BEWERTEN
 

Radiohead

»Hail To The Thief«

[Emi / VÖ: 06.06.2003 ]

Text: Christoph Büscher, Christoph Büscher
[162 Kommentare]

Sich selbst und der Welt zu beweisen, wie weit sie sich von ihren frühen Erfolgen in eher elektronische Gebiete entfernen konnten, war das Anliegen von „Kid A“ bzw. „Amnesiac“. Dafür gab es für Radiohead fast von überall her Beifall. Damit liegt die Messlatte für „Hail To The Thief“ natürlich hoch und wie das bei musikalischen Ereignissen dieser Größenordnung ist, brodelt schon seit Monaten die Gerüchteküche. Spätestens als die ersten Files im Netz auftauchten, deren Existenz erst mal dementiert wurde, bevor sie dann doch als noch unfertige Mixe enttarnt wurden, fing auf Fanseiten bereits die Diskussion an, wie sehr Radiohead mit ihrem sechsten Album wieder stärker auf Songwriting als auf experimentelle Effekte setzen. Die radikale Rückbesinnung ist es nicht geworden.

Die schwermütigen Briten zeigen sich weiter wandlungsfähig, lassen auf Tracks wie „The Gloaming“ oder „Backdrifts“ den Computer wirre Beats und befremdliche Geräuschteppiche generieren, stellen aber an anderer Stelle so etwas wie einen Bezug zu frühen Alben wie „The Bends“ oder „Ok Computer“ her und verteidigen zugleich ihr Monopol auf melancholische Lebensentwürfe. Zum Beispiel bei „There There“, der ersten Single. Ein brillanter, präziser Rockhit, der auf mehreren Ebenen funktioniert. „Just cause you feel it, doesn’t mean it’s there“, singt Thom Yorke dort eine Textzeile, die mich weit über den Rest des Albums hinaus verfolgt. Und grade weil der mit wunderschön schlichten, aber trotzdem todtraurig Balladen wie „I Will“ oder „Sail to the moon“ einen eher dunklen Charakter besitzt, wirken Zeilen wie diese fast wie eine Autopsie des eigenen Unbehagens und eines Gefühls von Unwirklichkeit und Unsicherheit, das sich durch das ganze Album zieht. Aber upliftende Poptunes hatte wohl auch keiner mehr erwartet. „Hail to the thief“ ist insofern ein sehr gutes Album, weil es nicht so klingt, als wolle die Band den erreichten Mega-Status überbieten. Wenn mir dabei am Ende nicht ganz wohl zumute ist, liegt das weniger an der Band, als vielleicht daran, wie gut „Hail to the thief“ - nicht nur im indirekten Bezug des Titels auf das Bush-Regime – eine allgemein ratlose Niedergeschlagenheit zu reflektieren scheint. Die klingt natürlich nirgendwo sonst so gut wie hier.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
 
 
  • User: intron
  • intron 21.05.2003 | 16:06:10

    Ja das Album ist selbstverständlich groß, von einem Lebensentwurf aber so weit entfernt wie Köln von Uagadugu. Auch auf die Gefahr hin für kleingeistig gehalten zu werden, möchte ich darauf hinweisen, dass es gerade solche Worthülsen sind, die das Leben schlecht und Musikkritik/en schlechter machen. Danke und schuss

  • User: Sören
  • Sören 21.05.2003 | 17:09:07
    Tiki-Taka-Taliban.
    ich find die kritik gar nicht so schlecht. natürlich muß die aber noch am 10.6. überprüft werden.

  • User: Revoluzer
  • Revoluzer 21.05.2003 | 17:18:47

    *danktdemnetzdasernichaufdoofeVÖwartenmuss*

  • User: Mas
  • Mas 21.05.2003 | 17:39:22
    ”Thank you very many.“
    Also, ich finde die Kritik auch nicht so schlecht. Ich verstehe eher die Meinung des Users intron nicht so ganz und weiß gar nicht was er mir mitteilen will. Wenn er das schon so schreibt, hätte er dem besser mit Worten gefüllte Sätze entgegen setzen sollen.

  • Kopfgeburt 21.05.2003 | 19:18:02

    Mal wieder ein Radiohead-Thread...langsam wird's echt doof Leute!

  • User: tobonomy
  • tobonomy 21.05.2003 | 20:14:18

    macht doch nichts.

  • User: Mas
  • Mas 21.05.2003 | 21:49:30
    ”Thank you very many.“
    Was hab ich denn da für einen Unsinn geschrieben, ich meinte "mit Sinn gefüllte Worte", entgegen den von ihm angesprochenen "Worthülsen".

  • User: Sören
  • Sören 22.05.2003 | 00:57:56
    Tiki-Taka-Taliban.
    @kopfgeburt: aber wenigstens an die review angeknüpft. vielleicht kann man ab dem 10.6. hier mal die meinungen sammeln und nicht nur alberne kindergartenpositionen (siehe fightclub) vertreten.

