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Scanner / Tonne

»Sound Polaroids«

[Biphop / Westberlin / VÖ: 22.04.2006 ]

Text: T.L. Renzsche, T.L. Renzsche

Manchmal weiß man selbst nicht so recht, was man sich da zum Besprechen rausgesucht hat. Und oft helfen die Infos nicht wirklich bei der Suche nach dem Gegenstand. Zumindest nicht so schnell und leicht wie es sich nachher gut recherchiert auf dem Papier liest. Scanner und Tonne haben 1999 bei der Imaginaria im Londoner Institut Of Contemporary Arts (ICA) den ersten Preis gewonnen mit einer Installation, die sehr stark an die jeweilige Ausstellungsstadt gebunden ist. Bilder und Sounds der Stadt werden für die Stücke verwendet, für die Umwandlung der Bilder haben sie eine selbst geschriebene Software benutzt. Damit aber auch genug Technikexkurs.

Nur soviel noch: Das Konzept kam so gut an, dass sie es mittlerweile in Mailand, New York, Tokyo und Montreal wiederholt haben und nun auf CD vorlegen. Was uns zur zwingenden Frage nach der Hörbarkeit führt. Die von Scanner, der früher ja hauptsächlich mit Funkwellen gearbeitet hat, und Robin Rimbaud produzierten Soundscapes lassen nicht zwingend einen Schluss auf die jeweilige Stadt zu (mal abgesehen von ganz offensichtlichen Sounds wie dem Big-Ben-Bimmeln in London) – eher das Gegenteil ist der Fall. Die Grenzen verschwimmen, was vor allem an der relativ geringen Gewichtung der Originalsamples liegt. Der Schwerpunkt liegt auf dem ambienten Blubbern und das ist leider nicht gerade up to date spannend. Da sind andere weiter. Beispielsweise sie selbst. Nämlich auf der zweiten hier zu besprechenden CD. Diese geht wiederum auf ein von Tonne geschriebenes Programm zurück. “Soundtoy” wurde von ihm am Royal College Of Art in London entwickelt. Das Programm sollte sich eigentlich auch auf der CD befinden, bei meiner Version stürzt der Rechner allerdings nur ab, wenn ich es starten will. Von daher gebe ich hier noch früher ab an die Technikfraktion. Die Tracks stammen diesmal nicht nur von Scanner und Tonne, sondern auch von Hakan Lidbo und Si-Cut.DB. Das sorgt zum einen über die acht Tracks für mehr Varianz, wobei aber auch jeder für sich mehr Spannung zu bieten hat. Das liegt ganz banal an der Dynamik der Stücke. Wo “Sound Polaroids” sich in der Gleichmäßigkeit des Plätscherns verliert, lassen sich bei diesem Projekt Entwicklungen innerhalb der Stücke wahrnehmen.
P.S.: Inhaltlich nicht dem Dekonstruktionseifer entsprechend, sondern eher einem Rekonstruieren Vorschub leistend, agiert Lidbos Alter Ego Data 80. 80ies-Tanzpop mit scharfem, arg süffigem House-Flair. Sicher weit erfolgreicher als obige Releases aber ästhetisch dennoch eher zu vernachlässigen.



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