BEWERTEN
 

The White Stripes

»Elephant«

[Beggars Group / Zomba / VÖ: 31.03.2003 ]

Text: Jürgen Frost, Jürgen Frost

Wenn man wie ich einen 15-Millionen-Euro-Plattenspieler sein Eigen nennt, wird der Gang in den Plattenladen seit einiger Zeit zu einem sympathischen Hohn, da der unbedingte Wille zum cleanen und perfekten Sound schon längst nicht mehr das Maß aller Dinge ist. Mittlerweile habe ich mich an Lo-fi und Garagentrash gewöhnt, ja, habe sie sogar lieb gewonnen. Einfach unwiderstehlich, weiß ja jeder, die Yeah Yeah Yeahs, die Moldy Peaches oder eben die White Stripes. Und nun deren neue, „Elephant“. Sie kommt daher als feistes Doppelvinyl mit einem Gewicht, aus dem man locker fünf Moldy-Peaches-Platten hätte pressen können. Das gefällt, das hat Gewicht.

Die Doppel-Garage fürs Wohnzimmer und zum Angeben. Jack und Meg White, die beiden sympathischen Detroiter mit Hang zu brachialer Rot-Weiß-Malerei, entdecken darauf die Ohren. Denn wie schon bei den drei Vorgänger-Alben wird die Instrumentierung auch diesmal noch etwas differenzierter und, nach White-Stripes-Maßstäben, richtig aufwändig. Gleich beim ersten Track „Seven Nation Army“ gibt erstmals ein Bass den Ton an und sorgt für reichlich Tiefgang. Bei „Cold Cold Night“ darf Meg singen und bekommt eine wunderbar schwül wabernde Orgel zur Seite. Sehr cool. Zum Abschluss gibt es dann ein Zuckerwatte-süßes Duett von Jack und Meg. Und dazwischen noch elf weitere prachtvolle Tracks in 1a-White-Stripes-Manier. Dabei bleiben sie weitgehend ihrem Rezept treu: eine Scheibe Dylan, ein Schuss Robert Johnson und noch etwas Robert Plant. Erweitert wird der musikalische Schmelztiegel diesmal durch Moody-Blues’eske Hintergrundchöre. Ach ja, und ein feines Burt-Bacharach-Cover ist auch noch dabei. Stilsicher. Dominiert wird „Elephant“ aber wie bereits gelernt von Jack Whites mal brüllenden, mal hintergründigen Gitarren, die schon, getragen von Megs Minimalperkussion, durch die ersten drei Alben echoten. Wie immer bei den Stripes fühlt man sich beim ersten Zuhören an irgendwas zart erinnert und beginnt in seiner inneren Plattensammlung zu kramen. Doch Meg und Jack zitieren so liebevoll und virtuos, dass einem der Umstand des Plagierens nie in den Sinn käme.



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