  • User: pretty_hate_machine
  • pretty_hate_machine 25.05.2003 | 23:20:33

    irgendwie finde ich diese kritik so... nichts sagend...

  • User: Mas
  • Mas 25.05.2003 | 23:25:05
    ”Thank you very many.“
    Muß ich eigentlich meinen eigenen thread aufmachen, wenn ich mich ausführlich zu dieser CD äußern will?

  • User: pretty_hate_machine
  • pretty_hate_machine 26.05.2003 | 10:25:41

    @mas
    nur zu
    es gibt viel zu wenige radiohead threads :-))

  • winterkind_zazie 26.05.2003 | 11:51:14

    wer braucht noch ein neues radioheadalbum wenn thommy sich nur selbst kopiert??? trotzdem wieder nett nur leider ist die genialität verloren gegangen. sie hättens lieber gelassen oder einfach noch bissel gewartet...

  • User: lamb
  • lamb 26.05.2003 | 11:59:03
    schreibt
    ???
    schlicht und einfach: hail to the thief ist genial.

  • D_Lasse 26.05.2003 | 15:09:32

    es ist so grossartig!

  • User: Sören
  • Sören 26.05.2003 | 18:29:30
    Tiki-Taka-Taliban.
    so. gerade die single zu there there gelauft und jetzt zum zweiten mal angehört. scheiß auf differenzierung, die kommt später.

    there there: großartig. paperbag writer: gute güte, ist das geil. where bluebirds fly: der wahnsinn.

    heute schwelgen. morgen vielleicht mehr.

  • User: JohnGalt
  • JohnGalt 27.05.2003 | 00:40:24

    JA! SINGLE VÖLLIG UNGLAUBLICH!!!
    UND DIE WÄCHST JETZT SCHON!!

  • User: lucid
  • lucid 27.05.2003 | 11:03:45

    Jau, hab einen richtig fiesen Ohrwurm von Paperbag Writer! Dieser Bass...

  • User: fake
  • fake 02.06.2003 | 12:48:20

    selbst kopiert? was heißt das denn?weiterführung der genialtität im ausnahmezustand. und radiohead sind das konkretum der fünf personen die wissen was musik kann, wenn sie musik ist und bleibt. kompositionen egozentrierter sklaven des eigenen
    selbst. hail to the thief liebes winterkind.
    und lasst endlich die leidigen buschdiskussionen, das hat damit nichts zu tun. immer dieser einordnungsgedanke der vergleichsgeilen neurotiker.paranoide affinitätengefechte, wenn man nur ein mal vernünftig zuhören würde. einem muisikinteressierten menschen müsste doch klar sein, das dies hier nicht greift und gerade aus diesem grunde ihre einzigartigkeit unterstreicht.

  • loppomate 02.06.2003 | 13:15:06
    Never ever land
    also ich habs versucht: gerade noch mal die kid a und amnesiac aus der plattenwand meines mitbewohners gezogen und den morgen über gehört. ich kann damit nichts anfangen. finde die stimme nervig und den sound so zu. manche momnete ganz schön, aber nee.

  • vomdreier 08.06.2003 | 21:23:12

    "Wenn mir dabei am Ende nicht ganz wohl zumute ist, liegt das weniger an der Band, als vielleicht daran, wie gut „Hail to the thief“ - nicht nur im indirekten Bezug des Titels auf das Bush-Regime – eine allgemein ratlose Niedergeschlagenheit zu reflektieren scheint." ja, allgemeine niedergeschlagheit. "i'm up in the clouds", die hölle ist jetzt im himmel wa? und wieso bitte bezieht eigentlich jeder irgendwie den titel so billig auf george bush???? "Just cause you feel it, doesn’t mean it’s there" sollte ich auch verfolgen, wie auch "one step inside doesn't mean you understand", das ja schon irgendwie das selbe krampfhafte "findenwollen" einer klärenden antwort mit angezogener handbremse meint. super album, furchtbare besprechung. ich mach mir so langsam wirklich über jede existenzberechtigung von kunstkritikern sorgen. ich sehe euch schon den müll aus den tonnen kratzen ;)

  • loppomate 08.06.2003 | 22:56:59
    Never ever land
    find das jetzt doch gut und freu mich auf das album.

  • User: Mas
  • Mas 09.06.2003 | 18:57:55
    ”Thank you very many.“
    Ach, ich weiß gar nicht ob ich zu der CD was hier reinschreiben soll. Stattdessen freue ich mich über loppomates Sinneswandel.

  • loppomate 09.06.2003 | 21:59:45
    Never ever land
    gerade in der bahn kid a gehört, während neben mir ein betrunkenes asipärchen ihr kind anschrie und mit pommes rumschmiß.

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •