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Welz & Boskamp,
Welz & Boskamp
SEXY ELEVATOR MUZAK 005
Teil 5 der immerwährenden Reise durch unser komfortables Kuschel-Kaufhaus. Ihre Conférenciers Welz und Boskamp haben auch im neuen Kalenderjahr wieder für Sie angerichtet: Individualisten-Shopping für Daheimgebliebene, Ausdruckstänzer und Liebhaber gut kompilierter Gemischtwaren. Erster Gang, Aufzug angefahren und direkt in unser mit transparenter Glaskuppel und fluoreszierender Leuchtreklame versehenes Obergeschoss. Achter Stock: Artist-Alben mit Zuckerguss.
Swimmingpool \"Anything That Doesn't Move\" (Combination Rec. / PP Sales) - Entschlackt Melodisches aus Düsseldorfer Heimstudios. \"Phonehead\" Michael Scheibenreiter und Stefan Schwander, letzterer besser bekannt als Antonelli Electr.
Cuico \"City To City\" (Ubiquity / Groove Attack) - Projekt der Wahl-Londoner Pete Herbert und Simone Serritella. Zwei Vinyl-Zauberer und ihre Illusion: Brazilian Boogie zwischen Metro Area, Trüby Trio und eigener Sozialisation. Serritella, italienischer Herkunft, verstrickt sich dabei zu kontemplativ im Brasilectro-Jungle. Herbert setzt die Roots seiner Londoner Street-Philosophie dagegen. Trommelfeuer für die Prime Time.
Cosmo Vitelli \"Clean\" (Labels / Virgin) - Wenn Hasardeur Benjamin Boquet Mitglied bei der allseits beliebten Boygroup Daft Punk wäre, würde zu diesem Album vermutlich der ganz große Bahnhof aufgefahren. Ist er aber nicht. Als Cosmo Vitelli versteht er es, ähnlich antizyklisch die Grenzen zwischen Kalkül und Kunst, Pop und Anspruch auszuloten. Mit Benjamin Diamond, Joe Eppard und Harrison Crump an den Mikrofonen. Die flankierende Doppelmaxi (\"Robot Soul\") lockt mit King Britt- und Blackstrobe-Remix.
Technasia \"Recreations\" (Technorient / Efa) - Auch die Jungs aus der TechHouse-Abteilung haben weder Mühen noch Kosten gescheut, um sich in Ihre und unsere Ohren zu schmeicheln. Für die Remixe hat man keine Geringeren als L.A.s Ikone John Tejada, Claude Young aus Detroit und Glasgows Funk D'Void bemüht. Den Rest hat man sich gleich selbst ge(re)mixt und fast ausnahmslos wunderbar upliftende Tracks produziert.
Trance Vision Steppers \"tvs.2\" (Fünfundvierzig / Indigo) - Sehr beliebte Abteilung von uns: Dub in ziemlich modern. Fe Wolter tanzt auf vielen Hochzeiten (Pre Fade Listening, Chin Chillaz), viel lieber aber sitzt er gemütlich im Studio und transkribiert relaxte Klangskulpturen. Die hohe Kunst der tiefen Töne führt uns diesmal nicht nur ins Ragga-Land, wo der Dub-Bartel seinen Most holt, sondern durch allerlei digitalisierten Urwald, luftige Landzungen und paradiesische Nachtclubs. Ganz großes Plus für Klaus Schulzes Tasteninstrument und Badou Tourays Percussions.
Moonbuggy \"Planet Lupo\" (Doxa Records / Efa / VÖ 7.2.) - Konsolen-Musik mit teils akustischer Instrumentierung und hohem Niedlichkeitsfaktor. Moonbuggy wissen, wie man sich in unsere Kolumne mogeln kann. Zu funky, um einfach nur in der Konserve vor sich hin zu dümpeln. Verspielte Elektronik trifft auf Generation Golf, hier und da eine Erkennungsmelodie aus Funk'n'Fernsehen oder ein live eingespielter Bass. Alles im Lot auf dem \"Planet Lupo\", wo immer der auch liegen mag.
Frank Rumpelt \"Variationen In Echtzeit\" (Dipol) - Könnte man schon fast Post-Ambient nennen, oder? Zumindest alles mit Style und geräumigen Beats. Sympathisch.
