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Mount Sims

»Ultrasex«

[Gigolo Records / Efa / VÖ: 24.02.2003 ]

Text: Jan Kedves, Jan Kedves

Mount Sims hat in seinem Leben schon viel dafür getan, um nicht als langweiliges Provinz-Ei aus Milwaukee, Wisconsin abgestempelt zu werden: Er hat behauptet, unsterblich in seinen Computer verliebt zu sein, ist splitternackt auf Straßen rumgelaufen, hat Musik für “Psycho Dance Shows” gemacht und auf Partys seine Art Glied in Lautsprecher gesteckt. Speaker Sex. Autsch? Das alles hat ihm offensichtlich noch nicht gereicht, um seine eigene und die Belastbarkeit seiner Mitmenschen auf die Probe zu stellen und seinen Ruf als leibhaftig gewordenes öffentliches Ärgernis zu festigen – dazu fehlte ihm noch ein Album. Es heißt “Ultrasex” und wird ihm wohl endgültig zeigen, auf welcher Seite die wahren Freunde stehen.

Denn wie kann man momentan besser die Geister scheiden als mit Electroclash? Wie ein Destillat aus Chicks On Speed, Adult, Fischerspooner, Peaches und anderen Clashern klingt sein Album. Gut, bei manchen Stücken hat sich vielleicht etwas mehr Funk eingeschlichen, deswegen muss man aber noch lange keinen Vergleich mit Prince bemühen – echte Prince-Fans würden da sehr empfindlich reagieren. Jedenfalls vertraut Sims wie ein Aktienfond-Anlageberater, der von Rezession noch nichts gehört hat, darauf, dass Sägezahn-Synthie-Sounds total sexy, Tabubrecher-Lyrics wie “Hate Fuck” total cool und Oralsex-Pornobilder im Artwork total innovativ sind. Das kommt Anfang 2003 nur leider zwei Jahre zu spät, und so sehnt man sich nach dem Hören doch ganz schnell nach ganz normalem Blümchensex mit Erlend Oye. Savas Pascalidis, Technomann aus Stuttgart, hat mit seinem Album “Galactic Gigolo” im Vergleich zu Sims weitaus bessere Karten: Zum einen rein optisch, weil er auf dem Cover ein junges Mädchen zeigt, das aller Wahrscheinlichkeit nach noch gar nicht an Sex denkt, zum anderen musikalisch, weil er weitaus weniger ausgelutschte, zumindest momentan nicht so überpräsente Ansätze verfolgt. Savalidis liefert ausschließlich, ähm, Techno-Coverversionen alter Stücke – oder besser gesagt Tracks, die von diesen alten Stücken maßgeblich inspiriert sind und deswegen ihre Namen tragen, u.a. A Flock Of Seagulls “Space Age Love Song” (1982), McCoy Turners “Fly With The Wind” (1976), Visages “Tar” (1980), Zero Zeros “System 605” (1983) und Thomas Dolbys “She Blinded Me With Science” (1982). Die Jahreszahlen sprechen für sich: Es geht um die Zeit, in der die Neuigkeit des Synthesizers noch vermochte, der Popwelt eine gewisse Mystik einzuhauchen. Savalidis morpht die Vorbilder in größtenteils rein instrumentale Dancefloor-Monster, die sich vor Giorgio Moroder, der 70er-Disco- bzw. 80er-Italo-Disco-Ära und vor Lil’ Louis’ “French Kiss” verbeugen und vielleicht genau wegen ihrer leicht stumpfen Holzigkeit eine fatale Wirkung entfalten. Natürlich nicht tagsüber im Radio, sondern früh morgens im abgefüllten Club.



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