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Tilman Rossmy Quartett

»Seit Dem Man Mich...«

[tilman-rossmy.de / Indigo / VÖ: 20.01.2003 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann

Tilman! Rossmy! Oi! Oi! Oi! Aber Vorsicht: Dieses einleitende Skandieren bezieht sich lediglich auf meine individuelle Rezeptionsästhetik bezüglich Rossmy und ahmt ganz sicher nicht die Klangfarbe seines neusten Werks nach. Das ist nämlich erwartungsgemäß noch gesetzter als schon die letzten Alben und croont sich durch elegischen Country, der zwar als solcher leicht zu etikettieren ist, allerdings komplett seinesgleichen sucht. Die 80er, die ganz frühen 90er – also seine Phase der druggybear’schen, fast androgynen, impulsiven Momente – sind vorbei. Genauso wie seine zweite bis Ende der Neunziger andauernde Klassik des sexuellen wie ultra-mondänen Handlungsreisenden in Sachen Love und Entertainment.

Das war alles grell, maßlos brillant und ziemlich Lado. Dann die Trennung von letzteren und der noch etwas gebremste Impuls, in ruhigeren Gefilden (Glitterhouse) auch endlich etwas weniger Aufgeregtes machen zu wollen. Nicht mehr der geile (zugezogene) Hamburg-Hipster, sondern endlich der Songwriter Rossmy und nur der sein können. Dieses Kapitel schloss sich mit dem Ende des Glitterhouse-Intermezzos. Erstmal wurde es still und dann letztes Jahr kam Tilman ganz blank, nur vertreten durch die eigenen Konzerte und die eigene Webseite zurück. “Bei sich selbst angekommen”, titeln da wir Werber in der besoffenen, grellen Post-Lado-Hipster-Presse. Und haben genau genommen nicht mal unrecht. Das ist, was ist. Weniger Claims zum Merken, Skandieren und aufs Mäppchen schreiben, dafür immer noch große Songs. Und man möchte ja auch nicht sein wie das viel zitierte Publikum der Zitronen, Stichwort: Funpunk-Missverständnis. Das heißt, man möchte Rossmy ja nicht auf den Wecker fallen, indem man bei seinen immer noch charmanten Konzerten brüllt: “Keine neuen Songs! Spiel endlich wieder: ‘Und du schläfst mit Männern, und du schläfst mit Frauen, und du schläfst mit jedem, der mit dir schlafen will – um die Angst zu verlieren, um die Fesseln zu lösen.’ Los, Tilman, mach schon, ich habe schon wieder ‘ne Spritze im Arm! Da laufen mir diese neuen Balladen echt nicht gut rein!” Ja, die Geister, die man rief. Sind hoffentlich so anstandsvoll, auch dem Spätwerk gebührende Achtung zu erweisen. Es lohnt sich.



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