Zurück aus dem All in den Lift, die Compilations warten im zweiten Stock:
Diverse \"Stereo Deluxe One\" (Stereo Deluxe / SPV) - In diesen düsteren Zeiten von Electroclash und pulverisiertem 80ies-Wahn ist es schön, wenn man sich auf Qualitätsgenuss ohne Reue verlassen kann. Unsere Kopplung des Monats kursiert als Promo-Sampler schon seit Mitte letzten Jahres und versammelt den gepflegten Output 2002 des von uns sehr geschätzten Labels aus Nürnberg. Anfixer für die wunderbaren Alben von Bobby Hughes und Funky Lowlives, exzellente Remixes und Maxi-Auszüge (etwa Emo, Soul'n'Soda, Razoof) und allerlei andere Pralinés warten darauf, in euren Ohren zu zerschmelzen. Endorphine purzeln durch die Blutbahn. 80ies-Clasher merkt euch: Musik ist die beste Droge und \"Cocaine Is A Sin\". Das be(ver)tonen hier die Strike Boys, von denen parallel eine luftige 12inch namens \"Music's In The Air\" inklusive Megablast-Mix im Loft gelandet ist.
Diverse \"Playground Vol. 6 - Nuspirit Helsinki\" (Ecco Chamber / MDM) - Die Überflieger-Gang des vergangenen Jahres aus dem lustigen Finneland stellt ihre beiden DJs für die sechste Folge des beliebten Playgrounds ab. Und siehe da: noch mal ganz vorne gelandet. Von Bobby Konders über Recloose bis Bugge Wesseltoft fast ausnahmslos Sahnenummern im eigenwilligen Soft-Mix. Nu Spirit? Aber hallo!
Diverse \"Nueva Bossa Nova\" (Music / Wagram) - Ganz nette Kopplung diverser neuerer brasiloider Elektronik. Oder war es umgekehrt? (Dann hieße es elektroide Brasilianik. Auch gut...) Jedenfalls neben einigen üblichen Verdächtigen (Da Lata, Mo' Horizons, Maxwell Implosion vs. Nicola Conte) auch Eingeborene wie Bebel Gilberto, Carla Alexandar oder Marcos Valle mit an Bord. Jaitinho!
Diverse \"Brazilution Edicao 5\" (Ministry Of Sound / SPV) - Apropos Zuckerhut: das Ganze dann noch mal in Grün. Hier dabei dann Tracks von Funky Lowlives, Arto Lindsay, Atjazz, Gilberto Gil oder Les Gammas.
Diverse \"Electro Jazz\" (Wagram) - Boskamp sagt: last year's models auf Doppel-CD gepfercht. Kann man aber trotzdem haben. Seelenluft, Two Banks Of Four, Cinematic Orchestra, Koop oder Extended Spirit - Namen, die uns länger begleiten werden, als NuJazz missverstanden werden kann.
Diverse \"Fashion Week - Music From The Catwalk Issue 01\" (George V) - Sie kommen mit der aktuellen Haute Couture nicht klar? Kein Wunder, denn die aktuelle Musikauswahl für das Pret-à-Porter ist auch für die Herbstkollektion 2003 wirklich ein bisschen seltsam geraten. Hans Platzgumer, Mocosos und The Dining Rooms gehen ja noch klar, aber für den Rest in Zukunft bitte einfach an uns wenden, liebe Modehäuser. Damit nächste Saison die Stoffe und Schnitte wieder fließen. Und Heroin-Chic finden wir sowieso blöd, also bitte beim nächsten Mal keine 80er-Faxen mehr!
Diverse \"Supperclub 5\" (United / Intergroove) - Der Supperclub steht in magic Amsterdam. Die CD-Compilation-Serie dazu funktioniert allerdings weit über die niederländische Club-Szene hinaus. Electro mit der chillenden Lounge als Beifahrer ist schließlich international. So ergibt sich dann auch die Künstlerauswahl. Mit u.a. Röyksopp, Mandalay, Thievery Corporation. Auf CD2 kommt relaxte, mitunter vertrackte Housemusic auf. Schön gedacht, schön gemacht.
Diverse \"Brazilution\" (Ministry Of Sound) - Wer hätte es geahnt? Aus der Serie \"Brazilectro\" wurde nicht nur ein Publikumsmagnet sondern auch fast ein echter Genre-Begriff. Nun ändern sich Label und Name, doch der von der Reihe geprägte Sound lässt sich auch hier weiter goutieren. Diesmal mit Zuco 103, Mo' Horizons, Les Gammas, Atjazz, Vikter Duplaix u.v.a.
