BEWERTEN
 

Triple R

»Friends«

[Kompakt / VÖ: 21.09.2007 ]

Text: Markus Tomsche / Thomas Venker, Markus Tomsche / Thomas Venker

Zwei Zusammenstellungen, die das persönliche Moment bei der Trackauswahl betonen. Beginnen wir in Köln. Triple R, das weiß man nicht nur unterm Dom, das ist der DJ-Name von Riley Reinhold. Der ehemalige Frontpage-Redakteur und De-Bug-Herausgeber ist einer der Veteranen der deutschen Techno-Szene. Heute agiert er vor allem als Labelbetreiber (Trapez und Traum), DJ und Kompaktmitarbeiter. “Friends” ist seine erste Begegnung mit dem Mix-CD-Format – und wird nach eigenem Bekunden nicht die letzte bleiben. Bei der Trackauswahl ging es Riley – nomen es omen - vor allem darum, Freunde und gute Bekannte zu featuren – ein mehr als legitimer Ansatz.

Bei der Release-Masse da draußen bedarf es nun mal eines Filters. Warum sollte man immer nur Kriterien wie Qualität und Genre als Leitgröße nehmen und nicht einfach mal Empathie und persönliche Nähe über alles stellen? Zumal die anderen beiden Faktoren dann automatisch mit ins Spiel kommen. Und so finden sich neben Trapez-Künstlern wie Process und Jeff Samuel und Traum, Leuten wie Brooker/Dealer und Oxtongue weitere Musiker aus seinem engen Umfeld: Schaeben und Voss (Kompakt) zum Beispiel. Oder Sami Koivikko (Shitkatapult). Riley hat alle Tracks sehr respektvoll in den Mix integriert, ganz nach der goldenen Regel: Erst kommt das Stück, dann der Mix. Herausgekommen ist dabei eine schöne Soundreise zwischen den Polen locker-eingroovend, anziehend-stimulierend, electroid-verspielt. “Where is here” stellt nur scheinbar die Frage nach der Örtlichkeit. “This is Genf und nicht Zürich” (klar, in Anlehnung an den legendären Sampler “This is Boston and not L.A.”) ist man geneigt zu schreien angesichts der Güte der Techno- und Electrotracks der lokalen Szene. Während alle Welt immer nur von Zürich redet, fällt der Name Genf allerhöchstens mal im Kontext von Miss Kittin. Dabei hat die Stadt weitaus mehr zu bieten als diese – was natürlich deren Stellenwert keinesfalls in Frage stellen sollen: super Mädchen. Den Anfang der Stadt-Compilation macht stimmigerweise Luciano, der auch im Mix von Triple R seinen Platz gefunden hat. Schön detroity. Die Melodien hüpfen über das ratternde Electrofeld, allesamt getragen von einer düster-nachdenklichen Stimme. Es folgen mit Ianeq, Miss Kitten & The Hacker, DJ Sid, Crowdpleaser & St. Plomb feat. Selfish in bed (danke für diesen unmöglich langen Namen), Rosario, Water Lilly & St. Plomb, Dr. Awkward, Cassey & Dave the hustler und Evil C neun weitere Techno-Electro-Gründe einmal nach Genf zu fahren. Scheint eine mehr als interessante Szene zu sein.



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