BEWERTEN
 

Maximilian Hecker

»Rose«

[Kitty-Yo / Zomba / VÖ: 28.04.2003 ]

Text: Joachim Schaake, Joachim Schaake
[11 Kommentare]

Folgende Begebenheit hat sich, laut einer verlässlichen Quelle, tatsächlich so oder zumindest sehr ähnlich zugetragen: Kurz vor dem Erscheinen der ersten Maximilian-Hecker-Platte war Dirk von Lowtzow zu Gast im Büro des damaligen Kitty-Yo-Bosses Patrick Wagner. Sie saßen dort bei einer nachmittäglichen Tasse Tee. Im Hintergrund lief die gerade eingetroffene Promopressung von „Infinite Love Songs“. Beiläufig bemerkte Partick: „Ist wahrscheinlich nicht so dein Ding, oder?“ Daraufhin antwortete Dirk: „Nee, ich glaub’ nicht so.“ Patrick Wagner, ganz der findige Medienprofi, muss sofort einen Publicity-trächtigen Skandal gewittert haben, als er Maximilian Hecker die Geschichte am nächsten Morgen brühwarm auftischte.

Fast wäre es auch zum Eklat gekommen. Einige Zeit später auf einer Party in Berlin traf nämlich Maximilian auf Dirk und stellte ihn mit zitternder Stimme und Tränen in den Augen zur Rede, drohte sogar mit so was wie Selbstmord, weil er sich von seinem Idol verstoßen fühlte. Dirk von Lowtzow wusste keinen anderen Ausweg, als sich aus der Umklammerung zu lösen und irritiert davonzuschreiten. Dieser Maximilian Hecker ist schon ein komischer Vogel. Keine Frage. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, schlug „Infinite Love Songs“ mit seiner extrem übertrieben zur Schau gestellten Wimphaftigkeit voll ein. Man könnte es einen Geniestreich Kitty-Yos nennen. Ein Label, das es wie kein anderer deutscher Indie schafft, zu polarisieren und die konsensbemühte Indie-Hörerschaft zu spalten. Niemand würde etwas Schlechtes über Kettcar sagen, obwohl ich jede Wette eingehe, dass mindestens die Hälfte der Intro-Leser dem musikalischen Konzept der Band kritisch gegenübersteht. Das verhält sich bei jeder Peaches-, Gonzales- oder Go-Plus-Veröffentlichung sicher anders. Und so gab es auch mehr als nur verständnisloses Kopfschütteln als Reaktion auf das Debüt Maximilian Heckers. Dieses konsequente Verweilen im Falsett zum Beispiel schien vielen Zuhörern unerträglich. Fair genug. Ich fand mindestens die Hälfte der Songs ziemlich beeindruckend. Und auch das nun folgende zweite Album beginnt mitreißend mit romantischen Pianoklängen und Mellotron. Es klingt erwachsener, trotzdem noch genauso zerbrechlich und weinerlich. Auch wenn die Stimme in einigen Momenten von „Rose“ aus dem Falsett in tiefere Lagen herunterrutscht, wird durchgehend Schwäche demonstriert. Der Überraschungseffekt, von dem „Infinite Love Songs“ enorm profitierte, ist natürlich verloren gegangen, trotzdem kann man sich der Kraft dieser teils schon etwas kitschigen, zarten Pop-Perlen nicht entziehen. Find’ ich jetzt.



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  • winterkind_zazie 02.05.2003 | 13:15:54

    die frage ist wieso kitty-yo zwei solche platten hat erscheinen lassen.
    maximilians performance mit einem täuschend-echten übergang zu celine dion im white trash,berlin ließ herausklingen, dass es sich hier doch keinesfalls um irgendwie was anderes handelte als eben den alten radioschmalz...
    trotzdem: in concert ist der junge einfach zu cool zu sympathisch zu ironisch zu humorvoll als dass man ihm das übelnehmen könnte.

  • User: jessiii
  • jessiii 02.05.2003 | 14:25:37

    ich finde die platte grandios.

  • User: janchen_kook
  • janchen_kook 04.05.2003 | 03:42:12

    ich finde "radioschmalz" trifft es wohl nicht.

    die damen und herren("stars"?) im radio die sich in balladen ergießen um sich dann um die gunst(und das geld?,den ruhm?) der zuhörer zu prügeln...während sie alle gleich belanglos und kitschig daherkommen kann ich keinesfalls mit der bittersüßen musik(welche emotional und zerbrechlich...jedoch weder belanglos noch schmalzig(=aufgesetzt?!)wirkt) eines maximilian heckers vergleichen.
    --mein empfinden.

    konzert mit band...ein traum.besser noch und eindringlicher als allein auf der bühne.

  • User: tender_hooligan
  • tender_hooligan 05.05.2003 | 12:37:31
    oh, not until the next time...

    @winterkind_zazie: maxi hatte ja auch schon mal testweise wolfgang petri gecovert, und dass soll ja hoffentlich auch nix heißen...

    @janchen_kook: maxi solo hat aber auch seinen besonderen reiz. irgendwie ist da alles noch intimer. aber mal den zweiten versuch mit band hier in berlin abwarten...

  • User: janchen_kook
  • janchen_kook 05.05.2003 | 12:46:00

    hmm ja das mit der "intimität" stimmt schon...
    mit band ist es wohl einfach nochmal was anderes...aber die songs wirken auf mich (besonders durch das schlagzeug bei "cold wind blowing") intensiver...mehr tiefe durch die mehrzahl an instrumenten. die nicht sein müssen(es geht auch ohne sieht man ja bei seinen solo-auftritten)...aber schön wenn sie dabei sind ;)

  • readymaker 13.05.2003 | 12:44:15

    selten habe ich musik gehört die mich so berührt hat. sehr hoher gänsehauteffekt.
    live und auf platte.und diese zur schau gestellte zerbrechlichkeit nehm ich ihm ab.

  • User: otic
  • otic 13.05.2003 | 17:57:46
    You can call me John!
    Was mich wundert ist, dass die Platte in England sehr gute Kritiken erhalten hat: LOGO, THE FLY, NME.

    Komisch.

  • User: Dr_MET
  • Dr_MET 13.05.2003 | 18:02:21

    @otic: das wundert mich nicht, denn diese Platte ist großartig. Nur leider hat Maxi hier dieses Heulsusen-Image. Und so ein Image hindert. In England kommt dieses dämliche Image hoffentlich nie an, dann wird es ein Erfolg. Ich gönn es Maxi.

  • User: otic
  • otic 15.05.2003 | 05:40:25
    You can call me John!
    Der ersten Platte und seinen Liveauftritten zufolge halte ich das Heulsusen-Image nicht fuer voellig abwegig.
    Konnte die Platte nie ganz durchhoeren, und das liegt nicht daran, dass ich keine sensible Musik mag...

    Naja, neue Platte neues Glueck. Bin ja nicht stur.

    ;-)

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