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»Zyklop«
[Mille Plateaux / Efa / VÖ: 21.02.2003 ]
Text:
Thomas Venker,
Thomas Venker
Es ist ja so eine Sache mit Konzept-Alben. Irgendwie ist es toll, dass es da draußen zwischen Boheme, Kunstakademie und Promoagenturen noch Künstler gibt, die nicht mit einem oder mehr Auge/-n (konnte ich mir beim Titel einfach nicht verkneifen ...) auf den Break-through-Moment in neue Marktsegmente schielen. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass man ein sehr eng definiertes, äußerst nerdiges Milieu bedient und dabei wohl finanziell viel besser fährt, als wenn man das „normale“ Publikum knacken müsste. Im Fall von Thomas Köner (of Porter-Ricks-Fame) ist das die Wandergemeinde der Laptop-Akademie-Freunde. Köner gehört zu jenem Kreis an Producern, die es geschafft haben, mit mehr als einem Bein im Kunstkontext angekommen zu sein.
Musik für Installationen. Musik für große Räume und wechselnde Zusammenhänge. Und so können wir auf „Zyklop“ mal der Natur beim nächtlichen Treiben lauschen, uns später die Großstadt mit ihren pulsierenden Körpern vorstellen oder auch mal die Maschinen brummen hören. Die erste der beiden CDs besteht dabei nur aus einem Stück namens „Une Topographie Sonore: Col De Vence“. Entstanden ist dieses scheinbar für ein französisches Radio und leider sind die Linernotes auf Französisch, womit ich wohl nicht als Teil der Ziel-Audience gesehen werde. Schade. Und vielleicht auch nicht. Auf der zweiten CD finden sich vier Stücke: „Des Rives“ (zu einer Installation im Centre G. Pompidou in Paris), „Zyklop“ (entstanden im Walker Art Center Minneapolis), „Tu Sempre“ (für eine Installation in Rennes) und erneut „Zyklop“, diesmal aber in einer Aufnahme für die Schirn Kunsthalle in Frankfurt. Köners Musik klingt durchaus ansprechend, ist allerdings über den Nutzungskontext Ausstellung hinaus nur von marginaler Bedeutung. Während die Stücke im machtvollen Ambiente der Museen sich aufbäumen, an Größe gewinnen, wirken sie zu Hause doch nur wie altbekannte Pattern aus dem Industrial-Sounddesign-Seminar. Analog zu „Kleider machen Leute“ kann man vielleicht bilanzieren: „Räume machen Künstler.“ Und: Möglichkeiten machen den Unterschied aus. Irgendwie nicht gerade eine kulturpolitisch optimistische Angelegenheit.
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