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Jay Jay Johanson

»Antenna«

[RCA / BMG / VÖ: 04.11.2002 ]

Text: linus volkmann, linus volkmann
[7 Kommentare]

“It’s all so strange / when centimetres feels like miles / seconds like hours” (aus “Far Away”). Letztere Zeilen waren der Knüller für die Emo-Clique, in der ich Nacht für Nacht arbeite. Und stammten von dem Album “Poison” des Schweden Jay Jay Johanson. Die Hits der Platte machten uns auch beim Intro trunken, und kurzerhand bedachten wir Jay Jay, den hier zwar bekannten, aber doch nicht wirklich populären Thirty-Something mit der wilden Punk-Vergangenheit, mit dem Cover der April-Ausgabe 2000. Auf der damaligen Platte croonte er zu elektronisch angehauchten, aber dennoch sehr traditionell Gitarren-geprägten Singer/Songwriter-Mega-Momenten.

Auf dem dazugehörigen Cover lief er durch den Wald mit kurzen Haaren, geschminkt war er auch. Jetzt: Uhrenvergleich. Es sind zwei Jahre verstrichen. Auf dem neuen Album ist Jay Jay abgebildet. Er trägt eine lange karottenrote Matte, an den Seiten aus- und hochrasiert. Eine Mischung aus der schwedische Mohikaner und Sique Sique Sputnik. Die Musik, die dazu läuft, trägt ebenfalls die stete, ja manische Beweglichkeit ihres Protagonisten im Schild – und klingt dementsprechend wieder ganz anders als bisher. Geblieben ist natürlich das Timbre, und die generelle Unverwechselbarkeit des Organs, für die Instrumentierung indes hat Jay Jay die Walkabouts- und Midnight-Choir’esken Gitarren-Nummern gestrichen. Er scheint vielmehr angekommen im elektronischen Songwritertum, und weil er dabei auch noch Connaisseur ist, ließ er die Platte von niemand Geringerem produzieren als von den Rosenheimer Minimal- und Zerstörer-Fricklern von Funkstörung. Dass er deren Hang zur Dekonstruktion in Kontext mit dem ihm eigenen Schönklang zu stellen in der Lage war, dem gebührt erst mal Respekt. Und dann ist das Ergebnis auch noch gelungen. Jay Jay schwelgt somnambul, und die Sounds sirren und kleppern. Der Beat läuft mehr oder weniger ungebrochen durch. An einigen Stellen holte sich der Künstler dann noch aus einer ganz anderen Ecke Unterstützung: Das Symphonie-Orchester Stockholms schafft orchestrale Pop-Explosionen. Himmel, was eine Platte. Und was ein Typ. Mitunter genial in seiner Angreifbarkeit, seiner Verletzlichkeit und seiner Versponnenheit.



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  • User: Kleiner_Prinz
  • Kleiner_Prinz 06.11.2002 | 09:45:59

    Lasst euch nicht bezirrzen von dieser Kritik. Leider ist dieses Album ein Reinfall. Wo ist die Schücternheit und die damit verbundene Ironie hin, die Soongs wie "Tell the girls that I'm back in town" ausgezeichnet hat? Nun schaut er sehr selbstbewusst vom Cover, singt von seinen Empfindungen "evrytime I ear my song on the radio" und Songs wie "Deja-vu" oder "Automatic lover" mit ihren DJ-Boboesquen Beats klingen auch so, als flehten sie geradezu darum, im Radio gespielt zu werden. Die Intesität ist bei alledem leider auf der Strecke geblieben.

  • User: jebu
  • jebu 06.11.2002 | 10:00:40

    Ganz so krass würd ich das nicht ausdrücken. Poison war sicher viel durchgängiger und intensiver, aber in diese Richtung konnte es dann auch nicht mehr weiter gehen.
    Auf Antenna sind aber trotzdem noch genug schöne Lieder drauf, wenn auch diese Disco-Songs ziemlich gewöhnungsbedürftig sind. Bei letzteren bezweifel ich auch, dass ich die gut fände, wenn das nicht diese Stimme wäre.

  • User: westbabybam
  • westbabybam 06.11.2002 | 10:39:31

    Ich hab' den Mann gestern live auf arte gesehen.

    Ich fand's grottenschlecht. Zwar sieht er aus wie eine Mischung von Thin white duke und Sigue Sigue Sputnik, aber singen kann er nicht mal wie Patrick Lindner.

  • User: jebu
  • jebu 06.11.2002 | 11:24:24

    @wbb: Das Dir die Stimme nicht gefällt, kann ich ja nachvollziehen, aber das er nicht singen kann, stimmt definitiv nicht.

  • carpi 08.11.2002 | 23:04:21

    Höre das Album auch ganz gerne. Geht aber nach dem tieftraurigen 'Poison' und dem formidablen Vorgänger 'Tattoo' doch Richtung breitere Öffentlichkeit.
    Die Stimme ist allerdings schon gewöhnungsbedürftig.

  • User: starlight_walker
  • starlight_walker 09.11.2002 | 09:33:42
    hachígatsu
    ich finde von dj bobo ist herr johanson schon noch weit entfernt, den vergleich mit den pet shop boys ziehe ich jedoch gern. für mich ist antenna zeugnis seines (frisch erworbenen) selbstbewußtseins, welches man auch sehr schön bei eben jenem arte-special sehen konnte: ein glücklich verliebeter jay jay johanson der tanzmusik macht. und hey, wer möchte denn nicht tanzen, wenn man glücklich verliebt ist?!
    nun kann man melancholie zu poison leben und wunderbar tanzen zu antenna. ich tue das jedenfalls.

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