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»Mod’s Mayday«

[Castle / Sanctuary / Zomba]

Text: Ralf Bei der Kellen, Ralf Bei der Kellen

1979 startete das Mod-Revival in England, einer der ersten großen Retro-Trends. Wahrgenommen wurde er in der Öffentlichkeit vor allem durch die Uraufführung des Films “Quadrophenia” im selben Jahr. Die Katalysatoren der Bewegung aber blieben wie so häufig auch hier im Halbdunkeln und sind oft nur Eingeweihten, also Anhängern der jeweiligen Subkultur, bekannt. Ein Konzert in einem Pub in East London sollte der Bewegung einen entscheidenden Anstoß geben. Das Bridge House Tavern war längst zu einem In-Treff für Mods geworden. An jenem Tag hatte der Betreiber sechs Bands eingeladen, um mit ihnen im Rahmen eines Festivals einige Live-Aufnahmen zu machen.

Die Aufnahmen veröffentlichte er später auf einer LP, die jetzt erstmals auf einer – gegenüber dem Original um 24(!) Tracks erweiterten – CD vorliegt. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen The Jam und den Small Faces und ist wahrscheinlich die erste Begegnung von Soul-Einflüssen und DIY-Punk-Attitüde (was der Grund dafür sein dürfte, dass sie auch heute noch erstaunlich frisch klingt). Von den sechs Bands stechen vor allem drei heraus: Secret Affair, die später mit ihren beiden Top 40-Hits “Time For Action” und “Let Your Heart Dance” kleine Stars wurden; Squire, die mit ihren ausgefeilten 60ies-Harmonien zwar Pop-Perlen erster Güte ablieferten, aber auf immer ein Insidertipp blieben; und The Mods, eine großartige Band, von der es bedauerlicherweise außer den drei hier enthaltenen Songs keine Aufnahmen gibt. Eine Doppel-CD voller rauher, ungeschliffener Power-Pop-Perlen von Mod Bands aus der zweiten Reihe hinter The Jam, von denen zumindest die drei genannten zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Wie die “Live at the Roxy”-LP den Londoner Punk 1977 dokumentierte, so ist “Mod’s Mayday” eine Bestandsaufnahme der Londoner Mod-Szene. The Lambrettas waren ebenfalls Teil dieser Bewegung und hätten sich sicher nahtlos auf diesem Sampler einfügen können. Allerdings war ihnen etwas mehr Erfolg beschieden als den anderen Bands, immerhin hatten sie zwei Top-Ten-Hits (“Da-a-a-ance” und “Poison Ivy”). Auf der vorliegenden Anthologie befindet sich das komplette Oeuvre der Band. Auch hier gibt es rohe Popmusik voll klirrender 60ies-Gitarrensounds, wie sie auch Weller nicht besser hingekriegt hat. Und ihr Song “London Calling” gefällt mir wesentlich besser als das Clash-Stück gleichen Namens.



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aus Intro #102 (Februar 2003)
 
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