BEWERTEN
 

Sonic Youth

»Murray St.«

[Geffen / Universal]

Text: Joachim Schaake, Joachim Schaake

Sonic Youth haben Indie-Rock definiert wie nur wenige andere Bands. An Respekt, der ihnen entgegengebracht wurde und noch immer wird, mangelt es ihnen gewiss nicht. Kaum wird man einem aufrechten Indie-Typen den Ausspruch entlocken können: „Sonic Youth? Sind doch überschätzt!“ Verständlich. Denn auf ihre nun schon gut 20jährige Bandgeschichte kann man nicht anders als ehrfurchterfüllt zurückblicken. Aber ich bin wohl trotzdem nicht der einzige, der dann doch auch mal lieber Pixies gehört hat. Die lassen sich irgendwie einfach leichter lieben. Und mal ganz salopp gesagt, kann man da auch besser drauf flashen.

Doch im Laufe der Zeit habe ich mich dann doch noch ganz gut mit Sonic Youth angefreundet. Insbesondere mit ihrem Spätwerk, dessen ausschweifende Entspanntheit von einigen alten Fans als langweilig empfunden wird. Ihr 16. Album „Murray St.“ setzt dann auch wieder konsequent den in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg fort. Offiziellen Angaben zufolge handelt es sich um den zweiten Teil einer Trilogie, die vor knapp zwei Jahren mit „NYC Ghosts & Flowers“ eröffnet wurde. Seit diesem Album ist auch Jim O’ Rourke festes, fünftes Mitglied der Band und dürfte damit einen maßgeblichen Einfluss auf die vermehrt epischen Songstrukturen haben. Was sich bei vielen anderen Versuchen zwischen Avantgarde und Postrock meist in Beliebigkeit verliert, funktioniert auf „Murray St.“ erneut ausgesprochen gut: Teils über zehnminütige Tracks mit langen Instrumentalpassagen, weiten Spannungsbogen und schroffen Gitarrenfiguren. Eigentlich bestehen Sonic Youth Songs seit jeher aus ähnlichen Elementen, aber die Gelassenheit, dieses bewusste sich Zeit nehmen, bekommt ihrer Musik ausgesprochen gut.



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aus Intro #95 (Juni 2002)
 
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