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»Me Like You«
[Grönland / Emi / VÖ: 23.09.2002 ]
Text:
Martin Büsser,
Martin Büsser
Wenn die kids not alright sind, müssen eben manchmal die Dreißig- bis Vierzigjährigen ran. Ausgerechnet nach einem entspannten, von langen Spaziergängen inspirierten Ambient-Album haben sich Stoya und der Pyrolator nun für etwas ausgesprochen, was als Ausdruck auch schon lange durch dieses Heft geistert: die Repolitisierung der Popmusik. “Me Like You” möchte unbequem sein und beginnt daher programmatisch mit den frustrierten Zeilen: “There’s nothing holding me here anymore.” Solche bewusst vollzogenen Entscheidungen können sehr leicht aufgesetzt wirken, doch “Me Like You” ist kein von Slogans durchsetztes Agit-Prop-Album geworden, sondern funktioniert wie jeder gute Pop mehrdeutig, aber nicht beliebig.
Das Album lässt sich politisch begreifen, drängt aber keine Botschaft auf. Zeilen wie “We have quietly reached utopia / and it sucks / the future is stupid” gehören so ziemlich zum inhaltlich Konkretesten, was “Me Like You” zu bieten hat, ansonsten bleibt die Frustration eher stimmungshaft. Der Wunsch nach Veränderung brodelt, bleibt aber Wunsch, der keine Lösungen anzubieten hat. Das drückt sich auch in einer Musik aus, die dunkle elektronische Sounds bevorzugt, also Unbehangen nirgendwo mit Lärm, Heavy Rock oder martialischer Urgewalt gleichsetzt. Am besten sind deshalb auch jene Stücke, in denen die Texte einen Kontrast zur eher fließenden, beinahe leichten Musik entwickeln, etwa auf “The Sea”, einer eingängigen Popnummer, auf der Stoya geradezu versöhnlich melodisch singt. Problematisch wird es dort, wo der Gesang verzerrt aufgenommen wurde und all das unnötig unterstreicht, was sich sowieso schon als Selbstverständnis formuliert findet. Die besten Bombay-1-Nummern erinnern deshalb vom Konzept her an Lali Puna, eine immer noch notorisch unterbewertete Band, die es verstanden hat, politisch explizite Texte in schaumig schönen Synthiepop zu betten. Musikalisch ist “Me Like You” allerdings nicht mit irgendeiner – im positiven Sinne – pubertären, melancholisch-wütenden Indie-Stimmung vergleichbar, sondern absolut “adult orientated”. Dieser etwas missverständliche Ausdruck bezieht sich nicht auf das Alter der Musiker, sondern auf die musikalische Verfahrensweise, auf eine sehr ausgewogene, mit dem späten Bowie vergleichbare Produktion. Es lässt sich auch anders ausdrücken: Hier sind Profis am Werk gewesen, deren Musik beinahe schon unter Mainstream-Bedingungen radiotauglich ist, aber eben so, wie wir es alle endlich mal wieder gerne im Radio hören würden.
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