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Cat Power

»You Are Free«

[Matador / Beggars Group / Connected / VÖ: 17.02.2003 ]

Text: Sebastian Ingenhoff, Sebastian Ingenhoff

Auf ihrer letzten Platte “The Covers Record” widmete sich Chan Marshall, die Frau hinter der Indie-Trademark Cat Power, fast ausschließlich Fremdeigentum und dekonstruierte Klassiker von Bob Dylan oder Lou Reed auf eine so brillante Art und Weise, dass man die Originale nur noch mühsam bis gar nicht mehr heraushören konnte. Es handelte sich eben nicht bloß um die Reproduktion des Originals mit anderer Stimme, anderer Laune, anderen Musikern, sondern Chan Marshall drückte den Songs ihren eigenen Gestus so auf, dass man eigentlich nicht mehr von einer wirklichen Cover-Platte sprechen konnte. Nun ist sie wieder mit eigenem Material am Start und hat sogar – oha! – Eddie Vedder als Gastsänger an Land gezogen.

Ganz genau, der Typ, über den sich einst Kurt Cobain schon echauffiert hatte. Der nämlich wird in seinen Tagebüchern nicht müde, zu betonen, wie sehr ihm Pearl Jam damals auf die Eier gingen. Da Pearl Jam sich aber seit geraumer Zeit eh darum bemühen, ein anderes Publikum als das der Dorfdisco-Tänzer anzusprechen und ihr Image neu zu konstruieren, ist diese Kollaboration nur konsequent. Mit Armleuchter-Post-Grunge à la Nickelback und Creed will man schließlich auch nicht mehr in einen Topf geworfen werden. Besagter singt die Backing Vocals bei dem göttlichen “Good Woman”, das von einer verzerrten, sich schleppenden Bluesgitarre und einer Dylan-esken Mundharmonika getragen wird und neben dem Piano-Stück “Names” der wohl beste Song der Platte ist. Das Album lebt auch sonst von minimaler Instrumentierung, entweder Piano oder Gitarre, selten gibt es Ausbrüche nach vorne, dafür immer wieder dieses eine Timbre, das sich durch das ganze Album zieht, ohne je auch nur annähernd auf die Nerven zu gehen. Aber nicht bloß lesen, sondern selber hören, schließlich zeigt sich die Güte des Puddings auch erst beim Essen. Chan Marshall ist eine Songwriterin im Stile einer Liz Phair oder eines Conor Oberst, die in ihrer Melancholie manchmal sogar einer Nico gleichkommt. Und “You Are Free” ist eine top Platte, die sich nahtlos in ihr bisheriges Werk einfügt. Ein Pearl-Jam-Album muss man sich deswegen noch lange nicht kaufen.



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