BEWERTEN
 

Red Hot Chili Peppers

»By The Way«

[Warner / Wea / VÖ: 08.07.2002 ]

Text: Till Stoppenhagen, Till Stoppenhagen

Zugegeben - besonders viel erwartet hatte ich nicht. Aber so vermeidet man Enttäuschungen ja immer noch am besten. Entweder wird man in seiner Rockverdrossenheit bestätigt - das verschafft Erfolgserlebnisse -, oder es ist dann doch alles nicht ausgelutscht und vorhersehbar (man denke nur an ihr Wahnsinns-Album “Californication”) und ergibt, zusammen mit dem Sympathie-Bonus aus seligen Alternative-Tagen, noch eine Gnaden-Drei. Wer wollte es jeglichen good ol’ good time boys denn schon übelnehmen, wenn nach über 20 Jahren in Hinblick auf Kreativität und Weiterentwicklung nicht mehr ganz so die Post abginge wie einst im örtlichen Jugendzentrum? Um so tiefer sinkt die Kinnlade, wenn dann so ein überraschender Wurf wie “By The Way” dabei herauskommt.

Reifer, ernster sind sie geworden, die alten Partylöwen. Sanfte Melancholie und Nachdenklichkeit in Text und Ton bestimmen das Bild: bittersüßer Schmelz selbst über dem knalligsten Uptempo-Funkrocker, Balladen und Semi-Balladen galore, Ska-Offbeats und Flamenco-Gitarren, die aber auch nicht so richtig upliften wollen und ein - zumindest für diese Band - geradezu sensationeller Mut zum Experiment. Can, Kraftwerk und Neu! standen Pate bei den weirden Synthie-Sounds, die nicht nur immer mal wieder effektvoll eingestreut werden, sondern zum Teil tragende Funktionen in den 17 Songs einnehmen. Abfeiern war gestern - macht aber nichts. Ganz im Gegenteil.



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