BEWERTEN
 

Placebo

»Sleeping With Ghosts«

[Hut / Virgin / VÖ: 21.03.2003 ]

Text: Christian Steinbrink, Christian Steinbrink

Placebo also. Diese britische Band, an der sich des Rockers diffuse Ahnung von Androgynität festmacht. Und dieser Begriff dabei noch mit Hedonismus und Homosexualität verbunden wird. Ein sehr konservatives Persönlichkeitsschema, wenn ihr mich fragt, aber solange Brian Molko Lidschatten trägt, wird er nicht dagegen ankommen. Da hilft auch keine Veränderung vom „difficult interviewee“ hin zum eloquenten und gewitzten Gesprächspartner, wie ihn Thomas Hübener für seinen Artikel in der letzten Ausgabe traf. Trotzdem: Schon das letzte Placebo-Album „Black Market Music“ vermittelte den Eindruck, dass der Band die Schublade Wave-Rock allzu eng und lästig ist.

Logisch, denn stetig wachsender Erfolg bis hin zum weltweiten Superstar-Status schmeichelt ja nur allzu selten dem Ego des anspruchsvollen Künstlers. Mit dem neuen Album scheinen sie nun endgültig eine auch für die Fangemeinde akzeptable Lösung gefunden zu haben: Gitarrenwand war gestern, Placebo goes Pop. Großen Anteil hat daran Produzent Jim Abiss, bisher vorwiegend aus Arbeiten in Elektronik-Zusammenhängen bekannt. Man darf wohl davon ausgehen, dass es während der Aufnahmen harte Auseinandersetzungen gab – kein Wunder, waren Molko & Co. doch bisher nicht als große Verfechter elektronisch angereicherter Rockmusik bekannt. Aber das Ergebnis ist überzeugend. Denn die Früchte dieser Zusammenarbeit unterstützen die bewährte Placebo-Atmosphäre mit einigen pfiffigen Sounds, die sich sehr homogen in die Arrangements einfügen und an Stellen aufhorchen lassen, wo man früher Lücken bemängelte. Gleichzeitig wird auf einen guten Teil des Gitarrengeschrammels, das in älteren Stücken manche Parts recht einfallslos erscheinen ließ, verzichtet. Musikalisch ist das kurioserweise eine Steilvorlage für die Weiterbelebung des vermeintlich ungeliebten Images, der musikalischen Idee geschuldet nimmt man das aber wohl oder übel in Kauf. Was bleibt noch? Nichts. Außer dem Statement, dass „Sleeping With Ghosts“ die beste Placebo bis hierhin ist.



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