BEWERTEN
 

2 Many DJ`s

»- As Heard On Radio Soulwax Pt. 2«

[PIAS / Import / VÖ: 01.02.2003 ]

Text: Konrad Feuerstein, Konrad Feuerstein

Bastard Pop, der neue Bootleg-Trend aus (vor allem) UK – aber auch seit geraumer Zeit gerne gedisplayed von den Berlinern Herren um Le Hammond Inferno: Aus zwei Pop-Klassikern wird ein neuer zusammengemischt. „I wanna dance with Numbers“ von Girls on Top bzw. Whitney vs. Kraftwerk ist ein prominentes Beispiel. In dieser Form gibt es das seit Ende der Neunziger, die Grundidee, aus schon Vorhandenem etwas Neues zu machen, ist natürlich wesentlich älter: Bastard Pop speist sich einerseits aus der Konzeptkunst- und Sample-Avantgarde-Traditionslinie von Leuten wie den Residents, John Oswald, Negativland und V/VM, denen es um bewusste Dekonstruktion und Entkontextualisierung ging/geht (nicht ohne eine gewisse heimliche Leidenschaft für das Ausgangsmaterial), andererseits aus der ebenfalls ca.

seit den Siebzigern existenten DJ-Kultur, same as in HipHop (hier später durch Sampling ersetzt) und später Techno, wo es eher darum geht, Lieblingspassagen aus Lieblingsstücken zusammenzuschneiden (nicht ohne einen gewissen als dekonstruktiv verwertbaren Umkontextualisierungs-Effekt). Bastard Pop liegt irgendwo dazwischen, kombiniert anarchischen, entgrenzten Humor mit sogar doppeltem Wiedererkennungswert und Überraschungseffekt. Stephen und David Dewaele aus Belgien, die derlei seit gut zwei Jahren in ihrer eigenen Radiosendung praktizieren, haben das nun also in Albumform gebracht, geklärte Rechte, ähm, inklusive? Verhandlungen mit den Plattenfirmen haben jedenfalls drei Jahre gedauert, das Mischen am Mac eine Woche. Anders als im Rahmen ihrer meiner Meinung nach leidlich überflüssigen Poprock-Band Soulwax verorten die Brüder sich hier mit einer guten Auswahl aus Elektro, Old-Skool-HipHop, Dirty Disco, R´n´B, Indie-Rock, Techno-Clubhits und Trash-Klassikern als geschmackssichere Archiv-Swinger. Originale, A Capellas und Instrumentals treffen auf schon bastardisierte Bootlegs, Cover-Versionen und Stücke mit Samples von anderen Stücken. Bis auf weiteres: sehr unterhaltsam.



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