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The Put-Ons

»The Put-Ons«

[Manic Records / Cargo]

Text: Ulf Imwiehe, Ulf Imwiehe

Ich möchte diese Platte bitteschön als Comic haben. Als eselohriges Indie-Heft, geschrieben unter dem Einfluss von Jägermeister Erdbeer während einer Greyhound-Reise durch die Mojave Wüste Richtung Pazifik, gezeichnet im slicken Retro-Stil eines Cal Slayton. Rotzigste Sequential Art wäre das Resultat - wütend, angepisst und doch, oder gerade deshalb, irgendwie süß. Süß? Dave Pedroza, Sänger und Gitarrist der Put-Ons aus Huntington Beach bezeichnet die Musik seiner Band gerne als Pop-Punk und lädt damit natürlich Fundamentalisten – besonders letzteren Lagers – offenherzig zum Bashing ein. Menno, is doch nur ’n Label. Und hier ein, trotz aller Abgegrabbeltheit, ganz gut passendes.

Ausnahmslos jeder Song auf dem Debüt-Album des Quartetts lässt sich nach ein paar Mal Hören rückwärts mitpfeifen. Die Melodien sind eingängig, ohne sich schnell abzunutzen, gleichzeitig aber rumpelt und poltert es besonders in der Rhythm Section schön ungeschliffen herum. Die Gitarren geben mal hymnisch den Ton an, mal schraddeln sie minimale, höchst effektive Ohrwurm-Licks in den Sonnenuntergang, und Pedrozas Gesang taumelt kontinuierlich zwischen vollkommen neben der Spur und herzerweichend jungshaft – wenn Sie wissen, was ich meine. Die Put-Ons erschaffen eine seltsame Welt aus hochmelodischem 78er Brit-Punk, seltsam sehnsuchtsvollen Buddy-Holly-Vibes, typischem West-Coast-Punk-Flair und sporadischer Knarzigkeit. Ich möchte mit Americana-Klischees um mich werfen. Den Partikeln dieses total verzerrten und sich doch verstörend echt anfühlenden, inneren Konstrukts aus Eindrücken und Einbildungen, das bis zu einem gewissen Grad wohl alle im Westen (oder Norden?) Geborenen herumschleppen. Feels like Bazooka Joe. Einfach so blöd reaktionär in diesen Reminiszenzen einer von Sitcoms, Skateboards, Zeichentrickfilmen und David-Lynch-Paranoia geprägten Jugend umherradeln und danach zum Strand und Al Bundy völlig kritiklos einen Iro schneiden. Der war doch eigentlich auch Punk. Oder Pop. Mit dem entsprechend monströsen Plattenfirmen-Apparat im Rücken und hypertropher Radio-Limiter-Produktion würde dieses vor potentiellen Singles nur so strotzende Album zumindest in den USA garantiert mit Karacho charten. Im vorliegenden Fall, eher D.I.Y. statt Bertelsmann, können wir Indie-Spießer jedoch jubilieren: Meins, meins, alles meins! Noch.



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