Q And Not U
»Different Damage«
[Dischord Records / Efa / VÖ: 29.11.2004 ]
Text:
Ulf Imwiehe,
Ulf Imwiehe
Eine Reise. Stagediven auf Wolken in der Farbe von Blutergüssen und Mint-Zuckerwatte im milden Schein einer ewig freundlichen Abendsonne. Die Wut reinboxen in die Sanftheit des Momentes, sie in Energie transformieren und Liebe. Tausend kleine Explosionen im Bauch. Das schreit man nicht einfach so raus. Das tut zu gut. Behalten, dosieren. Unten winken junge Menschen auf Skateboards. Einige sehen traurig aus, andere lächeln, umarmen einander, ein paar tragen so schwere Bücher, dass sie Mühe haben, voranzukommen, ein Mädchen schreibt etwas an eine Mauer. Lachen sie? Sie wissen, wer wir sind und wohin wir treiben. Sie waren bereits dort. Wir werden sie wiedersehen.
Das zweite Album des Trios Q And Not U, produziert von Ian MacKaye und Don Zientara, spendet diese seltsame Art melancholische Hoffnung auf irgend etwas Besseres. Etwas nicht Fassbares, von dem alle wünschen, dass es dort draußen sei. Ein abstraktes Utopia der Aufrichtigkeit, mehr Zustand als Ort. Dischord-Land. Q And Not U leben dort. Flippernd zwischen relaxten, aber immer noch sauwütenden Refused, der Hoppeligkeit von Mouse On Mars minus deren schrulliger Niedlichkeit und Verschachtelungs-Hymnen, die At The Drive-In nicht mitreißender hätten intonieren können, erzählt die Band uns, wie es ist und wie es sein könnte. Tanzen mit dem Rücken zur Wand, die Faust geballt in diesem Wunderland der musikalisch katalysierten Emotionen, Fragen stellen, irritieren. Nicht unbedingt musikalisch, sondern vom Aufwühlpotential her fühlt es sich so ähnlich an, wenn in einer abgelegenen Grotte in Neuseelands Golden Bay plötzlich Labradford aus dem Walkman ertönen, obwohl auf dem Tape etwas von Suicidal Tendencies steht. Mikroskopische Beat-Kaskaden verweben glimmende, mitunter stochernde Riffs mit dem präzisesten und dabei immer unaufdringlichen Bass des Gestern zu einem Manifest des Morgen. Eine Reise. Eine Forschungsreise. Wohin geht die im progressiven Hardcore verwurzelte Gitarre? Werden wir sie wiedererkennen? Und falls nicht, was genau werden wir vermissen? Emo? Pop? Was ist Zeit? Ein wundervolles Album!
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