BEWERTEN
 

Toni L

»Der Funkjoker«

[Subword / 360° Records / VÖ: 23.09.2002 ]

Text: Hannes Loh, Hannes Loh

Intro-Leser haben ja so ihre Lieblinge, wenn’s um deutschsprachigen Rap geht. Ich sag’ nur Eins Zwo und Kinderzimmer Productions. “Der Funkjoker” ist eine hübsche Möglichkeit, sich auf diesem Gebiet noch ein wenig mehr zuzutrauen. Denn Toni L öffnet einen weiten Raum. Er macht dem Zuhörer gegenüber transparent, woher seine Inspirationen stammen, wer seine Vorbilder sind, und er zitiert sie sowohl musikalisch als auch textlich. Die Singleauskopplung “Der Funkjoker” zählt nicht weniger als 52 Namen auf von Funk-, Soul- und Disco-Bands, die Toni L im Laufe seiner Entwicklung beeinflusst haben – von Earth, Wind & Fire über Donna Summer bis Cameo.

Außerdem greift er bei einigen Songs selbst zur Gitarre und steuert so eine gute Portion haus- und handgemachten Funk bei. Wenn sich das nicht so entsetzlich bescheuert anhören würde, könnte man sagen, “Der Funkjoker” ist ein “reifes” HipHop-Album. Was ich eigentlich sagen will: Toni L versteht sein Handwerk. Und er macht das, was das eigentlich Geile an HipHop ist: Mit dem Bewusstsein darüber, dass man aus einem unendlich großen Fundus schöpfen kann, dass einem die ganze moderne Musikgeschichte zur Verfügung steht, viel, viel Spaß haben – mit Zitaten, Samples, Rhythmen und Melodien. Diese spielerische Qualität zieht sich durch das ganze Album und bereitet einem viel Freude. Auf vielen Songs sind Gast-MCs oder –Djs zu hören, ohne dass man dadurch das Gefühl bekäme, Toni hätte es nicht auch alleine gekonnt. Torch, Boulevard Bou, DJ Stylewarz, DJ Rickski, Ebony Prince, Killa Kela, Gente Gusta und Souterrain Squad sind gute Freunde und alte Weggefährten. Es wird in vier Sprachen gerappt, und der internationale Charakter des Albums ist unverkennbar. Toni L sieht sich nicht als “Deutschrapper”. Er hat Zeiten erlebt, als HipHop in Germany noch einen anderen Flair hatte. Diesen Spirit transportiert “Der Funkjoker”; musikalisch, textlich und auch hinsichtlich Sound und Abmischung. Das Heidelberger Piermount Studio kann sich auf diese Leistung durchaus etwas einbilden, denn an vielen Stellen flackert ein längst vergessenes Jam-Feeling auf, 80er-Synthiebässe boxen sich bös’ bis zum Dickdarm durch (frei nach Torch), und harte Funk-Licks durchfahren einen wie heiße, leichte Splitter. Wird in etwa klar, was ich meine? Mit ein wenig Glück bekommen wir die Singelauskopplung “Der Funkjoker” bald in den Clubs zu hören. Und wenn nicht, dann sind wir eben einige der seligen wenigen, die dieses joecoole Album haben!



Artikel kommentieren
 
  • Mehr Infos

  •  
Alle Artikel von Hannes Loh, Hannes Loh
  • Diese User besitzen die Platte

  •  
 
 

Social Network Login




Logge dich schnell und einfach mit deinen Social-Network-Zugangsdaten bei uns ein.
 
 
  • WEITERE PLATTEN

  •  
 
  • ÄHNLICHE PLATTEN

  •  
 
 
Anzeige
 

Spalter: Platte und Film des Monats

Spalter: Platte und Film des Monats

Das Intro-Streitgespräch: Jeden Monat eine neue Platte, ein neuer Film und unterschiedliche Meinungen. [...mehr]