BEWERTEN
 

The Used

»The Used«

[WEA / VÖ: 12.11.2001 ]

Text: Linus Volkmann / Kerstin Grether, Linus Volkmann / Kerstin Grether
[51 Kommentare]

The magic power of Medienpräsenz. Selbst wenn man als Ansatzpunkt in der Rezeption eines Pop-Spektakels sich wichtigtuerisch gegen den zu bespiegelnden Hype wendet, ist man noch lange nicht auf der sicheren Seite. Im Gegenteil: Gerade das Gerausche im Blätter- und Bildschirmwald, das sich gegen Zlatko, Bro’Sis, die La Palöma Boys oder sonst wen ausspricht/aussprach, ist erst recht der Dorn an der vergorenen Rose. Das gipfelt darin, dass vermeintlich zurechnungsfähige Leute einem vor ein paar Monaten tatsächlich das .pdf von Bohlens Buch weiterleiteten. Sie dachten wohl, nur weil jenes Buch laufend im Fernsehen abgebildet (und dort vornehmlich geringschätzig rezipiert wurde), müssten sie es jetzt auch in ihrem Leben abbilden.

Und erwarten, dass ein paar launische, eigene Statements über das Werk (in Wahrheit das ödeste Nachgeplapper der Saison) nun auch sie erhebe. Und siehe da: Alle blieben sie stecken in ihrem selbst gewählten Sumpf. Ein Großteil blieb dort gar ohne Frust, Reue oder Wahrnehmung dieser Niedrigkeit. Nicht ganz so nieder, dafür aber auch schon an der Grenze zur Infantilität: die Platte von The Used besprechen wollen. Denn der eine von denen ist der Freund von Kelly Osbourne. Wow. Sid and Nancy sind ein adult orientated Scheiß gegen ihre amerikanische Post-Punk-Bubblegum-Version. Also her mit dieser Platte! Und genau bei dieser Eile vermute ich auch noch etwas Ehrenrettung. Denn eigentlich will das niemand besprechen, das will man aber unbedingt mal hören. Einmal nur hören oder sehen (das Album erscheint erst Ende März, aber die Band wird am 1. Februar ein Konzert in der Markthalle Hamburg geben) – und dann, wenn’s sein muss, auch sterben. Aber Hauptsache diese vermeintlich private, exklusive Seite des The-(Kelly)-Osbournes-Hypes noch mitgenommen haben. Die Sättigung dieses Bedürfnisses tritt dann auch ganz schnell ein. Erster Gedanke: Hätte man ja eigentlich doch nicht hören brauchen. Leidlich unausgegoren aber dennoch komplett Charme-resistent rockt hier der burschige New-School-Metal, wie man ihn von allen Ecken und Enden her kennt. Kein – wie im Vorfeld kolportiert – wüster Death Metal und keine popistische Tattoe-Annäherung an den NuMetal-Popsong à la Linkin Park oder Papa Roach. Eine unfertige, druckvolle Band, deren Halbwertszeit kaum höher einzuschätzen scheint als die der Beziehung von Kelly zu jenem Bert McCracken. Diese jungen Leute... Man sollte sie andauernd mit kaltem Wasser abspritzen. Und dann wieder aufpäppeln. Ach, und bitte, das nächste .pdf aus der Gosse des böswilligen Boulevard-Journalismus möchte ich nicht im Mail-Account haben. Danke.

