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»Das Schweigen Der Sirenen«
[Dial / Kompakt]
Text:
Thomas Venker,
Thomas Venker
Fangen wir bei Glühen 4 ausnahmsweise innen an. Das Innencover zieren drei Wörter (“Liquid”, “Fluid” und “Identity”), ein schwarzer Balken sowie die Zahlen eins und zwölf. Klingt erstmal mystisch und findet seine Fortsetzung auf dem Cover: Ein Junge im Schwarz-Weiß-Copy Style und ein weißes Kreuz auf schwarzem Grund. Joy Division. Ach ja, Joy Division, der Vergleich für alles, was düster, morbide und irgendwie krank rüberkommt. Das alles natürlich noch immer im als Song goutierbaren Sinne, schließlich sind wir ja nicht bei Cabaret Voltaire oder Throbbing Gristle. Das Backcover schlägt in die gleiche Kerbe mit Songtiteln wie “Glut”, “Frost” und “You Don´t Know Me”, aber auch mit “Elfbuchten”.
Nerdige Ethnologen wissen aus den restlichen Angaben wie Dial, Flamm (wohl jener Berliner Exilschwabe, mit Christian als Vorname, der neben seiner Tätigkeit als Parfüm-Mitbetreiber auch als grafischer Künstler aktiv ist) und Weber (wohl Hendrik Weber, of Tobin Rec. und Stella-Fame) eine gewisse Relevanz abzuleiten. Das, was man zu hören bekommt – und da wird die Kluft zwischen den aus Verpackung und Szenekontexten generierten Erwartungen und dem Inhalt mal wieder offensichtlich – ist zuallererst mal weniger spannend denn vielmehr, ähm, interessant, um noch für einige Zeilen mitzuspielen beim alten Spiel des sozialen Drucks. Es fiepst und knackst, es zischt und rauscht; alles in freien Strukturen selbstredend. Ein Laptop mehr, das zu Avantgarde missbraucht wird. Um es mit Turner zu sagen: Ja, es ist so schwer, ehrlich zu sein. Ich versuch es trotzdem mal. Trotz aller Sympathien, die hier an etlichen Zweigstellen abgerufen werden, will ich nicht von den kongenialen Kunstausstellungen erzählen und davon, wie sehr diese Musik an etwaige Räume und Orte (Stichwort Theater) gebunden ist, nicht davon faseln, dass vom sozialen Befruchten erst ihre wirkliche Wirkung generiert wird, sondern einfach mal direkt sagen, dass das, was die Töne auslösen, zu Hause nicht gebraucht wird. Heute. Wer weiß, vielleicht morgen, wenn es draußen gewittert und ich mit Sartre und Nietzsche mal wieder einen Abend allein verbringe. Oh Gott. Ich schränke schon wieder ein... Das gleiche, meinen Distinktionsgrad sicherlich erheblich herabstufende Urteil muss ich leider auch zu Angel von mir gegeben. Das Projekt von Ilpo Väisänen (genau, der eine von den beiden trinkfesten Pan Sonic Jungs) und Dirk Dresselhaus (Mister Schneider TM himself) ist live bestimmt der Hammer – auf der CD findet sich ein Videotrack von der Performance, die in ihrer Gesamtheit unbearbeitet den vorliegenden Release ergab –, aber für den Hauskonsum... Sie will mich einfach nicht packen diese geile Improvisationsnummer, die die beiden da ritualisiert einmal im Jahr in Berlin performen auf ihren selbstgebauten Synthesizern und den Gitarren, immer schön die Tonalität als veraltetes Konzept demonstrierend und der Wall of Feedback huldigend, sich an der Schrägheit ergötzend. Und es fällt vor allem auf, wie sehr manche Musik an ihren sozialen Kontext gebunden ist. Was an einem bohemisch geprägten Ort richtiggehend spannend ist und mich garantiert aus der Bude locken würde, wären die Jungs in der Stadt (gilt jetzt alles für beide Projekte), scheitert in der Bude selbst an ihrer Limitierung auf den Klang ohne soziales Ereignis. Das ist nämlich kein ausschließliches Attribut von Tanzmusik, mittlerweile ist ja eher das Gegenteil der Fall, hören doch alle Kompakt und Co. auch gerne zu Hause, und zwar nicht nur den Superpitcher, sondern auch den Reinhard. Die Grenzen verschwimmen.
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