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Aqualung

»Aqualung«

[London / Warner / VÖ: 10.09.1998 ]

Text: Matthias Weber, Matthias Weber

Besinnliches am Freitagabend. Warum auch nicht? Während andere ausgehen, darf ich Rezensionen schreiben. Selbst schuld, wenn mir CDs geschickt werden und eben meine Meinung gefragt ist. Auch ärgerlich natürlich, dass ich die CD erst mal verschlampe, um plötzlich in einem Psi-Ereignis zu ahnen, nein, zu wissen, wo sie sich befindet. Ob es der wissenschaftsorientierte Leser glaubt oder nicht, die Musik wollte endlich den Weg in mein Ohr finden, denn sie ist strange and beautiful, und so heißt zufälligerweise auch das erste Stück: “Psi”. “Aqualung fängt dort an, wo Radiohead in ihren düstersten Songs in Gefahr geraten, sich zu verlieren”, greift das Info hoch.

Und tatsächlich, auch hier gibt es Klavier und Kopfstimme. Und wo Tahiti 80 sich verzweifelt abmühen, emotional zu klingen, fängt Matt Hales, denn er ist Aqualung, erst an. Was Aqualung von der Masse an Radiohead-Klonen abhebt, ist die Tiefe, die seine Songs haben und die ausgefüllt wird von unkonventionellen, aber wunderschönen Melodien – aber nicht vollständig, sodass immer noch genug Platz bleibt, um sich darin verlieren zu können. Was Aqualung mit Radiohead verbindet, ist – neben allem – das Gesamtkunstwerk (Matt hat auch das Booklet gestaltet). Sagte ich allem? Nein, bis auf ein paar Effekte verwendet er nämlich kaum Elektronik-Spielereien, und auch die Texte sind weniger kryptisch als bei dem großen Nachbarn (Matt kommt aus Southampton). “I’m tongue tired / waiting / hoping / and praying / lying / beside you / longing / to touch you” – das könnte auch aus der Feder eines Alice Cooper kommen, aber wen interessieren schon Texte, wenn der Intellekt des Musikfans auch ohne Textheftlektüre mit zusammengekniffenen Augen in solche Höhen befördert wird. Doch man muss ja nicht immer Radiohead sagen, Beatles geht auch oder meinetwegen Bowie. Ich für meinen Teil sage: Aqualung wird, wenn nicht unbedingt das next big thing, dann auf jeden Fall das next good thing. Oder, um es mit den großen Weissagern Faith No More zu sagen: the real thing.



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