BEWERTEN
 

Spaceport Orkestra Of Benares

»The Ganesh Beat Club Sessions«

[Popup Records / Connected / VÖ: 31.10.2003 ]

Text: Burkhard Welz, Burkhard Welz
[3 Kommentare]

Zweimal Asien, zwei divergente Entwürfe eines Kulturgemischs, das sich in seiner Vielfalt einer kompletten Assimilierung entzieht. Trotzdem versuchen sich unterschiedliche Produzenten mit unterschiedlichsten Intentionen an dieser Aufgabe. Mit mehr oder weniger guten Ergebnissen. Viele Produktionen kratzen meist nur an den Oberflächlichen einer Kultur, ergehen sich in gefällig-kitschiger Trendauswertung, die dann meist nicht mal mehr für die örtliche Bauchtanzgruppe herhalten kann. Das Spaceport Orchestra of Benares, das unter der Zwei-Mann-Besatzung von Tobias Ott und Andreas Kraus den Heimathafen verlässt, versucht der Ethno’n’Sting-Falle über eine verstärkte Anwendung von Breakbeats und Live-Instrumentierung zu entkommen, was zum großen Teil auch funktioniert und in seiner Essenz recht erfrischend wirkt.

Titel wie “Krishna Lounge” oder “Requiem” sind zwar ärgerlich, tun dem insgesamt positiven Eindruck allerdings keinen Abbruch. Tobias Ott ist Kenner der Materie, er bedient die Tablas, das Ghatam und seinen Sampler, der nach unzähligen Asien Expeditionen vor Stimmen, Geräuschen und Sounds geradezu überquillt. Das indische Element, welches das Orkestra wie eine mythologische Versprechung über dem glänzenden Breakbeat-Maschinenpark begleitet, rechtfertigt sich über seinen professionellen Einsatz und die darin funkelnde Dynamik. Talvin Singh lässt grüßen. Ganz anders das mittlerweile etwas in die Jahre gekommene Kollektiv von Asian Dub Foundation. Hier und heute wirkt dabei vieles Retro, was in den 90ern noch lieb und teuer war. Der politische Ansatz, die Lyrics über Emigranten-Status, Ausgrenzung und alltäglichen Rassismus sind so natürlich schon bekannt, wenngleich in ihrer immer wiederkehrenden Problematik alles andere als obsolet. Trotzdem und gerade deshalb ist ästhetisch die entscheidende Frage, wer sich diesen Crossover aus Dub, Ska, Breakbeats und Rock noch anhören kann. Eingefleischte Fans werden auf die unbestrittene Energie der Live-Präsenz von ADF verweisen und sich über den wiederholten Einsatz Sinèad O’Connors, die auch auf der aktuellen Massive Attack ihre Stimme erhebt, freuen oder wundern. Dass O’Connors Beitrag (“1000 Mirrors”) trotzdem zu den Highlights von Enemy Of The Enemy” zählt, lässt tief blicken. “19 Rebellions” erinnert gar an Indochine und weist somit zwanzig Jahre zurück und da fragt man sich dann doch, ob man lachen oder weinen soll – ob des eigenen Alters. Oder nur weise lächeln.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Burkhard Welz, Burkhard Welz
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 
  • User: brand new marc
  • brand new marc 07.02.2003 | 14:48:52

    einige nette Ideen, generell aber zu sehr "Bollywood". neuer VÖ-Termin: 17.03.2003

  • kosmonavtov68 04.03.2003 | 10:16:11

    korrektur: die cd steht seit 24.02. in den läden.

    frage an den autor:
    was ist an krishna lounge und requiem ärgerlich?
    die titel oder die musik?

    andreas kraus

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 
  • THREADS ZU DIESEM ALBUM

  •