Ach, wie romantisch. Linus bespricht die Band von Kelly Osbournes Freund Bert McCracken, und ich das Album der süßen Kelly. Endlich mal ein neues Traumpaar in der Pop-Punkmusik. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob die Beziehung zwischen den beiden wirklich von kurzer Dauer sein wird, wie Linus vermutet. Denn: Lieber Himmel, “Shut up” besteht ja nur aus Liebesliedern! Und was für welchen! Außen Pubertäts-Punk, innen Gefühlsreife pur. Gerade in unserem luderlastigen R’n’B-Zeitalter habe ich so moderate, ehrliche, gar nicht lästernde Liebestexte selten gehört. Da kann jemand wirklich gut Grenzen ziehen zwischen sich und dem Partner. Denn selbst wenn Kelly mädchenwütig “Shut Up” knurrt, klingt es noch verdammt charmant. Mann, das wird eine Ehe zwischen den beiden. Denn immerhin behauptet Kelly ja, sie habe mitgeschrieben, bei den Texten. Aber, davon abgesehen, soll sie doch über Liebe singen. Was interessiert mich das? Ich will was ganz Anderes von Kelly: Ich will Lieder von ihr über die scheißbigotte Welt. Ich will, dass sie zumindest irgendwas Allgemeines zum Alltag junger Frauen bringt, mehr als nur so ein halbgutes “Some people think they know / what I should do / well they don`t really know / what I’ve been through”, denn schließlich ist Kelly Osbourne ja die größte Pop-Heldin der Gegenwart. Und das nicht nur, weil sie immer so schön über Christina Aguilera lästert, oder weil Avril Lavigne neben ihr nur aussieht wie die beleidigte Barbie-Puppe, die sie ist, und gar nicht wie die echte Rockerin, als die sie sich ausgibt. Denn es ist eine Jungs-Welt. Und sind wir doch mal ehrlich: Wenn Kelly auf den Titelseiten der großen Frauenmagazine abgebildet ist, mit ihrem ganzen tollen Diät-verschonten Jungmädchen-Körper, dann holen sich vielleicht ausgewählte Single-Männer einen drauf runter, aber die Frauen... hahaha. Ich liebe Kelly dafür, was sie mit ihrem Auftreten anrichtet, in den braven anorektischen Mädchenzimmern dieser Welt. Ich glaube, ich muss Kelly Osbourne an dieser Stelle einen zehnfachen Grammy verleihen, denn Frauen wie sie sieht man sonst nur noch auf den Titelbildern türkischer Magazine. Ansonsten gibt’s auch noch Musik. Kellys Stimme besitzt zwar dieses gewisse Etwas, aber erfüllt natürlich nicht die übermenschlichen Perfektionsstandards heutiger Frauenstimmen-Produkte. Das muss sie ja auch gar nicht. Denn trotzdem flutscht die Platte in einem durch, die Melodien sind außerordentlich schön, aber auch im richtigen Moment wieder schlampig, und stehen dann auch insgesamt in einem tollen Kontrast zur punkrockigen Musik und dem Kathleen-Hanna-ähnlichen Gesang. Und klingt damit wie eine sehr poppige, aber nie überproduzierte Riot Grrl-Platte. Wenn doch nur nicht so viele Liebeslieder drauf wären... Selbst 17jährige Mädchen haben doch hin und wieder mal was anderes als die Liebe im Sinn. Seufz. Fazit: inhaltlich braver als jeder Nu-Metal-Scheiß, äußerlich revolutionärer als die Sex Pistols. Aber lassen wir mal die Verkaufsempfehlungen links liegen und werden wir dialektisch: Vielleicht ist es ja auch gut so, wie es ist. Denn: Ein normalgewichtiger Frauenkörper ist nichts Sensationelles, sondern etwas Normales, und warum sollte Kelly dazu gezwungen sein, über etwas Anderes zu singen, als das, was sie zutiefst innen in ihrem Herzen fühlt? Und das ist natürlich die Liebe zu ihrem tollen Heavy-Boyfriend Bert McCracken.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 
  • User: captain kidd
  • captain kidd 26.01.2003 | 14:29:10

    oh gott!!!!!!!!!!!!!!!

    ideologie kann sich verpissen. es sollte musik sein. kelly o. ist nicht der gegenentwurf zu den superstars. kelly o. ist nicht aus politischen idealen eine presswurst. nein nein nein.

  • User: sisterray
  • sisterray 26.01.2003 | 16:56:09
    The Complete Season 38
    was ist...? new school metal?
    voll ein an der pfanne?

    post-hardcore.

    ich habe das album seit ca. 3 monaten. da hat noch keiner von kelly o. in verbindung mit diesem album geredet.

    es ist zwar kein hammer, aber ordebtlich. 5 sehr gute -sing-a-long-kracher sind drauf.

    warum dürfen den bei intro immer nur die leute platten bebesprechen, die vom jeweiligen thema und das heisst nun mal musik und nicht promi-gequatsche, keine ahnung haben?

    ärgerlich das review.

