BEWERTEN
 

Tobias Thomas

»Smallville«

[Kompakt / Efa / VÖ: 24.05.2004 ]

Text: Sonja Eismann, Sonja Eismann
[3 Kommentare]

Ich weiß nicht, was Tobias Thomas sieht, wenn er im Studio 672 an seinem Abend hinter den Turntables steht, aber der Titel seiner zweiten Kompakt-Mix-CD und die grobkörnigen Fotos des Booklets, die kommentarlos unspektakuläre und dabei in ihrer Stille sehr schöne Momentaufnahmen aus der kleinstädtischen Bedeutungsperipherie wiedergeben, decken sich so gar nicht mit meinen eigenen Total-Confusion-Erlebnissen. Wie heiß war ich damals darauf, von Wien nach Köln kommend, ins Epizentrum minimalistischer Kompakt-Techno-Sophistication, und dann noch eins weiter: ins Club-Herzstück vorzustoßen, und wie verdutzt und beklemmt war ich da auf einmal, mich freitags in einer bedingungslos Ekstase-bereiten party out of bounds wiederzufinden, eingeklemmt zwischen schwitzenden und sich wahllos begehrenden Wochenend-RaverInnen.

Man hatte mir, für die der Begriff “Kölner Fröhlichkeit” nur eine bis dahin ziemlich leere, karnevaleske Hülle war, natürlich nie was anderes versprochen, ich selbst hatte mir anhand der Soundlandschaften nur mein eigenes Bild gemalt. Wenn ich jetzt die kühl distinguierte Track-Auswahl des DJs und Spex-Autors Thomas höre, katapultiert mich diese sofort wieder in meine Prä-Köln-Vorstellungen zurück, die in mir Visionen von leeren Flächen, weiten Räumen und cooler Losgelöstheit statt einem vor Energie berstenden Disco-Inferno entstehen lassen. Aber wer weiß, was Tobias Thomas am 23.02.03, als er das “Smallville”-Set im leeren Studio 672 aufnahm, gesehen hat und welche sozial restringierten und dabei doch utopisch besetzten Kleinräume er für sich durch die Selektion geschaffen hat – vielleicht lagen unsere subjektiven Wahrnehmungen da gar nicht so weit auseinander. Mit Dntels “Season” fährt er den Mix ganz sachte hoch und bleibt auch mit Kaitos “Release Your Body”, das von Superpitcher Bootleg-artig mit “Ghost Train” von Erlend Øye und Morgan Geist übersungen wurde, zart und melancholisch, um sich dann ganz langsam über u. a. Anders Ilar, Jan Jelinek und Aril Brikha bis zum hedonistischen und schlussendlich euphorischen Moment mit Le Dust Sucker und Tonetraeger im Thomas/Mayer-Mix vorzuarbeiten. Als Schlusspunkt wird der eigene Beitrag von Forever Sweet, “Bleed”, gesetzt, der subtil die Änderung der Schubrichtung vorbereitet und wieder langsam von der Klimax runterrutschen lässt.



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  • User: lamb
  • lamb 14.06.2003 | 23:25:41
    schreibt
    vielleicht sollte tobias thomas immer in leeren clubs auflegen... aber dann auch bitte immer fleissig aufnehmen - denn das hier ist auf jeden fall ganz gross!

  • Deutschlandsprengung 15.06.2003 | 11:24:52

    Bei T.Thomas erreicht mit Smallville ganz neue Stufen des Alles-richtig-Machens. Tiefe Bewegung.

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