BEWERTEN
 

Ai Phoenix

»The Driver Is Dead«

[Glitterhouse / Indigo]

Text: Stephan Ossenkopp, Stephan Ossenkopp

Die Sängerin hat eine Stimme wie Weihrauchschwaden. Süßlich, irgendwie heilig und auf eine natürliche Weise edel. Mona heißt sie und ist, so hört man, Direktorin einer Grundschule im norwegischen Mökster, das auf einer Insel liegt, die einzig mit einem Boot erreichbar ist, und auf der es nicht mehr als 300 Einwohner gibt. Das ist so dermaßen weit ab von der Alltagsrealität eines durchschnittlichen Stadtbewohners westlicher Prägung, dass man auf dem Album zunächst alles erwarten könnte. Zu Gehör bekommt man dann eine spartanisch instrumentierte Pop-Platte mit laid back Tempi, tränenschwangeren Gitarren- und Harmoniumakkorden und einem Bass, der seinen ganz eigenen Weg durch die Songs sucht.

Die Songs im einzelnen haben unterschiedliche Ausprägungen.

Mal wirken sie bohrend und eindringlich (“Snow And Light”), mal dösig und einschläfernd (“Institution”), sind schlichte instrumentale Spielereien (“Killer, Killer Radio Thriller”), deprimierende Totenbett-Duette (“Wishinglot”) oder manchmal auch kurz und bunt aufblinkende Nordlichter (“This Is Close” mit dem wunderbaren Mantra “A flower storm is here”). “The Driver Is Dead” ist übrigens nicht der Nachfolger zu “Lean That Way Forever”, sondern das Deutschland-Release eines ihrer 2000er Alben, das bislang nur auf ihrem eigenen Label Racing Junior erschienen war. Gitarrist Espen Mellingen, der einst auch mal bei den Poor Rich Ones mitwirkte, verließ später die Band, und auch Robert Jönnum, der bei der Gründung der Band in Bergen 1997 dabei war, ist nicht mehr im aktuellen Line-Up, so dass das Album also ein relativ frühes, eher unangetastetes Stadium der Band zeigt. Etwas, das man sich auf jeden Fall bewahren sollte, denn wer weiß, ob eine Band je wieder so langsame und rührende Songs spielen kann.



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