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»In The Shadow Of Ali Bengali«
[Form & Function / Zomba]
Text:
Ulrich Kriest,
Ulrich Kriest
Kürzlich sah und hörte ich beim “SWR - New Jazz Meeting” eine Auseinandersetzung mit Bernhard Langs vom Philosophen Gilles Deleuze inspirierter Komposition “Differenz / Wiederholung 1.2”. Das Ganze in Form einer komplexen Live-Interpretation, die sich im Zusammenspiel von drei unterschiedlich besetzten Trios vollzog. An den Turntables agierte Philip Jeck, am Laptop prozessierte live Christoph Kurzmann. Bei größeren Ensembles wirkte deren Beitrag oft akzidentiell oder gar kontraproduktiv, insofern, als die gemeinsam produzierten Intensitäten unvermittelt auf eine merkwürdige Meta-Ebene transferiert wurden, die sich dann leicht als wenig schlüssiger Kommentar missverstehen ließ.
Kurzum: Entweder gingen Kurzmann und Jeck im Ensemblespiel unter oder aber sie reduzierten ihre Arbeit auf die Produktion von indifferenten Störgeräuschen, den normalen Instrumenten deutlich unterlegen. Auftritt Patrick Pulsinger, der sich in den Credits u.a. bei Kurzmann, der Mego-Crew und auch seinem alten Kumpel Erdem Tunakan bedankt. Trotz des etwas umständlichen und bemüht witzigen Titels verbirgt sich hinter diesem Album, das auch Tracks der beiden vorausgegangenen Maxis des Projekts ETAHTTA enthält, – Überraschung! – ein astreines, grundsolides Jazzalbum, das die Klientel, die trotz dieser beiden Maxis bedenken- und ahnungslos auf das Label Pulsinger vertraut, wohl daheim erst mal etwas vor den Kopf stoßen wird. Das ist zuallererst eine Frage der Perspektive: Wahrscheinlich wird die Überraschung für diejenigen größer sein, die sich ETAHTTA vom Tanzflur her nähern, zumal in gewissen Kreisen das Credo “alles außer Jazz” immer noch gängige Münze ist. Wer vom Jazz her kommt, wird zunächst einmal ein klassisches Pianotrio um Josef Novotny hören, das sich in einzelnen Tracks um Wiener Jazz-Prominenz wie Franz Hauzinger (Trompete), Christoph Reimann (Klarinette) oder Radu Malfatti (Posaune) verstärkt und ordentlich, allerdings auch etwas wenig riskant agiert. Stichwort: Post-Bop. Wenn Pulsinger in die Jam Sessions eingreift, bereichert er den Gesamtsound durch Loops oder Liveprocessing um eine dubbige Tiefendimension, die zwar in den Gesamtsound nachhaltig eingreift, ohne deshalb aber die Bandkommunikation aufdringlich oder gar programmatisch an sich zu reißen. Vielleicht ist es gerade dieses Moment der Mannschaftsdienlichkeit, des Ensemblespiels, das Pulsingers Jazz-Entwurf so spannend und vor allem so haltbar macht. Man kann sagen: Pulsinger arbeitet ernsthafter an einer produktiven Fusion von Jazz (Improvisation) und Elektronik (Programmierung und Improvisation) als so viele andere Grenzgänger, bei denen entweder die Elektronik modisches Ornament (Live-DJing) bleibt oder der Jazz ein matter Hipness-Indikator (Mojo-Sampling).
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