Diverse \"Hinterzimmer Pop!\" (Popup) - So viele Compilations im Schrank und doch nichts anzuhören? Nun, wie wäre es da mit dieser Perle? Deutschsprachiger Pop mit Joker-Rolle steht hier im Zentrum. Kein Gedanke an: \"Schon-tausendmal-gehört-Best-of\", sondern Indie-Stars ohne Limit. Allen voran kann man hier schon ein neues Stück der lange abstinenten Erdmöbel abgreifen (\"Die Schuhe Von Audrey Hepburn\"). Zudem noch Ascii.Disko, Ocker, Kratzke u.a.
Maxis Maximal:
Flunk \"Blue Monday Remixes\" (Guidance / Efa) - Coverversionen. Der Garant für ungerechtfertigten Chart-Erfolg und ein Indiz für infame Abzocke, gepaart mit Einfallslosigkeit. Muss nicht immer so sein. Flunk aus Norwegen machen alles richtig, covern ein Liebe/Hass-Stück der 80er mit der unfassbaren Stimme von Anji und verschönern das Original bis zur Unkenntlichkeit. Die Remixe von Blue States und Jori Hulkkonen können was, sind im direkten Vergleich aber dennoch zu vernachlässigen.
Dublex Inc. \"Tocame\" (Pulver) - Die Style-Gewinner des vergangenen Jahres besetzen mit einem weiteren Pulverdampf-Tanzmonster wieder mal seit Wochen die Pole Position der deutschen Club Charts. Hier gibt es die schicken Originalversionen (inklusive Dub) sowie auf der Flipside zwei Remixes, darunter der bestechende \"5th Avenue Mix\" von Nickodemus & Osiris. In Rillen gepresste Hüftaktivität!
Buzio \"U Care\" (Mudanza / Peppermint Jam) & Vernon & Da Costa \"Evil Knievel E.P.\" (Séparé Recordings / Neuton) - Zweimal großes Deephouse-Kino komprimiert besprochen. Sebastian Krieg aka Buzio hat mit dem Vincenzo-Remix das Gewinnerlächeln auf seiner Seite und besticht selbst mit Zwerchfell kitzelnder Bassdrum. Die Belgier Vernon und Da Costa verbreiten Westcoast-Luft als wären sie direkt aus San Francisco herüber geschippert. Vier Tracks aus dem Séparée mit Wohlfühlgarantie, (nicht nur) für Naked-Music-Aficionados.
dZihan & Kamien \"Sliding\" (Couch Records / PP Sales) - Tanzflächenbrandstiftender Schieber vom aktuellen D&K-Album featuring General Santana (nein, nicht den...) pan da mic. B-Seite protzt mit unfassbar floatendem Superdub aus eigener Couch-Fertigung. Da rotiert die Discokugel.
Loopless \"Pink Blue Hotel / Carnival Bandits\" (Nylon / Groove Attack) - Ultraschickes Label aus Portugal boxt weitere Großartigkeit raus. Bei Loopless ist der Name Programm, hier wird mit dem Mund gebissen und entspannte Handarbeit verrichtet. Jazziges Geschmacksheimern mit schöner Frauenstimme auf der A, wundersam netter Dub-Pop auf der Rückseite. Stilpunkte in der B-Note.
Groove Armada \"Purple Haze\" (Jive / Zomba) - Warum auch immer die beiden ansonsten so geschmackssicheren Jungs von Groove Armada jetzt auf den Rock-Rap-Trichter kommen, bleibt ein Rätsel. Ignorieren. Maxi aber trotzdem kaufen, weil zwei Bonustracks die wahre Größe der Herren Cato und Findlay unterstreichen: flockiges Fahrstuhl-Midtempo-Gesummse für die stylishen Afterhours.
Jimi Tenor \"Black Hole / Cosmic Dive\" (Kitty-Yo / Pias) - Herrjeh, eine 10inch! Lieben wir total, dieses niedliche Format. Selbst dann, wenn Musik von Jimi Tenor drauf ist. Der rockt gar Zappa-esk mit P-Funk-orientierter Bigband, um sein neues Album \"Higher Planes\" zu triggern. Supergut aber einzig die B-Seite, auf der der Meister ein bisschen über das Making of des Albums schwadroniert, mit ganz prima Fahrstuhlmusik im Hintergrund. Na bitte!
Kenneth Graham \"Chameleon EP\" (Consigned Records) - Deep TechHouse aus L.A. von einem Meister seines Fachs. Sehr entspannt und doch höchst tanzbar. Noah Pred aus Montreal, der Stadt des geräucherten Fleisches, liefert einen schaumigen Remix auf der B-Seite.
Das Jahr kann kommen. Sagt Welz. Boskamp schließt sich an, beide winken. Auf Wiederhören!
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