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Weezer

»Maladroit«

[Motor / Universal / VÖ: 13.05.2002 ]

Text: Joachim Schaake, Joachim Schaake
[4 Kommentare]

„If you hate this / no, I can’t blame you“, singt Rivers Cuomo in „American Gigolo“, dem ersten Lied auf “Maladroit”. Das klingt fast so, als wolle er sich dafür entschuldigen, dass so ein smarter, sensibler Typ wie er scheinbar ohne mit der Wimper zu zucken so einfach da oben mitspielt, im unseligen amerikanischen Rockzirkus. Und zwar ganz oben. Letztes Jahr das etwas überraschende Comeback mit dieser wunderbar gefälligen grünen Platte - und jetzt schon wieder einen Nachfolger am Start. So als sei die Band doch schon auf den Wahnsinnswiedererfolg eingestellt gewesen. Und gleich los auf die großen Festivals und in die Stadien.

Insbesonders in den USA bedienen Weezer ja seit jeher eine beängstigend heterogene Fangemeinde. Alternative hin oder her, hauptsache it kicks ass, dude, denkt sich da wohl auch so mancher GI. Genauso kaufen dann aber auch Football-spielende, verbindungsnahe Musterstudenten Marke Steve Sanders die Weezer-CDs – der fand übrigens sogar die Flaming Lips gut, als diese bei „90210“ im „Peach Pit“ auftraten. Seit Anfang Mai wurden die Fans in US-amerikanischen Plattenläden mit sogenannten „Listening Parties“ schon mal heiß auf das neue Album gemacht. Eine komische Vorstellung, dass da Scharen von Kids rumstehen und sich eine komplette CD anhören. Glücklicherweise sind Weezer-Alben bekanntermaßen nicht besonders lang. In Deutschland gab es hingegen selbst in privilegierten Medienkreisen kaum die Möglichkeit, sich im Vorfeld einen Eindruck von „Maladroit“ zu verschaffen. Allerdings war es jedoch leicht zu erahnen, in welche Richtung es bei Weezer im Jahr eins nach der Grünen gehen würde.
Es fällt nicht schwer dem Weezer’schen Veröffentlichungs-Zyklus eine gewisse Symmetrie zuzuordnen. Das selbstbetitelte erste Album wurde aufgrund seiner Eingängigkeit ein Mehrfach-Platin-Seller, und die Band zu Helden zahlloser Skateboard-Kids, denen Pavement zu schräg und Pearl Jam zu blöd war. Darauf folgte das etwas sperrige „Pinkerton“, das viele Fans als zickig empfanden und das Verkaufszahlen-mäßig floppte. Auf der 2001 erschienen dritten Platte fehlte dann wieder der Albumtitel. Dafür gab es analog zur ersten erneut ein schönes geeky Coverfoto und ca. 35 Minuten Sommer-Hits nonstop, die trotz ihrer beängstigenden Ohrwurm-Qualitäten eine deutlich längere Halbwertszeit als die Vans Modell „Checkerboard Slip On“ hatten, die einer der Weezers auf dem Cover-Foto trägt. Die Neuauflage dieses Klassikers wurde leider schon Monate vor dem Erscheinen der grünen Weezer im ID und ähnlich dämlichen Fashion-Blättern zu Tode gehypt. Umso schöner, dass sie dann auf dem Albumcover genau so selbstverständlich und unpeinlich präsentiert werden wie fast 20 Jahre zuvor von Sean Penn in „Fast Times at Ridgemond High“. Ebenso selbstverständlich hittig und unpeinlich sind die Songs auf dem Album. Und jetzt, gerade mal ein knappes Jahr später, erscheint „Maladroit“: Wieder ein komischer Albumtitel, ein merkwürdiges Gemälde, und deutlich ruppigere, scheinbar angestrengte Stücke. War eigentlich klar, oder? Ein Flop muss es deshalb nicht wieder werden. Denn ich vermute mal, dass Rolling-Stone-ähnliche-Redakteure genau zum jetzigen Zeitpunkt ein erwachsenes, schwereres und vielschichtigeres Werk erwartet haben. Und einigen Fans hat der Vorgänger wohl auch ein bisschen zu sehr auf fette Airplays geschielt.
Also werden auf „Maladroit“ noch mehr Rock-Raketen als bisher abgefeuert. Und wenn Schlagzeuger Pat Wilson in einem Interview zum grünen Album noch sagte, Weezer seien „keine Rockband, sondern eine Popband mit Marschall-Verstärkern“, so werden sie mit ihrem neuen Werk nun wohl spätestens in den US-amerikanischen Rock-Olymp erhoben werden. Wie ihre Proberaumposterhelden Van Halen spielen Weezer 70s/80s High Energy Rock. Mit aller Cheesyness, singenden Leadgitarren, Tempowechseln, Wouhwow’s und Yeah’s. Stellenweise sind sie dabei auch nicht so weit von Alice In Chains entfernt. Aber selbst aus dem schlammigsten Rocksumpf befreien sie sich dann wieder mit Melodien, die auch Menschen, die nie was mit Rockmusik zu tun hatten, in genau diesen Sumpf hineinziehen. Und Weezer wären nicht Weezer, wenn nicht auf der neuen Platte auch wieder diese wunderschönen Hymnen wären, die genau die richtige Portion Schwermut enthalten. „Death and Destruction“ ist ein solches Stück, das auch nichts von seiner Schönheit einbüssen müsste, wenn es auf einem „Metal Balads“-Sampler zwischen Whitesnake und den Scorpions eingekeilt wäre.
Obwohl es manchmal schwer einzuschätzen ist, ob Rivers Cuomo bei soviel Zitaten und soviel Ironie in seinen Songs immer große, echte Gefühle kommuniziert, sind die Songs auf jeden Fall im Stande große, echte Gefühle hervorzurufen. Soul nennt man das dann wohl nicht, aber trotzdem gibt es wohl derzeit kaum charttaugliche Rockbands, die so etwas leisten können.



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  • User: Fogg
  • Fogg 03.06.2002 | 17:38:02

    "In Deutschland gab es hingegen selbst in privilegierten Medienkreisen kaum die Möglichkeit, sich im Vorfeld einen Eindruck von „Maladroit“ zu verschaffen."

    wie bitte?? der Großteil der Songs stand schon seit Eeeeeewigkeiten im Netz!

  • User: Daniel Decker
  • Daniel Decker 03.06.2002 | 17:43:36

    aber es wurden keine promos verschickt (bzw. erst sehr spät, am freitag vor der veröffentlichung) etc. und die mp3s waren auch nur von der band eingestellt, und nicht von der plattenfirma, weezer bekamen ja auch tierischen ärger mit ihrem label deswegen...

  • takaplus 27.09.2002 | 15:14:35

    hab mir die cd gekauft, diese woche.
    bin sehr angetan, die grüne war wohl so eine art Äbandaufnullsetzenundvonvorneanfangen' oder so...
    hier gehts wenigstens wiede rund

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