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Godspeed You Black Emperor!

»Yanqui U.X.O.«

[Constellation / Efa / VÖ: 29.11.2004 ]

Text: Felix Klopotek, Felix Klopotek

Die Stärke des neunköpfigen kanadischen Kollektivs besteht in der präzisen Artikulation eines diffusen Gefühls. Instrumentalmusik zwischen Spätromantik und Pink Floyd, Ennio Morricone und Black Flag, auf ewig langen Konzerten ohne Anfang und Ende, als einzige \"Bühnenshow\" die Projektion zerschlissener Super-8-Filme. Und trotzdem sind ihre Konzerte ausverkauft, gilt die Band als Verkörperung der spätanarchistischen Kommune und Knotenpunkt im Netzwerk der Globalisierungsgegner. Ein Crossover, das nur funktionieren kann, weil die Anti-Gobalisierungsbewegung genauso kryptisch ist und — so hat man öfters den Eindruck — sich lieber der super-pathetischen Gefühlsproduktion à la Godspeed hingibt als der Kritik der politischen Ökonomie.

\"Yanqui U.X.O.\" setzt dagegen auf Radikalisierung, Zuspitzung — so \"konkret\" waren Godspeed noch nie. Aufgenommen hat das Album Steve Albini, sein straighter Sound hat geholfen, den elegisch-abgründigen Sound zu entschlacken. Obwohl die Stücke im Schnitt immer noch fünfzehn Minuten dauern, sind sie direkter denn je. Musikalisch ist das Album vielleicht ihr bestes. Über gefrorenem Schlamm läuft es sich besser. Entscheidender aber ist ihre Symbol-Politik: Das Cover zeigt fallende Bomben (aus Flugzeugperspektive); \"U.X.O.\", so klärt uns die CD-Hülle auf, heißt \"Unexploded Ordnance\", gemeint sind Landminen und Clusterbomben, die Waffen also, die in den Afghanistankriegen die verheerendsten Wirkungen zeitigten; das Backcover listet die vier Riesen der Kulturindustrie auf: Sony, AOL Time Warner, Vivendi Universal und BMG, und deren Verstrickungen mit der Waffenindustrie — Terror und Konsum. Man wäre nun geneigt, das Album ohne Vorbehalte zu bejubeln. Wäre da nicht noch dieser eine verfluchte Satz: \"09-15-00 is ariel sharon surrounded by 1000 israeli soldiers marching on al-haram ash-sharif & provoking another intifada\". Heute diese \"Information\" zu veröffentlichen, kann nur heißen, Ressentiments zu bedienen. Längst ist klar, dass die mörderische Al-Aksa-Intifada von langer Hand vorbereitet wurde. Scharons Auftreten auf dem Tempelberg war mit den palästinensischen Sicherheitskräften abgesprochen. Am Ende bleiben Godspeed dann doch genauso dumpf wie ein Großteil ihres Klientels.



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