  • discokid 26.01.2003 | 17:30:17

    new school metal hör ich da auch nicht raus.
    wie dem auch sei, die platte ist jedenfalls nicht mal ordentlich. ich hab mich beim anhören nur geärgert über die hundertste kopie von der kopie von der kopie. post-hc-nickelback, wenn man so will, null originalität und vollkommen abgenudelt.

  • Sophia12 04.03.2003 | 16:25:44

    Wer hat denn die Rezi geschrieben? The Used werden mit 13 Zeilen abgefrühstückt (man hätte den ganzen anderen Mist wegstreichen können) und in ca fünf Zeilen wird Kelly erwähnt. was bleibt von dieser riesen Rezi denn dann noch übrig?
    The Used sind kein New-School Metal, weil es das erstens nicht als solches gibt (New - School Trash Metal gibt es z.b.) und zweitens sind sie genauso beeinflußt von Metal wie jede andere, neue Form von Rock auch. Ich würde Used eher als moderne Gitarrenmusik mit Hardcore Einflüßen sehen. Und bei dieser Art von Musik sind sie ganz weit vorne mit dabei. Ich habe noch keinen überzeugenderen Sänger gehört wie Bert. Weder bei Thursday, noch bei Poison the well noch bei Thrice.
    Mich ärgert nicht das da jemand The Used nicht mag, sondern das über die Hälfte dieser Rezi nicht über die CD sondern über das Verhältnis zu Kelly geht. Ist Intro jetzt Boulevard?????

  • User: JohnGalt
  • JohnGalt 04.03.2003 | 16:43:58

    greenhell.de haben in ihrem verriß auch sowas geschrieben...muß mal suchen...

  • Sophia12 04.03.2003 | 16:51:26

    to get up kid: Das mag ja sein, dass Du ihn lieber magst, aber objektiv ist Bert der bessere Sänger. Ich finde Thursday auch super!

    to Fincher: Bei Deiner Lieblingsmusik ist natürlich klar das Du mit der Musik nichts anfangen kannst. Man muss aber bei Rezis immer objektiv sein, meiner Meinung nach.

  • getupkid 04.03.2003 | 17:06:26
    i wanna see movies of my dream
    @sophie: "objektiv" ist r. kelly noch besser. aber "objektivität" is mir völlig egal.

    und nein: die erwarte ich auch nicht in einer rezi. musikjournalisten dürfen hassen.

  • User: Fincher
  • Fincher 04.03.2003 | 17:09:40
    North Rhine-Westphalian Scum
    @Sophia
    Man kann dabei nicht objektiv sein, da eine Wertung vorgenommen wird.
    Aber gerade weil The Used nicht meine Musik sind, kann ich immerhin völlig unbefangen sagen: Die Bezeichnung "New School Metal" passt voll und ganz.

  • Sophia12 04.03.2003 | 17:10:37

    Und damit hätten wir dann eine tiefgründige Diskussion ausgelöst. Muss ein Journalist objektiv sein, oder darf er alles verreissen was er nicht gut findet??? Muss ich als Leser mir dann nur Hefte aussuchen die meinen Geschmack haben, oder sollte ich nicht lieber etwas lesen was objektiv gut oder schlecht zu einer Musik steht?? Der Unterschied zwischen den beiden Journalisten wäre dann nämlich dass der objektive Journalist wesentlich mehr Ahnung von Musik braucht. Denn vereissen kann jeder. Aber Gründe zu nennen warum und weshalb eine Musik nicht so richtig rüberkommt ist wesentlich schwieriger als sich über die Freundin des Sängers auszulassen und jede Band die etwas härter ist, als NewMetal zu betiteln.
    Ich lese lieber objektive Sachen... Aber meistens lese ich gar keine Reviews sondern höre mir die Platte an...

  • User: JohnGalt
  • JohnGalt 04.03.2003 | 17:26:04

    Um keine andere Band wird derzeit bereits im Vorfeld soviel Wirbel gemacht wie um The Used aus Utha. Ob es daran liegt, dass die Jungs mit ihrem Gemisch aus mitreissenden Emo-Parts und dramatischen Aggressionsausbrüchen genau den Nerv der Zeit treffen oder eher daran, dass Sänger Bert McCracken die mopsige Tochter von Ozzy Osbourne bumst?
    Zumindest aufgrund letzterer Tatsache flimmert McCracken derzeit als Bestandteil
    der zweiten "The Osbournes" Staffel über die Bildschirme von US-Teenies und auch hierzulande werden The Used deswegen schon in Girlie-Gazetten als "Kult-Band 2003" gehandelt.

