BEWERTEN
 

Hattler

»Mallberry Moon«

[Bassball / edel / VÖ: 03.02.2003 ]

Text: Markus Von Schwerin, Markus Von Schwerin

Fast die ganzen 90er über konnten einer der (wohl immer noch) bekanntesten Bassisten Deutschlands und der fünfzehn Jahre jüngere Trompeter und Keyborder Joo Kraus als Tab Two internationale Erfolge einfahren. Besonders in Polen und fernöstlichen Regionen erfreute sich ihr HipJazz großer Beliebtheit, aber auch im eigenen Lande fiel schon mal ein Hit wie “Flagman Ahead” ab. Zum Dekadenwechsel war dann von einer schöpferischen Pause die Rede, die sich aber bald als Ende des Tab-Two-Kapitels herausstellen sollte. Joo Kraus hat sich seitdem der lokalen Jazz-Szene in Ulm und um Ulm herum zugewandt, Hellmut Hattler ging zum dreißigjährigen Bestehen wieder mit Kraan auf Tour und legte fast zeitgleich ein Album unter seinem Nachnamen vor.

Was zunächst nur als Zwischenlösung angedacht war, findet nun in “Mallberry Moon” seine Fortsetzung, und wiederum scheint es, als ob Hellmut Hattler den Bruch des Duos noch nicht verwunden hat. Zumindest werden hier die Möglichkeiten, die sich bei einem neuen Projekt unter eigenem Namen anböten, nicht wirklich genutzt. Zwar stammen alle Texte von ihm, interpretieren lässt er sie aber bis auf wenige Ausnahmen von der schon zu Tab-Two-Zeiten präsenten Sandie Wollasch, deren Stimme auf immerhin sieben von zwölf Stücken so dominiert, dass eine Veröffentlichung unter ihrem Namen mit Hattler als Produzent vielleicht plausibler gewesen wäre. Der Einfluss aktueller musikalischer Strömungen in Form von R’n’B-Anleihen und (u.a. von Fehlfarbens Uwe Jahnke) vorprogrammierten Sounds lässt sich auf “Mallberry Moon” zwar nicht absprechen, aber Wollaschs Art zu singen, hat leider mehr mit den No Angels als mit Jill Scott gemein und die intendierte Dramatik wirkt so künstlich wie bei vielen Portishead-Nachäffern. Zwar ist die Anpassung an zeitgenössische Sounds keine neue Errungenschaft von Hellmut Hattler, denn selbst Kraan unterschieden sich in der zweiten Hälfte der 70er instrumental nicht grundlegend von den angesagten Jazz-Rock-Truppen (Return To Forever, Crusaders etc.). Doch bewegte sich das Quartett mit seinen amerikanischen Kollegen auf einer Stufe und hatte diesen in puncto Spiellaune sogar einiges voraus. Aber es war eben der spezifische Gesang, der dem Ganzen eine ziemlich krautige, aber dafür eigene Note gab. So fällt auf Hattlers neuem Werk dann auch ein von ihm selbst vorgetragener Song positiv aus der Reihe, weil er in seiner Walter-Becker-verwandten Knarzigkeit durchaus als selbstkritischer Kommentar zum gesamten Album verstanden werden kann. Er heißt: “No Fun”.



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • Nächste Tour-Termine

  •  
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 

Platten der Woche

Platten der Woche

Die wichtigsten Neuerscheinungen im Überblick! [...mehr]

 

Platten in einem Satz

Platten in einem Satz

Neu bei Intro: Plattenkritiken in SMS-Länge! Die besten "Oneliner" gibt's hier.