”, das Freestyle-Fellowship-Manifest “Inner City Griots” (1993) oder das vergessene Frühwerk “To Whom It May Concern” (1991). Warum aber der große Bogen in die Vergangenheit? Nun, ich glaube, dass Aceyalone auf seinem vierten (regulären) Soloalbum nicht nur “Love & Hate” als Thema clever einbringt, sondern auch viele Quellen der Vergangenheit anzapft. Nach einem kurzen Intro, in dem DJ Drez den “Daytona”-Beat spinnt, flockt und bounct in den ersten drei Tracks lockerer Party-tauglicher Funk, der ein bisschen an die Hieroglyphics (u. a. Souls Of Mischief, Del und Casual, der auf “Let Me Hear Sum” mitwirkt) erinnert. Folgen drei etwas abstraktere, sagen wir, “Eclectic”-Tracks. Auf “In Stereo” nistet sich Aceyalones schneller Reimflow virusartig in die Roboter’esken Beats und futuristischen Sounds ein. Das von RJD2 produzierte “The Takeoff” hebt sich mit erstaunlicherweise gut funktionierendem Jean-Michel-Jarre-Sample (“Oxygen”) und unorthodoxen Battlelyrics völlig ab, während der statisch zuckende Titeltrack einen wieder der Erde, oder zumindest der ernüchternden Tatsache, dass “Love & Hate” zusammengehören, näher bringt. “The Saga Continues”, “Moonlight Skies” sind gut platzierte Blaupausen, in denen die moments of “love” überwiegen, die Musik von Soul zu Jazz übergeht und Abstract Rude sowie die Sängerin Goapele glänzende Gastauftritte hinlegen. “Ace Cowboy” und “So Much Pain” fahren auf der ruhigeren und jazzigen Schiene weiter, während “So Much Pain” und das aufbrausende, ultimativ hitverdächtige “Find Out” an alte Freestyle-Fellowship-Zeiten erinnern. Auf den beiden letzten Tracks hinterlassen El-P sowie Sayyid & Priest deutliche, dunkel drückende bis peitschende Spuren, und im Bonustrack führt Aceyalone mit “Ms. Amerika” (also der Nation) ein intimes Zwiegespräch. Well, “Love & Hate” ist nicht “A Book Of Human Language Pt. 2” (welches in Arbeit sein soll), aber es läuft von den anfänglichen Basis-orientierten B-Boy-Tracks über zu futuristischen Dimensionen bis hin zu höchst konzeptionellen Songs, die Aceyalones herausragendes Talent, Vorstellungskraft und Beständigkeit unterstreichen.



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