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»Groove Armada - Another Late Night«

[Treacle / Azuli / Zomba]

Text: Burkhard Welz, Burkhard Welz

Nicht jeder hat die Möglichkeit, ein ganz persönliches Tape von seinem Lieblings-DJ in die Hand gedrückt zu bekommen, um die Magie eines bestimmten Abends immer wieder in den eigenen vier Wänden zu rekapitulieren. Aus diesem Grund gibt es unzählige DJ-Mix-CDs, von denen nur wenige wirkliche Klassiker werden. Etwas fehlt in diesen Ansammlungen, die hauptsächlich durch Aktualitätsanspruch, Labelbindung und VÖ-Politik bestimmt werden. Einige kleine Labels gingen daher einen Schritt weiter und forderten von namhaften Produzenten und hoffnungsvollen Newcomern Zusammenstellungen mit deren ganz persönlichen Lieblingsliedern, ohne Rücksicht auf sonderliche Aktualität oder Marketingstrategien.

Ein neues Prinzip mit großem Erfolg, denn diese Compilations funktionierten nach der Maxime “Mixtape” – eine persönliche Liebeserklärung an die Musik. Namhaftester Vertreter ist die “Another Late Night”-Serie des britischen Treacle-Labels. Die Mixe von Zero 7, Rae & Christian oder Fila Brazilia entwickelten sich schnell vom Geheimtipp zum Klassiker. Nun sind die auf der Insel hochverehrten Remix-Experten, DJs und Produzenten Andy Cato und Tom Findlay von Groove Armada an der Reihe. Dass sie Alt und Neu verbinden können, bewiesen sie schon bei der Konkurrenzveranstaltung “Back To Mine”, wo unter ähnlichen Richtlinien compiliert wird. Die beiden legen auch hier großen Wert auf den Flow und die Mix-Kompatibilität der einzelnen Stücke. Wunderschöne All-Time-Favourites von Roy Ayers (“The Memory”), Grace Jones (“Don’t Cry – It’s Only Rhythm”) oder Al Green (“Truth’n’Time”) wechseln mit contemporary classics von Kimbu Kimra (“Raise The Dead”) und brandaktuellem Stuff aus der Groove-Armada-Plattenkiste von SG4 Project bis zu Protegé Tim Love Lee. Obendrein noch den Swing-Klassiker “Fly Me To The Moon” im exklusiven Groove-Armada-Rework als famosen Opener der akustischen Reise durch fünf Jahrzehnte. Nicht ganz so vielfältig das Set von Basti und Ali alias Tiefschwarz, Stuttgarts floortaugliche Aufarbeitung des Deep-House-Prinzips. Die beiden setzen trotz Lieblingslied-Motto mehr auf die Grooves und Clicks. Letztendlich auch auf die Tanzbarkeit. Leider habe ich noch nie ein (Night-) Live-Set der beiden verfolgen können, sonst würde diese Zusammenstellung mehr über ihre Maxime verraten. Das Ganze geht über minimal und gebreakt bis hin zu deep und opulent, gewürzt mit einem neuen eigenen Track (“Nix”). Wer Überraschungen sucht, wird hier allerdings eher zurückhaltend bedient. Herbert darf natürlich nicht fehlen und auch die Klassiker, auf die sich alle House-DJs einigen können (Katos’ “Disco Tech” bspw.). Dafür wird stets professionell gemixt, das Set eignet sich perfekt für den Barbetrieb, nicht so sehr für den gemütlichen Nachmittag zum Räkeln auf der Sitzgarnitur.



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aus Intro #96 (Juli 2002)
 
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