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Hart macht schnell...

»...mit Rieser«

Text: Ingo Rieser, Ingo Rieser

Nanu? Eben erst laden die jüngst dem Hardcore-Underground entwachsenen Hatebreed sich Kerry King (Slayer) als Gast für ihren aktuellen Output \"Perseverance\" (Universal) ins Studio, jetzt vergleicht Lars Ulrich das kommende Material seiner Band Metallica mit eben jenem Hatebreed-Album. Da schließen sich Kreise. Was passiert wohl als Nächstes? Zunächst dies:

Opeth \"Deliverance\" (Music For Nations / Zomba) - Opeth, die sechste, und der erste Teil dessen, was mal als Doppel-CD angedacht war. \"Deliverance\" übernimmt die aggressivere Seite, während das im März 2003 erscheinende \"Damnation\" das gesetztere Gegenstück darstellt.

\"Deliverance\" ist das bisher heavieste Opeth-Album. Das bedeutet nicht das Fehlen ausgedehnter, von akustischen Gitarren und Gesang bestimmter Parts. Opeth schließen die imaginäre Lücke zwischen progressivem Death Metal und Tool.

New Bomb Turks \"The Night Before The Day The Earth Stood Still\" (Gearhead / Cargo) - New Bomb Turks, die siebte. \"Destroy-Oh-Boy\" (Crypt), der Erstling von 1993, ist Legende und bleibt unerreicht. Trotzdem: Mit angezogener Handbremse erzählen die New Bomb Turks ihre chaotisch-düsteren Absturzgeschichten zwar nicht mehr ganz so zerstörerisch, aber wirkungsvoll.

Avail \"Front Porch Stories\" (Fat Wreck / Connected) - Das zweite Avail-Album bei Fat Wreck. Ähnlich wie letztens bei \"One Wrench\" muss man die (für die frühen Alben typischen) hymnischen Singalongs erst suchen - Avail sind mit der Zeit weniger eingängig, dafür schneller und kompromissloser geworden.

Alices Gun \"Timebomb\" (AGunRec / Finest Noise) - Minimales Budget, große Vorbilder (Nirvana, Beatles, Foo Fighters und Weezer). Nicht untalentierte Alternativrocker aus der Provinz bräuchten ein potentes Label. Für dieses Debüt wäre die Beschränkung auf wenige Songs noch die schlauere Idee gewesen.

Azure Ray \"November\" (Saddle Creek / Efa) - Dies hat weder mit hart noch mit schnell zu tun, so heißt diese Kolumne aber - findet euch damit ab. Mit allem! Azure Ray, namentlich Orenda Fink und Maria Taylor, waren gerade Support-Act für die Moby-US-Tour und können mit überschwenglichem Lob durch Songwriting-Wunderkind Conor Oberst (Bright Eyes / Desaparecidos) angeben. Recht hat er. Sechs intime, fragile Songs (inklusive Townes-Van-Zandt-Cover \"For The Sake Of The Song\") beweisen das auf dieser EP samtweich und wirklich schön.

Sinch \"Sinch\" (Roadrunner) - Professioneller US-Alternative-Rock mit charismatischem Sänger, guten Songs und perfekter Produktion. Gut. Das Ganze wäre aber viel aufregender, wenn es Creed, P.O.D., Nickelback (und so weiter) nicht schon gäbe.

Diverse \"Fat Music Vol. VI - Uncontrollable Fatulence\" (Fat Wreck / Connected) - Aktuelle Ausgabe des Labelsamplers. Elf (bisher) unveröffentlichte Tracks, unter anderem von Rise Against, Lagwagon, NOFX, dazu sieben ältere Songs von Sick Of It All, Good Riddance etc. Wie gehabt.

Morning Again \"Hand Of The Martyr\" (Alveran Records / Green Hell) - Jüngere Hardcore-Geschichte. Die Releases \"Hand Of Hope\" (1996) und \"Martyr\" (1997) neu gemastert, dazu fünf Livesongs. Muss man längst haben, wenn man sich nur ein bisschen für Metalcore interessiert. Immer noch überragend.

Mournful \"Light Harvesting Complex\" (TFR Music / Zomba) - Wie geil ist das denn? Aus dem Nichts bringen Mournful eine EP, der man Namen wie Deftones und Dredg entgegen schleudern kann, ohne dass sie sich wegducken müsste. Beeindruckend.

The Peepshows \"Refuge For Degenerates\" (Burning Heart / Connected) - Letztes Jahr war \"Today We Kill... Tomorrow We Die\" (Burning Heart / Connected) schon nicht mehr so frisch wie der Erstling \"Mondo Deluxe\", jetzt lehnen sich die Peepshows noch mehr zurück, von Turbonegro-Anleihen keine Spur mehr. Schade.

Anti-Flag & Bouncing Souls \"Split Series Vol. IV\" (BYO Records / Cargo) - Beide Bands covern sich gegenseitig, Cock Sparrer (Bouncing Souls) bzw. Buzzcocks (Anti-Flag), und haben je vier neue Songs aufgenommen. Moderner Punkrock. Sehr gut.

Joan Of Arc \"So Much Staying Alive And Lovelessness\" (Jade Tree / VÖ 3.2.) - Wie The Promise Ring sind Joan Of Arc aus Chicago eine Nachfolgeband der legendären Cap'n Jazz. Joan Of Arc haben dabei den unverständlicheren Part fortgeführt. Selten zugänglich und sehr introvertiert, klingen ihre Songs streckenweise wie (zugegeben großartige) Improvisationen. Postrock für Menschen mit viel Zeit.

Biohazard \"Kill Or Be Killed\" (SPV) - Ob dieser Titel nun besser ist als der zunächst geplante \"Never Forgive, Never Forget\", sei dahin gestellt. Mal ehrlich: mit Biohazard rechnet doch heute kaum noch jemand. \"Kill Or Be Killed\" ist dennoch ein Album mit erstaunlicher Durchschlagskraft - die werden mit der Zeit immer wütender. NYC Hardcore statt Crossover und gar nicht mal schlecht.

Puffball \"Leave Them All Behind\" (Burning Heart / Connected) - Motörhead trifft Punkrock, Themen: alkoholische Getränke, schnelle Fahrzeuge, miserable Ratschläge und deren Folgen (siehe Zeke, Dwarves, Poison Idea).



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aus Intro #102 (Februar 2003)
 
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