  • User: JohnGalt
  • JohnGalt 04.03.2003 | 17:28:06

    Quelle: Greenhell.de

  • getupkid 04.03.2003 | 17:31:16
    i wanna see movies of my dream
    @sophia12: dann musst du aber auch dinge wie "modern talking" objektiv besprechen... also nix über die macher schreiben, sondern nur die musik beurteilen. und dann fängt's eben an: was ist gut?

  • Sophia12 04.03.2003 | 17:32:18

    Okay! Das ist wenigstens mal witzig!

  • User: Fincher
  • Fincher 04.03.2003 | 17:35:20
    North Rhine-Westphalian Scum
    Die Objektivitätsgequatsche ist doch absoluter Blödsinn. Rezensionen müssen doch schon aus Natur subjektiv sein, und das darf gerne auch bis zum Verriss gehen. Der im Falle von The Used dann auch noch völlig berechtigt ist.

  • Sophia12 04.03.2003 | 17:35:22

    to getupkid:
    Na aber bei Modern tlking z.B. gäbe es nie eine Rezi in einem "seriösem" Musikmagazin. Die würden doch alle nen fetten Strahl kotzen, da selbst bei Modern Talking es etliche musikalische Gründe gibt, sie Kacke zu finden. Die sind nicht nur wegen Bohlen scheisse!;-)

  • User: JohnGalt
  • JohnGalt 04.03.2003 | 17:40:33

    @sophia12

    das mit der objektivität kannst du in die tonne treten. viele tolle musik (bright eyes) kann man ganz übel verreißen nach relativ objektiven musikhandwerjklichen kriterien. aber wo kommt dann der große intensive emotionale gehalt rein? nach welcher formel willst du sowas beurteilen? nach welcher formel originalität? nach welcher die schlichte begeisterung die manche platten beim hörer auslösen, ohne daß man sie an einem bestimmten punkt festmachen könnte?

    "über musik schreiben ist wie zu architektur tanzen" (...but alive)

  • getupkid 04.03.2003 | 17:41:11
    i wanna see movies of my dream
    im Übrigen: Bert von the Used is in jeder Folge von den "Osbournes" zu sehen. das ist er absolut FREIWILLIG, niemand zwingt ihn dazu. Das IST Boulevard, sorry.

  • Sophia12 04.03.2003 | 17:41:12

    to
    Fincher:
    Dann les mal weiter deine Rezis...

  • Sophia12 04.03.2003 | 17:45:29

    to Getupkid:

    ändert das was an der Musik??? Sollte sich Intro dafür interessieren??? Visions hat in ihrem 2 seitigem Bericht über die Band das mit einer Zeile erwähnt und das wars.... Was ist besserer Journalismus???

  • User: Fincher
  • Fincher 04.03.2003 | 17:46:15
    North Rhine-Westphalian Scum
    Ach Gottchen, Sophia, niedlich wie Du hier die Eingeschnappte spielst und den Objektivitätshammer schwingst, nur weil Deine Lieblingsband verrissen wird. Vielleicht mal weniger beschissene Lieblingsbands aussuchen, das könnte helfen... *g*

  • Sophia12 04.03.2003 | 17:50:23

    to Fincher: Kinderkacke. Ich gebe bloß auf weil wenn jemand sagt mag ich nicht, will ich nicht, kann man nichts machen....

  • Sophia12 04.03.2003 | 18:52:03

    to John Galt: Glaubst Du wirklich das ist ein Veriss von Green Hell?(lese deinen Kommentar erst jetzt)Glaubst du Greenhell würde was in ihren Katalog nehmen und es dann verreissen?
    Ausserdem kann man objektiv sein und gleichzeitig jemandem mitteilen was die Musik für einen persönlich bedeutet. Den emotionalen Gehalt sowie die Originalität kann man aber 100 pro objektiv beurteilen. Es ist halt bei jeder Art von Journalismus so, dass man objektiv sein muss, sonst kann man bei Politik gleich als Leser bei der Bild bleiben... Aber das ändert nichts daran dass die Rezi echt schlecht ist. Und nicht weil The Used nicht gut wegkommen...

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]

 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]