Fullbliss
»This Temple is Haunted«
[ulfTone / Edel Contraire / VÖ: 03.06.2002 ]
Text:
Till Stoppenhagen,
Till Stoppenhagen
An manchen Tagen ist Berlin ein verdammt hässlicher, deprimierender Moloch - wenn ich einem dort lebenden Freund glauben darf. Diese Erfahrung hat David Judson Clemmons wohl auch schon mal gemacht. Waren die Songs vom letzten Album seiner Band Jud schon weiß Gott kein Dokument unbeschwerter Lebensfreude, so klingt “This Temple Is Haunted”, ebenfalls in Berlin geschrieben und produziert, wie ein vertonter Abschiedsbrief. Vielleicht könnte man bei soviel Depression, Introvertiertheit und Verzweiflung auf die dumme Idee kommen, dieses Album gleich als musikalische Lebenshilfe für Jungs auf erfolgloser Identitätssuche wegzusortieren. Doch dagegen steht, auch wenn Clemmons sich nie zu weit vom typischen Jud-Sound wegbewegt, immer wieder sein Mut zu schwelgerischem Pop-Appeal, wie beispielsweise auf dem Streicher-untermalten “This Morning”, oder das stellenweise Aufblitzen unaufdringlich eingängiger Hooks und Harmonien von The-Verve-Format, die für angenehme Stilbrüche sorgen – wow! Auch wenn dann doch meist disharmonischer, lethargischer Slow-Motion-Doom und stoisch mahlende Mid-Tempo-Stoner-Riffs das freudlose Bild bestimmen - so richtig aussichtslos finster wird’s dank dieser songwriterischen Lichtblicke nie.
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